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Zu viel Fleisch, Bier und Brühe: Wie ungesunde Ernährung Gicht auslösen kann
4 Minuten

Die Gicht gehört zu den Erkrankungen, die dank Umstellung der Ess- und Lebensgewohnheiten gut in den Griff zu bekommen sind. 10 bis 30 Prozent der Männer und 2 bis 6 Prozent der Frauen hierzulande haben eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut; im Lauf des Lebens entwickelt jeder Zehnte von ihnen daraus eine Gicht. So auch Typ-2-Diabetiker Thomas Müller. Was er tun musste, um seine Werte in den grünen Bereich zu lenken und schmerzfrei zu sein, lesen Sie hier.
Es war Anfang Januar vergangenen Jahres, als Thomas Müller so massive Schmerzen im linken großen Zeh verspürte, dass er sogar die Bettdecke nicht mehr auf seinem Fuß ertragen konnte. Zunächst dachte er an eine Verletzung – es ließ sich aber nichts erkennen. Die Schmerzen ließen nach drei Tagen immer noch nicht richtig nach, also ging er zum Arzt.
Dieser fragte den 58-Jährigen nach den Begebenheiten der letzten Wochen: Da gab es einige fröhliche Weihnachtsfeiern, den 55. Geburtstag seiner Frau und schließlich Weihnachten und Silvester … die üblichen Schlemmertage zum Jahresende. Und dann auf einmal Schmerzen, wie er sie vorher noch nie erlebt hatte. Sein Hausarzt hegte bereits eine Vermutung, wollte diese mittels Blutuntersuchung abklären. Das Ergebnis stand schnell fest: Der Harnsäurewert des Typ-2-Diabetikers war deutlich erhöht.
Wichtig: ungesunde Gewohnheiten auf Dauer umstellen
“Herr Müller, Sie hatten einen akuten Gichtanfall”, lautete das Urteil des Mediziners. “Ihr Harnsäurewert liegt bei 8,8. Normal sind bei Männern Werte unter 7,0 Milligramm pro Deziliter Blut”, erklärte er weiter. Es gibt zwar Medikamente, um den Wert in gesunde Bahnen zu bugsieren, diese sollte Thomas Müller aber nur kurzfristig einnehmen, in Kombination mit kalten Umschlägen um den Zeh. Viel wichtiger sei es, ungesunde Gewohnheiten auf Dauer umzustellen.
Was meinte der Arzt damit? Gut, ein paar Kilo könnten tatsächlich runter. Besonders jetzt zum neuen Jahr eine gute Möglichkeit, mehr für die Gesundheit und damit verbunden für gute Blutzuckerwerte zu tun. Abnehmen war Thomas Müller klar – nur, was denn sonst noch? “Essen Sie weniger Fleisch, dann werden sich die Werte bessern”, riet Müllers Hausarzt. Zu Hause angekommen, erzählte er seiner Frau von diesen Ratschlägen. “Das ist doch prima – wenn wir weniger Fleisch essen, tut das uns und auch der Umwelt gut”, sagte sie zu ihrem Mann.
Ab jetzt gab es im Hause Müller nur noch jeden zweiten Tag statt täglich Fleisch. Eine ganz schöne Umstellung für den agilen Typ-2-Diabetiker. Fleisch schmeckte ihm einfach gut und hatte schließlich keine direkte Wirkung auf den Blutzucker.
Nicht nur weniger Fleisch essen
Es kam noch drastischer: Seine Frau machte einen Nähkurs an der Volkshochschule. Dort kam sie mit einer Teilnehmerin ins Gespräch, deren Mann auch schon einen Gichtanfall hatte. “Die Frau sagte mir, dass es nicht ausreicht, einfach weniger Fleisch zu essen. Auch Wurst, Geflügel, Fisch, Fleischbrühe, Hülsenfrüchte und manche Gemüsesorten sollten nur selten auf den Tisch. Und dann hat sie noch irgendwas von Bier gesagt”, berichtete sie ihrem Mann.
Gut gemeinte Ratschläge hin oder her: Sabine Müller wollte es nun genau wissen. Im Internet fand sie zahlreiche Tipps und einen Ratgeber von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE. Die war ihr aus dem Diabetes-Journal ein Begriff. Kurze Zeit später war die kleine Broschüre in Müllers Briefkasten. Sabine Müller studierte alles ganz genau. Dort war zu lesen, “dass die Basis für eine langfristig erfolgreiche Behandlung der Gicht in jedem Fall eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist”. Denn Entstehung und Verlauf seien maßgeblich durch Ess- und Lebensgewohnheiten beeinflussbar. “Eine konsequent durchgeführte Ernährungstherapie hilft dabei, Arzneimittel einzusparen, oder kann eine medikamentöse Behandlung sogar überflüssig machen.”
