Allzeithoch

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© Kirchheim-Verlag/Christian Mentzel
Allzeithoch

Als Diabetologe in einer Klinik muss unser Kolumnist Dr. Hans Langer häufig Patienten anraten, ihr Körpergewicht zu reduzieren. Doch was ist, wenn der eigene Arztkittel plötzlich immer mehr spannt und man sich an seinen eigenen Ratschlägen und Forderungen messen lassen muss?

Es gibt Witze meiner Ehefrau, über die ich überhaupt nicht lachen kann. Gaby, die bekannterweise in einer Bank arbeitet, sagte vor kurzem zu mir: “Weißt du eigentlich, was du und der deutsche Aktienindex gemeinsam haben?” Als ich mit einem langen “Neeee” antwortete, sagte sie: “Der deutsche Aktienindex und dein Gewicht erleben gerade ein Allzeithoch.” “Haha, sehr witzig, aber da kann ich überhaupt nicht drüber lachen.”

Klinikkittel zu heiß gewaschen und eingegangen?

Dass ich etwas zugenommen habe, weiß ich selbst; und dass ich gern weniger wiegen würde – auch klar. Es gibt aber nichts, was einen mehr davon abhält, sein Gewicht zu reduzieren als das ständige Rumnörgeln der Ehefrau.

Nun ja, in der Klinik ist es auch schon relativ blöd. Meine Hemden zwicken, und der Kittel schließt auch nur noch unter Spannung. Das Stethoskop hänge ich mir lieber um den Hals, weil es in den Taschen ja so aufträgt. Ich habe das immer darauf zurückgeführt, dass unsere Klinikkittel zu heiß gewaschen werden und dabei eingehen.

Vertrackte Vorbildfunktion …

Was mir aber letzte Woche passiert ist, ließ mich dann doch etwas nachdenklich werden: Nachdem ich einem meiner übergewichtigen Patienten meinen Standardvortrag über die Gefahren des Übergewichts gehalten hatte und ihm genau erklärte, wie man ohne zu hungern und mit etwas mehr Bewegung Gewicht verlieren kann, meinte dieser nur: “Na, Herr Dr. Langer, da haben wir gemeinsam ja einiges vor.”

Es ist schon wirklich blöd, wenn man eine Vorbildfunktion hat. Und Abnehmen ist doch gar nicht so schwer, zumindest erzähle ich das immer meinen Patienten. 500 kcal pro Tag einsparen, das muss doch drin sein. Schokolade weglassen, kein Feierabendbier usw. – und das bisschen Sport muss doch auch zu schaffen sein. Jeden Tag eine halbe Stunde aufs Ergometer, Joggen, Nordic Walking oder ins Fitnessstudio ist doch umsetzbar, oder?

Man muss es wollen!

Ich muss einfach nur das machen, was ich meinen Patienten immer erzähle. Das Entscheidende aber ist: Man muss es wollen. Also die Entscheidung treffen, anfangen und zur Gewohnheit werden lassen. Das ist es, und genau das habe ich beschlossen. Ab morgen – aber Gaby werde ich kein Wort darüber sagen. Bin gespannt, ob sie merkt, was ich mache. Ein wenig Lob von ihr täte mir schon gut, wäre viel besser, als Witze über mich zu machen. Aber sie will ja nur mein Bestes …


von Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (3) Seite 82

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  • uho1 postete ein Update vor 5 Tagen, 6 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