Gefühle, die nur ein Diabetiker so richtig nachempfinden kann

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© Christian Mentzel
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Gefühle, die nur ein Diabetiker so richtig nachempfinden kann

#1 Hypo-Kopf

Tausendmal Thema gewesen und doch ist es für Außenstehende immer wieder schwierig, zu verstehen, was da eigentlich in uns passiert, wenn wir in eine Unterzuckerung rutschen. Jeder Diabetiker ist anders – und jeder empfindet damit auch seine Hypoglykämien unterschiedlich. Ich kann es nur aus meiner Perspektive beschreiben: Herzrasen trotz völliger körperlicher Ruhe. Kalter Schweiß, der langsam den Rücken hinabrinnt. Ein völlig leerer Kopf, ein Gefühl, als wäre er mit Watte ausgestopft – unfähig zu denken. Beine, so weich wie Wackelpudding. Ein innerliches Kribbeln, als würden tausend Ameisen unter der Haut entlanglaufen. Panik – pure Angst um das Überleben.

Von außen muss eine Unterzuckerung nicht immer sichtbar sein. Nicht jeder Diabetiker beginnt zu zittern, nicht jeder wird blass oder fällt plötzlich in Ohnmacht, wie es immer wieder in Fernsehsendungen zu sehen ist. Und leider haben vor allem wir Menschen mit Diabetes nicht immer eine Erklärung dafür, weshalb jede Unterzuckerung sich etwas anders als die vorhergehende zeigt.

Quelle: Pixabay

#2 Nadelscheu

Ja, ja- Diabetes und Nadelphobie, das passt nicht zusammen. Stimmt. Diese Kombi ist der totale Mist. Und trotzdem gibt es sie. Die Angst vor dem Einstich wird nicht zwangsläufig besser, je öfter man sich damit konfrontiert (konfrontieren muss). Doch auch ohne eine ausgewachsene Phobie kennen die meisten von uns das Gefühl, wenn man eigentlich „einfach nur mal eben schnell“ einen Katheter setzen oder mit dem Pen spritzen möchte – und plötzlich sitzt man da, mit der Kanüle in der Hand, und kann sich einfach nicht überwinden, das verdammte Ding durch die Haut zu stechen, obwohl man es doch schon hunderte Male gemacht hat. Wie eine innere Blockade lähmt eine plötzliche Scheu die Hand nahezu, und nicht selten brauche auch ich mehrere Minuten, um mich zu überwinden – oder es jemand anderen machen zu lassen.

#3 Plagegeist

Bei den meisten von uns lebt der Diabetes wahrscheinlich im Laufe der Zeit irgendwie so „nebenher“. Und doch ist er immer da. Ob man ihn nach vorne zerrt, ins Licht der (eigenen) Aufmerksamkeit, oder ihn irgendwo ganz nach hinten in die verstaubte Kellerecke steckt – er bleibt penetrant da. Und dieses Wissen macht das stinknormale Leben manchmal echt nicht einfach. Urlaube, die entspannte oder aufregende Erlebnisse in den Alltagstrott bringen sollen, werden plötzlich zur organisatorischen Meisterleistung. Die eigene Hochzeit – einer der schönsten Tage im Leben eines jeden Paares – stellt einen vor Herausforderungen, die man ohne Diabetes definitiv nicht hätte, denn: Wohin mit der Insulinpumpe? Und wie viele BE hat ein riesiges Stück Hochzeitstorte eigentlich?

Natürlich werden sich viele jetzt denken: Ist doch nicht tragisch, wenn einen Tag lang mal die Werte neben der Spur liegen. Stimmt. Eigentlich. Denn jeder hohe Wert, jede Hypoglykämie kommt mit unangenehmen Begleiterscheinungen. Und ob Geburtstagsparty, Urlaub, Hochzeit, Klausur, Arbeit oder ein simpler Einkaufsbummel: Wenn die Blutzuckerwerte permanent danebenliegen, ist so ein eigentlich wunderschöner Tag schnell mal im Eimer. Ganz ehrlich? Es nervt. Ja, es nervt nicht immer – das gebe ich zu. Und doch gibt es da eben diese Tage, an denen dieses ständige Wissen um den Diabetes mir einfach nur zum Hals raushängt. Wenn dieser kleine Plagegeist sich klammheimlich in all die schönen Pläne stiehlt und sich mit einem fetten Grinsen breitmacht.

Quelle: Pixabay

#4 Erklärungsfrust

Quelle: creozavr/Pixabay

Apropos schlechte Werte. Hände hoch, wer noch nie in seiner gesamten Diabeteskarriere einen unerklärlich schlechten (ob zu tief oder hoch, sei mal dahingestellt) Blutzuckerwert auf dem Display stehen hatte. Jeder von uns hatte sicherlich mindestens einmal im Laufe seines Lebens mit Diabetes diesen Moment, in dem man sich fragt: „WIESOOOOOOOO?!?!?!?!?“ Das kann einen unheimlich frustrieren. Kennt ihr diese ungeheure Wut auf sich selbst, auf den Diabetes, auf… ja, worauf eigentlich? Irgendwie auf alles und jeden.

Was da definitiv nicht hilft, sind Sprüche à la: „Aber wieso ist denn dein Wert jetzt so schlecht?“ Explosionsgefahr! In solchen Momenten sollte man von mir lieber Abstand nehmen. Denn sich mit dem vermeintlich eigenen Versagen auseinanderzusetzen und es zu akzeptieren, dass ein eigentlich perfekter Tag plötzlich in Bahnen gerät, die einem überhaupt nicht gefallen, ist wirklich nicht einfach.


All die Gefühle und Situationen, die bei Diabetikern immer wieder vorkommen, sind ein großes Thema in Caros Beiträgen:

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  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 2 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • suzana antwortete vor 1 Tag

      Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 12 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

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