Vorsorge von Übergewicht und Typ-2-Diabetes: Kinder können nichts dafür, wie sie aufwachsen

2 Minuten

Übergewicht und Typ-2-Diabetes: Kinder können nichts dafür, wie sie aufwachsen | Foto: Rawpixel.com - stock.adobe.com
Foto: Rawpixel.com - stock.adobe.com
Vorsorge von Übergewicht und Typ-2-Diabetes: Kinder können nichts dafür, wie sie aufwachsen

Extremes Übergewicht (Adipositas) und Typ-2-Diabetes werden zu einer Bürde für das Gesundheitssystem – ein Problem, das die Politik zu wenig auf dem Schirm hat. Es braucht dringend bessere Vorsorge-Maßnahmen.

Immer häufiger wird heute bei Menschen schon im Kindes- und Jugendalter ein Typ-2-Diabetes festgestellt. Die Erkrankung geht gerade bei den jungen Betroffenen einher mit einem hohen Risiko für Folgeerkrankungen.

Katastrophe nicht auf dem Schirm

„Die Erkrankung dieser Kinder und Jugendlichen und ihre Folgen bedeuten nicht nur für die betroffenen Menschen, sondern auch für unser solidarisch getragenes Gesundheitssystem großen Schaden“, sagt Sandra Schneller, ehemalige Vorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes. „Da bahnt sich eine gesundheitsökonomische Katastrophe an, die niemand auf dem Schirm zu haben scheint!“ Schafft es das Thema „Diabetes“ mal in die Mainstream-Medien, dann am ehesten, weil Forschende ankündigen, die Krankheit heilen zu können. Die Pharma-Industrie dagegen hat Menschen mit Typ-2-Diabetes, der meist in Verbindung mit Adipositas auftritt, auf ihrem Radar – und erforscht künftige Therapien.

Forschende des Universitätsklinikums Ulm haben nun das familiäre Umfeld von Kindern in den Blick genommen, die aktuell wegen eines Typ-2-Diabetes in Behandlung sind. Sie untersuchten sozioökonomische Faktoren. Dazu zählten unter anderem der Bildungsgrad der Eltern, die finanzielle und Wohnsituation sowie die gesundheitliche Verfassung naher Angehöriger. In sehr vielen Fällen zeigte sich, dass die Erkrankung in Familien auftrat, die in der ein oder anderen Hinsicht besonders belastet waren – weil die Eltern getrennt leben, finanzielle Unsicherheit herrscht oder ein Migrationshintergrund die Situation beeinträchtigt.

Aufklärung und Konsumsteuerung

„Die Kinder können nichts dafür, wie sie aufwachsen“, sagt Sandra Schneller dazu. Die Herausforderung: „In den allermeisten Fällen, wo ein Kind an Typ-2-Diabetes erkrankt, müsste die ganze Familie ihr Verhalten und ihren Lebensstil ändern.“ Dabei brauchen sie Unterstützung und Anleitung. Die wichtigsten und wirksamsten Mittel gegen den stetigen Anstieg des Typ-2-Diabetes im Kindes- und Jugendalter sind Aufklärung über die Erkrankung sowie Gesundheits- und Ernährungsbildung. „Natürlich kann man Menschen in Fragen der Ernährung und des Lebensstils nicht bevormunden“, sagt Schneller. „Umso dringender müssen sie informiert sein.“ Lebensmitteln muss beispielsweise auf einen Blick anzusehen sein, ob sie gesundheitsschädlich sein können.

Gesundheitsbildung für alle

„Wir sehen die steigenden Zahlen als eine Mahnung an Politik und Gesundheitsökonomen, ihrer Verpflichtung nachzukommen, Prävention und Aufklärung zu stärken“, sagt Schneller weiter. „Wir wünschen uns Maßnahmen, die auf dem direktesten Weg alle erreichen.“ Die vollständige Version des Artikels gibt es unter diabetikerbund.de/typ-2-diabetes-vorbeugen.

MOCA: Mitforschende gesucht!

Forschende der Charité untersuchen, wie proteinreiche Ernährung auf Fettleber und Insulinresistenz wirkt. Der DDB fördert die Studie (Bericht im Diabetes-Anker 4/2025). Für die Studie werden weitere Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes gesucht.

Mehr Informationen gibt es auf der DDB-Website.


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 74 (10) Seite 61


zur Beitragsübersicht von Deutscher Diabetiker Bund e.V.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V.
Nach mehreren Jahren an der Spitze übergibt Michael Wirtz sein Amt: Neuer Vorsitzender der DiabetesHilfe Nord e.V. wird Reiner Sommer. Wirtz blickt auf gemeinsame Projekte zurück und erklärt, warum er dem Verein trotz Rückzugs weiterhin verbunden bleiben möchte.
Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V. | Fotos: privat

< 1 minute

Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“
Im ersten Teil dieser Serie ging es um einen Perspektivwechsel: Typ-2-Diabetes ist nicht nur eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Entscheidend ist auch Fett an den falschen Orten. Wenn dieses Fett abnimmt, kann sich der Stoffwechsel verbessern. Doch warum ist es so schwer, an diese Fettreserven heranzukommen? Gewichtsverlust braucht ein Energie-Defizit. Doch entscheidend ist auch, ob der Körper die Tür zu seinen gespeicherten Energie-Reserven weit genug öffnen kann.
Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“ | Foto: Viktor – stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%