Von Eltern für Eltern: Typ-F-Wochenende in Obernkirchen – Hilfestellung jenseits aller Lehrbücher

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Großes Gruppenfoto auf einer Wiese: Zahlreiche Kinder, Jugendliche und Eltern in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „Gemeinsam löwenstark!“ strecken jubelnd die Arme in die Höhe, rechts unten sind bunte Figuren von Fantasietieren eingeblendet.
Von Eltern für Eltern: Typ-F-Wochenende in Obernkirchen – Hilfestellung jenseits aller Lehrbücher | Foto: DNI
Von Eltern für Eltern: Typ-F-Wochenende in Obernkirchen – Hilfestellung jenseits aller Lehrbücher

Ende August verwandelte sich das JBF-Centrum Obernkirchen in ein Festivalgelände für unser Eltern-Kind-Wochenende: Über 100 Menschen vom Diabetes Typ F kamen zusammen. Zwischen Fachvorträgen und buntem Rahmenprogramm zeigte sich in einer neuen Workshop-Reihe: Die wertvollsten Antworten kommen oft von denen, die selbst schon alles durchlebt haben.

Wenn sich über 100 Menschen vom Typ F aus ganz Deutschland zu unserem Familienwochenende im weitläufigen und malerisch gelegenen Jugend-, Bildungs- und Freizeit-Centrum (JBFC) Obernkirchen versammeln, ist das längst gute Tradition. Auch in diesem Jahr reisten nicht nur Familien aus Niedersachsen an, um sich drei Tage lang auszutauschen, zu lernen und einfach einmal Kind oder ausgelassenes Elternteil sein zu dürfen.

Petrus zeigte sich derweil in Spiellaune: Mal drehte er kurzerhand die Heizung auf, mal ließ er einen kurzen Schauer niedergehen, um Minuten später wieder die Sonne rauszulassen. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, sie blieb durchgängig ausgelassen. Dies stand nicht im Widerspruch zum großen Interesse an den zahlreichen Vorträgen und Workshops.

Kompetente Antworten auf schwierige Fragen

Fachlich hochkarätig ging es in den Vorträgen für Eltern und Jugendliche zu. Diabetesberaterin Hiltrud „Hille“ Bruns vom Diabetes-Zentrum Quakenbrück erklärte besonders den Eltern frisch diagnostizierter Kinder anschaulich und verständlich, wie sich ein Diabetes Typ 1 im Notfall auch ganz ohne kontinuierliches Glukose-Messen (CGM) und Insulinpumpe managen lässt und welche Maßnahmen für welchen pumpenlosen Zeitraum nötig sind.

Dabei fiel auf: Dieses Wissen wird längst nicht mehr in jeder Klinik nach der Ersteinstellung vermittelt. Ein heißes Eisen packte Bruns in zwei getrennten Workshops für Jugendliche und Eltern an: den Umgang mit Alkohol bei Diabetes Typ 1 – lebensnah, anschaulich und ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Um die für viele Eltern kniffligen Themen Fett-Protein-Einheiten (FPE), Anpassen der Basalrate und Ketone drehte sich der Vortrag von Chefärztin Dr. Louisa van den Boom vom Helios Klinikum Gifhorn. Kompetent und mit dem ein oder anderen Aha-Moment im Publikum beantwortete sie auch die verzwicktesten Nachfragen.

