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Diabetes-Technologie und Barrierefreiheit: Wenn Technik zur Hürde wird
2 Minuten

Insulinpumpen, Glukosesensoren, Diabetes-Apps: Moderne Diabetes-Technologie kann Menschen mit Diabetes dabei helfen, ihren Alltag sicherer und selbstständiger zu gestalten. Doch für blinde und sehbehinderte Menschen ist sie oft nicht nutzbar, weil Geräte und Apps nicht barrierefrei gestaltet sind. Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie (AGDT) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) macht in einem Kommentar auf die fehlende Barrierefreiheit aufmerksam und stellt klare Forderungen an Hersteller, Politik und das Gesundheitssystem.
Wie viele Menschen sind betroffen?
In Deutschland leben schätzungsweise zwei Millionen Menschen mit Diabetes, die gleichzeitig eine Sehbeeinträchtigung haben. Jedes Jahr erblinden rund 2000 Menschen infolge eines Diabetes mellitus. Für sie ist der Zugang zu Diabetes-Technologie besonders wichtig – und gleichzeitig besonders schwierig.
Warum Barrierefreiheit oft scheitert
Moderne Smartphones bieten bereits gute Hilfsfunktionen: Mit VoiceOver (iPhone) und TalkBack (Android) können blinde Menschen ihr Gerät per Sprachausgabe bedienen. Allerdings nutzen viele Diabetes-Apps diese Funktionen nicht. Oft sind außerdem Schaltflächen unbeschriftet oder Grafiken haben keine Texterklärung, wodurch die Apps damit für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen schlicht nicht bedienbar sind.
Das ist auf mehreren Ebenen problematisch. Zum einen verlieren Menschen mit Diabetes und Sehbeeinträchtigung dadurch ihre Eigenständigkeit. Können sie Diabetes-Technologie nicht selbst bedienen, sind sie auf ständige Hilfe, zum Beispiel durch eine 24-Stunden-Assistenz angewiesen, um gefährliche Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden. Durch barrierefreie Technik könnten demnach auch Kosten gesenkt werden, wenn diese Assistenz wegfällt bzw. vermindert wird und das Risiko für stationäre Behandlungen im Krankenhaus sinkt.
Was muss sich ändern?
Die AGDT hat klare Anforderungen an Hersteller, Politik und das Gesundheitssystem formuliert, um Barrierefreiheit in Diabetes-Technologie zu integrieren.
- Bei Apps und Software sollten Hersteller die vorhandenen Barrierefreiheits-Standards der Betriebssysteme von Smartphones konsequent nutzen. Dazu gehören beschriftete Schaltflächen, anpassbare Schriftgrößen und die Möglichkeit, Daten in einem Format zu exportieren, das auch mit Hilfsprogrammen für blinde Menschen lesbar ist.
- Bei Geräten gilt das sogenannte „Hören-Fühlen-Prinzip”: Insulinpens und -pumpen sollten ein spürbares Klicken pro abgegebener Insulineinheit haben. Tasten müssen ertastbar sein – reine Touchscreens ohne fühlbare Markierungen sind für blinde Menschen nicht nutzbar. Alle Warnsignale, etwa bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder einem leeren Akku, müssen zusätzlich als deutliche akustische Signale ausgegeben werden.
- Auf politischer Ebene fordert die AGDT, dass Barrierefreiheit zur Pflichtvoraussetzung für die Zulassung digitaler Medizinprodukte wird. Außerdem sollten nur nachweislich barrierefreie Systeme in das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen werden. Die AGDT fordert außerdem, dass Diabetesberaterinnen und -berater sowie Ärztinnen und Ärzte im Umgang mit Hilfstechnologien für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen geschult werden.
Barrierefreiheit ist keine Kür, sondern Pflicht
Zusammenfassend findet die AGDT deutliche Worte: „Barrierefreiheit von Diabetestechnologie ist kein optionales Zusatzfeature, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Patientensicherheit und Eigenständigkeit.“ Digitalisierung dürfe keine neuen Hürden schaffen, sondern müsse den Zugang zu Behandlung und Unterstützung erleichtern. Dafür brauche es die Zusammenarbeit von Herstellern, Politik und Betroffenenverbänden.
Umfrage zu Diabetes-Technologie und Sehbehinderung
Wer selbst von einer Sehbeeinträchtigung betroffen ist und an einer aktuellen Umfrage zur Nutzung von Diabetes-Technologie teilnehmen möchte, findet diese unter: https://jgu.particifyapp.net/p/94798024.
von Janina Seiffert
Janina Seiffert ist Apothekerin und Journalistin bei der MedTriX Group. Sie ist tätig als Redakteurin beim Diabetes-Anker und betreut zudem das Fachmagazin „Diabetes, Stoffwechsel und Herz“, in dem wissenschaftliche Beiträge, Übersichtsarbeiten zu den Zusammenhängen zwischen Diabetes, endokrinologischen Erkrankungen und kardiovaskulären Risiken erscheinen.
Quelle: Berndt-Zipfel C. et al. Kommentar der AGDT: Barrierefreiheit in der Diabetestechnologie für blinde und sehbehinderte Menschen. Diabetes, Stoffwechsel und Herz, Band 35, Ausgabe 4/2026, S. 233-235
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lena-schmidt postete ein Update vor 2 Wochen
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Monat, 1 Woche
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße




