Unterschiede in der Behandlung: Abenteuer Krankenhaus – für Menschen mit Typ-1-Diabetes?

2 Minuten

Unterschiede in der Behandlung: Abenteuer Krankenhaus – für Menschen mit Typ-1-Diabetes? | Foto: Wort & Bild-Verlag – Angie Wolf
Foto: Wort & Bild-Verlag – Angie Wolf
Unterschiede in der Behandlung: Abenteuer Krankenhaus – für Menschen mit Typ-1-Diabetes?

Dr. Bernhard Lippmann-Grob ist Facharzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Diabetologie und Medizinhygiene. Außerdem ist er ausgebildeter Risikomanager. Für DBW gibt er eine Einordnung zu den Herausforderungen für Menschen mit Typ-1-Diabetes bei einem Krankenhaus-Aufenthalt.

Wenn man ins Krankenhaus muss, ist man meist etwas angespannt: Man ist nicht mehr nur leicht krank, man weiß nicht genau, mit welcher Diagnose man sich auseinandersetzen muss oder wie eingreifend möglicherweise eine Operation werden wird. Hat man noch einen Typ-1-Diabetes als Daueraufgabe, wird die Anspannung noch größer, weil man nicht weiß, wie das Diabetes-Management unter den unbekannten Rahmenbedingungen durchgeführt werden kann.

Unter der Bezeichnung „Diabetes mellitus“ werden mindestens zwei von ihrem Entstehen her völlig unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst, weil sie mit einer Urinzucker-Ausscheidung als gemeinsames Merkmal einhergehen. Die Ursache dafür könnte aber kaum unterschiedlicher sein. Der Typ-2-Diabetes ist den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen vertraut, da er fast 10 Prozent der Bevölkerung betrifft und bei mindestens 20 Prozent der Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, als Nebendiagnose vorliegt. Müssen Patienten nüchtern bleiben, kann unter den Bedingungen einer stationären Behandlung oft die Behandlung mit Tabletten oder auch Insulin reduziert oder gar abgesetzt werden, ohne dass die Blutzuckerwerte deutlich steigen.

Typ-1-Diabetes braucht immer Insulin

Beim Typ-1-Diabetes ist die Situation völlig anders: Diese Diabetesform entsteht durch den Insulinmangel, der durch die autoimmune Zerstörung der Insulin-produzierenden Inselzellen ausgelöst wird. Die Behandlung wird mit dem Ersatz des fehlenden Insulins sichergestellt. Dazu sind oft nur kleine Insulinmengen erforderlich, die angesichts der sonst beim Typ-2-Diabetes gemachten Erfahrungen für Überraschung sorgen können. Auch das Risiko einer Stoffwechsel-Entgleisung ist deutlich höher, wenn Insulin reduziert wird. Wird Insulin abgesetzt, ist eine Stoffwechsel-Katastrophe kaum zu vermeiden.

Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen zwar statistisch häufiger als Menschen ohne Diabetes ins Krankenhaus, aber ihr Diabetestyp ist deutlich seltener als der oben dargestellte Typ-2-Diabetes. Deshalb ist die Erfahrung mit diesem Krankheitsbild bei nicht diabetologisch Ausgebildeten im Krankenhaus eher klein.

Aktiv handeln mit Typ-1-Diabetes

Ein weiterer wichtiger Punkt im Hinblick auf die Herausforderungen eines Typ-1-Diabetes als Nebendiagnose einer stationären Behandlung ist, dass das stationäre Umfeld für die Ursachen-Forschung und/oder Reparatur gestörter Körperfunktionen optimiert ist. Die Rolle der Patienten in diesem System ist eher passiv. Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich aber um eine chronische Stoffwechselstörung, deren Management im Alltag nur durch aktive Betroffene geleistet werden kann. Bei einer stationären Behandlung ist das Risiko des Konflikts zwischen dem „aktiven Diabetesmanager in eigener Sache“ und dem des „passiven Patienten“, der sich im Krankenhaus behandeln lassen muss, sehr hoch.

Wie man am besten konkret vorgeht, wenn man als Mensch mit Typ-1-Diabetes ins Krankenhaus muss, plus eine Checkliste gibt es auf der DBW-Website.


von Dr. Bernhard Lippmann-Grob

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (8/9) Seite 68

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Kochen Backen Diakids: Ein Kochbuch vom Typ F, das Unterstützung verdient
Kochen für Kinder mit Typ-1-Diabetes muss alltagstauglich sein. Genau diesem Anspruch wurde Sandra Harsch mit ihrem Buch „Kochen Backen Diakids“ gerecht. Damit das Buch künftig noch mehr Familien erreichen kann, läuft derzeit ein Crowdfunding für eine zweite Auflage.
Kochen Backen Diakids

3 Minuten

Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V.
Nach mehreren Jahren an der Spitze übergibt Michael Wirtz sein Amt: Neuer Vorsitzender der DiabetesHilfe Nord e.V. wird Reiner Sommer. Wirtz blickt auf gemeinsame Projekte zurück und erklärt, warum er dem Verein trotz Rückzugs weiterhin verbunden bleiben möchte.
Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V. | Fotos: privat

< 1 minute

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%