Die Möglichkeit des Probetragens eines FreeStyle-Libre-3-Plus-Sensors wurde zahlreich genutzt, insbesondere von Omnipod-5- und t:slim-Trägern. | Foto: DNI
Der Kennenlernabend und zahlreiche Workshops wurden von den Typ-F-Selbsthilfegruppenleitern kreativ selbst gestaltet. | Foto: DNI

Erfahrung aus erster Hand

Zum eigentlichen Herzstück unseres Familienwochenendes wurde in diesem Jahr aber eine ganz neue Workshop-Reihe: „Eltern für Eltern“. Hier übernahmen erfahrene Selbsthilfegruppenleiterinnen und -leiter der Diabetiker Niedersachsen selbst das Mikrofon und referierten zu Themen wie Pflegegrad bei Diabetes Typ 1, Klassenfahrten und Übernachtungen bei Freunden oder dem Erwerb des Führerscheins. Gerade für Familien mit frischer Diagnose erwiesen sich diese Runden als wahre Fundgrube an Informationen und lebenspraktischen Ratschlägen – Wissen, das nicht aus Lehrbüchern stammt, sondern aus jahrelanger eigener Erfahrung.

Bunt, divers und in Bewegung

Für das Rahmenprogramm sorgte das Team um Theaterpädagogin Stephanie Höll, die gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Claudia und Yuka Garrido bereits beim Kennenlernabend kreativ und interaktiv gute Laune verbreitete. In Workshops zu Teamfähigkeit, Respekt und Selbstbewusstsein vermittelten die drei den Kindern und Jugendlichen ein Gefühl für die Gefahren von Mobbing und sozialen Netzwerken. Dabei kamen unter anderem Techniken aus dem brasilianischen Kampftanz Capoeira zum Einsatz, den im 16. Jahrhundert Sklaven entwickelt haben.

Auch Musik und Improvisationstheater kamen nicht zu kurz. Zwischendurch wurde in der Bastelstube eifrig gewerkelt, es entstanden etwa bunte T-Shirts oder Täschchen für Diabetes-Zubehör. Währenddessen sorgten Kinderschminken, das aufreibende Lasergame von Andreas Bittner aus Einbeck und eine Hüpfburg für zusätzliche gute Laune.

Yuka und Claudia Garrido sowie Stephanie Höll (v. l. n. r.) gestalteten die Tage für die Kinder, Jugendlichen und interessierten Eltern äußerst kreativ. Rechts im Bild die stellvertretende Landesvorsitzende Anke Buschmann. | Foto: DNI

Heiße News auf zwei Rädern

Für eine besondere Überraschung sorgte Sven Glaß aus Ingolstadt, der auf seinem Mountainbike vorbeischaute. Zuvor hatte er auf dem altgedienten Drahtesel tapfer den Bückeberg erklommen. Glaß stellte sein Fahrradtour-Projekt vor, mit dem er in dieser Eishockey-Saison Hunderte Kilometer quer durch Deutschland radelt, um Spenden für die Diabetiker Niedersachsen zu sammeln.

Als einzige Vertreterin eines Hilfsmittelherstellers war in diesem Jahr Alicja Baranowski von Abbott vor Ort und konnte endlich Neuigkeiten zu kommenden Pumpen-Kompatibilitäten des FreeStyle Libre 3 Plus sowie zu Features einer neuen Sensor-Generation verkünden. Entsprechend neugierig ließen sich zahlreiche Kinder und Eltern das Probetragen des CGM-Sensors nicht entgehen.

Erwachsen geworden

Beim traditionellen Grillabend vertieften Eltern neue Kontakte und pflegten alte Freundschaften – ein Bild, das zeigt, wovon Selbsthilfe eigentlich lebt. Natürlich waren die kompetenten Fachreferentinnen und -referenten auch in diesem Jahr wieder eine große Bereicherung. Doch das Wochenende hat gezeigt: Unsere Typ-F-Arbeit ist erwachsen geworden und kann aus eigener Kraft Bildungsangebote von hoher Qualität gestalten.

Die Erfahrungen langjähriger Diabetes-Eltern sind für Neueinsteiger in die Materie unglaublich wertvoll und leisten eine Hilfestellung, die selbst die beste Diabetes-Klinik oder -Schulung so nicht bieten kann. „Eltern für Eltern“ hat sich bewährt und wird künftig weiter ausgebaut.


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (8/9) Seite 64-65

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  • zojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

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