Zu den wichtigsten Maßnahmen der empfohlenen Ernährungstherapie gehörte auf jeden Fall Abnehmen, aber nicht mittels Blitzdiät. Die vorgeschlagene purinarme Ernährung sollte überwiegend aus Getreideprodukten, Kartoffeln, ausgewählten Gemüsearten, Salat und frischem Obst bestehen, ferner aus fettarmer Milch und Milchprodukten, Eiern in Maßen sowie ausreichend Flüssigkeit und wenig Alkohol, vor allem wenig Bier. Auch ihr Mann las sich diese Empfehlungen durch. Nur: Was hatte denn Bier mit Harnsäure zu tun? Dort stand, dass Alkoholisches die Harnsäurebildung steigert und gleichzeitig die Harnsäureausscheidung über die Nieren hemmt. Auch alkoholfreies Bier ist ungeeignet.
Praktische Tipps zur Gicht-Vorbeugung
- Langfristig gesund abnehmen
- Lebensmittel fettarm auswählen
- täglich mindestens 2 bis 3 Portionen frisches Gemüse und Obst
- Spargel, Spinat, Rosen- oder Blumenkohl, Brokkoli und Hülsenfrüchte höchstens einmal wöchentlich
- täglich Vollkornprodukte wie Brot oder Müsli
- ein bis zwei fettarme Milchprodukte am Tag
- 3- bis 4-mal pro Woche insgesamt 100 bis 150 g Fleisch, dazu maximal 2 bis 3 Portionen Wurst à 30 g in der Woche
- schult das Auge: Mengen beim Metzger genau abwiegen lassen
- ideale Fleischgerichte: Spieße, Ragout, Gulasch, Geschnetzeltes mit Gemüse
- Tausch von Fleischbrühe gegen hefefreie Gemüsebrühe
- mindestens zwei Liter kalorienarme, besser -freie Flüssigkeit täglich trinken
- Alkohol am besten meiden bzw. selten konsumieren
- auch alkoholfreies Bier ist ungeeignet
- regelmäßiges Bewegen tut Gewicht, Psyche und Blutwerten gut
Ab jetzt viel Gemüse, Salat und frisches Obst
Statt regelmäßig Fleisch und ein Bierchen zum Abendessen haben die Müllers einiges verändert. Jetzt stehen täglich ein Salat, frisches Obst der Saison und statt Pommes frites gekochte Kartoffeln sowie Gemüse auf dem Tisch; mit Ausnahme von Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen, Linsen und Sojabohnen sowie ein paar Gemüsesorten wie Blumen- oder Rosenkohl. Trotzdem hat Sabine Müller in der Anfangszeit öfter mit Soja als Fleischersatz gearbeitet, um ihrem Mann den Übergang zu erleichtern. Damit lassen sich Bolognese oder Frikadellen einfach zubereiten. Nahezu purinfrei sind dagegen Milch und Milchprodukte wie Quark, Joghurt, Kefir oder Dickmilch.
Nun ist es ein Jahr her, dass Thomas Müller unter starken Schmerzen nach deren Ursache suchte. Es ist viel passiert: Fleisch isst er nur noch dreimal pro Woche, in kleiner Menge. Bier trinkt er äußerst selten, beispielsweise ein Glas bei einem Geburtstag. Vier Kilo sind über die Monate verschwunden. Bei der letzten Blutuntersuchung war die Harnsäure auf 6,5 gefallen. Dafür hat sich die Umstellung gelohnt, findet er. Thomas Müller bleibt dabei, denn einen solch schmerzhaften Start ins neue Jahr möchte er nie mehr erleben.
Rezepte
- Gulasch mit Pilzen und Paprika
- Frikadellen mit körnigem Frischkäse
- Karottenquiche
- Mediterrane Fleischspieße mit Süßkartoffeln
von Kirsten Metternich von Wolff
Kirsten Metternich von Wolff hat eine ernährungsmedizinische Ausbildung mit Zusatzqualifikation bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als freie Journalistin, Buchautorin und Referentin. Gesunde Ernährung bei Diabetes ist einer ihrer thematischen Schwerpunkte.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (1) Seite 72-81
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123novesia postete ein Update vor 1 Tag, 17 Stunden
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
- lena-schmidt antwortete vor 18 Stunden, 24 Minuten
Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena
jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
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lena-schmidt postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche
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