9 Tipps für ein- und mehrtägige Wanderungen im Gebirge

4 Minuten

Community-Beitrag
9 Tipps für ein- und mehrtägige Wanderungen im Gebirge

Schritt für Schritt gehe ich die Serpentinen auf dem Schotterweg nach oben, bis ich auf einen schmalen Steig treffe. Auf ihm gehe ich weiter: teils über Baumwurzeln durch den Wald und nach der Baumgrenze über große Steine. Dabei wird der Weg immer steiler. 1000 Höhenmeter wollen wir zunächst auf- und später wieder absteigen. Mein Blutzucker bevorzugt während des Aufstiegs jedoch gleich den Abstieg. Doch ich finde Mittel und Wege, auch den Diabetes in meinem schweren Rucksack voller Broteinheiten mit nach oben zu schleppen. Hier meine Tipps für ein- und mehrtägige Wanderungen mit schweren Aufstiegen und bis zu acht Stunden Gehzeit:

1. Gehaltvoll frühstücken

Aufstiege von 1000 Höhenmetern und mehr kosten Kraft und Ausdauer. Um dafür vorher ausreichend Energie zu speichern, empfehle ich, unbedingt gut und kohlenhydratreich zu frühstücken. Die Broteinheiten des Frühstücks solltet ihr genau kennen, um nicht versehentlich zu viel Insulin dafür einzugeben und die Tour mit Unterzucker beginnen zu müssen. Ich persönlich frühstücke rund vier bis sechs Broteinheiten und gebe mir nur maximal vier Einheiten ein, um mit einem Wert von 180-200 mg/dl (10,0-11,1 mmol/l) die Tour zu starten. Welcher Startwert der beste ist und wie viele Broteinheiten zum Frühstück sinnvoll sind, muss allerdings jeder für sich selbst herausfinden.

2. Richtig packen

Da ich schon mal für eine lange Wanderung bis zu 16 Broteinheiten zusätzlich einwerfen musste (und das bei einer teilweise ganz ausgeschalteten Insulinpumpe), empfehle ich, genügend Broteinheiten mitzunehmen. Zusätzlich ist eine Wanderung manchmal auch ein Abenteuer. Der Aufstieg kann länger dauern als gedacht, nicht immer gibt es eine Hütte in der Nähe und manchmal haben die Almen geschlossen. Zudem kann das Wetter in den Bergen schnell umschlagen und man muss gegebenenfalls länger bleiben als geplant. Genügend Broteinheiten und ausreichend Insulin sind daher sehr wichtig. Hier meine Packliste mit den wichtigsten Diabetes-Utensilien für eine Tagestour:

  • Messgerät mit genügend Teststreifen für zwei Tage
  • Insulin für mindestens zwei Tage
  • Notfallspritze
  • zwei Ersatzkatheter
  • Pen mit Ersatzkanülen
  • Pflaster
  • Tempotaschentücher
  • Handdesinfektionsmittel
  • fünf Zuckergel mit je zwei Broteinheiten für Unterzuckerungen und zur Einnahme, falls der Wert schnell sinkt
  • sechs Trinkpäckchen zur schluckweisen Einnahme während des Gehens
  • zwei Bananen für den kleinen Hunger
  • Butterkekse und Früchtebrot (oder auch Nüsse und Müsliriegel) für Pausen und zur Einnahme von etwas länger wirkenden Broteinheiten
  • belegte Brote für das Picknick am Mittag
  • eine Flasche Wasser für den Durst und falls hohe Werte auftreten
  • Wechsel-T-Shirt
  • Wanderstöcke zum Abstützen

3. In der Gruppe gehen

In der Gruppe oder zu zweit geht es sich leichter, denn man motiviert sich gegenseitig. Zusätzlich bietet eine Wandergruppe noch einen Vorteil: Ob bei einer Schürfwunde von einem Stein, bei einem umgeknickten Fuß oder einer Unterzuckerung – bei kleinen und großen Notfällen sind Menschen da, die helfen können.

4. Langsames und gleichmäßiges Tempo wählen

Sobald ich die Berge vor mir sehe, möchte ich am liebsten motiviert losrennen. Wenn ich das machen würde, wäre ich nach nur einem Kilometer im Unterzucker. Daher ist es sinnvoller, ein langsames und gleichmäßiges Tempo zu wählen. Einem solchen Tempo kann ich meine Basalrate gut anpassen. In der Regel habe ich meine Basalrate um 50 Prozent reduziert. Aber auch das muss jeder für sich selbst herausfinden. Um nicht zu schnell zu laufen, hilft es, so viel es geht von der Natur wahrzunehmen, zu betrachten und zu bestaunen. Später lohnen sich auch kurze Pausen an aussichtsreichen Stellen der Wanderung.

