#DBW2018 – Abgabetag

3 Minuten

Community-Beitrag
#DBW2018 – Abgabetag

Es ist Tag 1 der Diabetes-Blog-Woche und das heutige Thema lautet: „Abgabetag: Wem würdet ihr einen Tag lang euren Diabetes geben und warum?“

Mein erster Gedanke war: „Dazu kann ich nichts schreiben, das ist ja super fies!“, denn auch, wenn der Typ-1-Diabetes für mich irgendwie erträglich ist, ist er nichts, was ich jemand anderem wünsche. Nach einigem Hin- und Herüberlegen und Ideen, welchem Typ Mensch ich eventuell doch für einen Tag die Betazellen klauen wollen würde (nämlich der Sorte: “Ich habe zwar keine Ahnung, bin mir aber sicher, dass Diabetes no big deal ist.”), fiel mir noch eine konkrete Person ein: ein Lehrer von früher.

Quelle: pixabay

Die allererste Unterzuckerung: Jetzt aber ja nicht ausruhen

Nach meiner Diabetes-Diagnose musste ich sehr schnell wieder zur Schule gehen. Ich weiß nicht mehr, ob ich eine oder zwei Wochen zu Hause war, aber ich war auf jeden Fall noch mehr im Schockzustand, als dass ich mich im Diabetes-Management irgendwie routiniert fühlte. Zu dem Zeitpunkt trug ich zwar schon vorbildlich immer Traubenzucker in meiner Hosentasche mit mir herum, rechnete aber nicht damit, ihn zu benötigen. Bis ich meine erste Hypoglykämie hätte, würde es noch einige Zeit dauern, meinte die Diabetesberaterin aus meiner allerersten Schwerpunktpraxis.

Und dann passierte es doch. Ich war noch keine ganze Woche wieder beim Unterricht, da stand auf dem Messgerät irgendein Wert mit einer 5 vor der zweiten Ziffer. Zum Blutzuckermessen war ich zur Toilette gegangen und während ich noch überlegte, ob das dann jetzt also eine Unterzuckerung ist, ob ich jetzt gleich unbemerkt umfalle und wie viel ich essen sollte, damit das nicht passiert, stand eigentlich auch die nächste Schulstunde an, und zwar Physik.

Wie wir alle wissen, darf im Naturwissenschafts-Trakt nicht gegessen werden. Also sagte ich zu meinem Lehrer, dass ich einen Moment später in den Unterricht kommen würde, weil ich jetzt was essen und dann gucken müsse, wie mein Körper das alles so verkraftet. Er antwortete mit hochgezogenen Augenbrauen, dass ich mich jetzt aber ja nicht auf meinem Diabetes ausruhen solle. Und damit war er geschaffen, der Grund, weswegen Herr XYZ die zweifelhafte Ehre hätte, meinen Diabetes einen Tag lang von mir zu bekommen. Diabetes und ausruhen. Das ist wie 35°C im Schatten und frieren. Damals fühlte ich mich deswegen ganz ertappt und überlegte, ob ich mich wohl zu sehr anstelle in dem Moment. Heute würde ich ihn fragen, ob er einen Marathonlauf auch als Ausgangssituation zum Ausruhen sehen würde.

Setzen, sechs, Herr Lehrer!

Im Nachhinein finde ich die ganze Situation sogar sehr gefährlich. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre noch unsicherer gewesen und hätte mich einfach still in den Unterricht gesetzt. Ohne etwas zu essen, um mich nicht „auszuruhen“ und nicht aufzufallen – aber eventuell umzufallen. Setzen, sechs, Herr Lehrer. Die Strafarbeit: einen Tag Diabetes “mit alles”.

In meiner Vorstellung erhält Herr XYZ heute ein Päckchen mit all dem Diabetes-Zubehör, das er braucht – natürlich mit konventionellem Blutzuckermessgerät, damit er sich auch ja schön oft piksen muss – und einer passenden Karte dabei (ich stelle sie mir mit einem schönen Faultier-Motiv vor):

„Sehr geehrter Herr XYZ,

ab diesem Moment produziert ihr Körper leider kein Insulin mehr, anbei finden Sie Ihr Diabetes-Probe-Set für 24 Stunden voll unvergesslicher Momente. Aber ich bitte Sie inständig, sich darauf jetzt nicht auszuruhen – viel Spaß!

Mit freundlichen Grüßen

Katharina”


Die Diabetes-Blog-Woche wird übrigens organisiert von den Blood Sugar Lounge-Autoren Ilka, Sascha und Saskia.

diabetes-blog-woche

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Kürzere Liegedauer und niedrigere Sterblichkeit: DDG Zertifikate für Kliniken können Leben retten
Kliniken, die Zertifikate der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) für ihre Diabetes-Expertise erhalten haben, weisen eine kürzere Liegedauer und niedrigere Sterblichkeit auf. Jährlich könnten 1.140 Leben von Menschen mit Diabetes durch zertifizierte Diabetes-Versorgung gerettet werden. Das zeigt eine neue bundesweite Untersuchung.
Eine junge Krankenschwester kümmert sich um eine ältere Frau in einem Krankenhausbett. Beide lächeln sich an.

2 Minuten

Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten
Ob Früherkennung von Netzhautschäden, Unterstützung bei der Insulindosierung oder Vorhersage von Unterzuckerungen: Künstliche Intelligenz spielt in der Diabetes-Behandlung eine zunehmend wichtige Rolle.
Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten | Foto: sirichai – stock.adobe.com

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 6 Tagen, 18 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