5. Regelmäßig messen und trinken

Manchmal ist der Aufstieg anstrengender, als wir denken, manchmal weniger anstrengend, als er anfangs aussah. Die Landschaft beim Wandern ändert sich manchmal mit jedem Schritt und unsere Schritte passen sich ihr an. Je nachdem, wie steil und wie holprig der Weg ist, ändert sich unser Energiebedarf. Deshalb sollte man häufig messen, um keine Blutzuckerschwankung zu verpassen. Denn gerade an steilen Passagen und Gratwanderungen können Schwindelgefühle gefährlich sein. Bei stetigen Aufstiegen kann es helfen, regelmäßig ein paar Schlucke Apfelsaft zu trinken, um den Blutzucker nicht absinken zu lassen.

6. Viele kleine Pausen machen

Ein kleines Beispiel: 400 Höhenmeter sind in wenigen Stunden geschafft, der erste Schweiß ist auf dem Rücken zu spüren und der erste Unterzucker hat sich schon angekündigt. Nun erstmal eine ausgiebige Pause machen und warten, bis der Wert genügend gestiegen ist, um die weiteren Höhenmeter zu absolvieren.

Eine lange Pause empfehle ich, unbedingt zu vermeiden. Denn wer geschwitzt ist und sitzen bleibt, der kühlt von der frischen Bergluft schnell aus. Anstatt lange zu pausieren, ist es besser, immer wieder kurze Stopps zu machen und Broteinheiten zu sich zu nehmen. So verhindert man, auszukühlen und aus dem Schrittrhythmus zu kommen.

7. Genügend Energie zuführen

Wer viel wandert, sollte nicht an Kohlenhydraten sparen. Schon gar nicht, wenn es draußen kühl ist und der Körper dadurch mehr Energie verbraucht. Vor allem Menschen, die zu den sogenannten Hunger-Ketoazidosen neigen (Ketoazidose bei normalen Blutzuckerwerten aufgrund von zu wenig Essen), sollten ihre Mahlzeiten nicht vergessen. Da habe ich schon aus so manchem Erlebnis gelernt. Mein Tipp: Ein kleines Picknick mit einem Käsebrot und einer Banane liefert schon mal vier Broteinheiten und kann relativ schnell bei einer kurzen Pause (oder auch zwei Pausen) zu sich genommen werden.

8. Rechtzeitig an den Abstieg denken

Der Aufstieg ist geschafft, das warme Mittagessen ist eingenommen und das Insulin dafür gespritzt. So weit, so gut, doch da war doch noch etwas: der Abstieg. Meistens benötigen wir für den Abstieg zwar deutlich weniger Energie als für den Aufstieg, doch unterschätzen sollten wir ihn deshalb nicht. In der Regel reduziere ich meine Basalrate dabei nur gering (um 30 bis 40 Prozent) und esse etwa eine BE zusätzlich. Auch hier gilt, dass der Blutzucker eines jeden Wanderers sich unterschiedlich verhält.

9. Bei Mehrtagestouren den Blutzucker am Abend gut beobachten

Wandern ist Sport und der kann seine Nachwirkungen haben. Um nächtliche Unterzuckerungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Blutzucker am Abend gut zu beobachten und gegebenenfalls sich mit einem etwas höheren Wert als sonst ins Bett zu legen. Auch wenn man bei Nächten im Mehrbettlager auf der Hütte niemanden wecken will: Der Blutzucker geht vor und sollte notfalls auch nachts gemessen werden.

Mein Fazit

Mit den vielen Broteinheiten und Diabetes-Utensilien im Rucksack mag eine Tages- oder Mehrtageswanderung im Gebirge zwar mehr Aufwand sein, doch dieser Aufwand wird mit einem unbeschreiblichen Freiheitsgefühl, einem Blick über Täler und Wolken und gemütlichen Aufenthalten in urigen Hütten belohnt. In diesem Sinne: Berg heil!

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #39 | 2024 steht für Achtsamkeit
Silvester in London, 25.000 Schritte täglich, Stretching vor dem Schlafen: Caro startet mit Achtsamkeit ins neue Jahr – und nimmt Diabetes-Vorsorge, Stressmanagement und Selbstfürsorge 2024 fest in den Blick.
#39 - 2024 steht für Achtsamkeit – Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

4 Minuten

Community-Beitrag
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #38 | 2023 steht für Gesundheit
Caro blickt auf ein gesundheitlich turbulentes Jahr 2023 zurück: Lebensmittelvergiftung, Gastritis, Gallensteine, Infekte – dazu eine Blutzucker-Achterbahnfahrt nach dem Absetzen eines Diabetes-Medikaments mit HbA1c über 7 Prozent. Was dennoch getragen hat: Yoga, Auszeiten und Diabetes-Events.
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt – #38 - 2023 steht für Gesundheit

3 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände