Falsch bewertet

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Falsch bewertet

Online-Bewertungsportale für Ärzte und Kliniken sollten ja eigentlich dazu gedacht sein, dass Patienten sich im Vorfeld einer Behandlung oder eines Aufenthalts eingehend informieren können. Doch viele Kommentare sind unsachlich: von allzu überschwänglich bis grottenschlecht, findet unser Kolumnist Hans Langer.

“Bewertungsportale sind doch die Pest”, polterte mein Chef bei der letzten Besprechung vor dem gesamten Team. Was war geschehen? In gängigen Bewertungsportalen im Internet hatte ein Patient geschrieben, dass es mit unserer Klinik bergab ginge, seit unser Chefarzt am Ruder wäre.

Schlechte Bewertung aus Rache

Die ärztlichen Kollegen fanden das eher lustig – denn wieso sollte es unsere Klinik noch geben, wenn es ständig bergab gegangen wäre in den letzten 20 Jahren, seit Klaus unser Chefarzt ist? Aber er regt sich natürlich maßlos auf – denn wir wissen natürlich, welcher Patient die Bewertungen abgegeben hatte: Es war genau jener, der letzte Woche wegen unangepassten Verhaltens gegenüber anderen Patienten und Mitarbeitern die Klinik vorzeitig verlassen musste.

Natürlich ist es das gute Recht eines jeden, in Deutschland seine Meinung frei zu äußern. Aber Bewertungsportale im Internet sollten doch dazu gedacht sein, dass Menschen sich über Dinge, die sie demnächst in Anspruch nehmen werden, informieren können. Wenn man weiß, dass andere in gleicher Situation sehr zufrieden waren, dann fällt es vielen vielleicht doch leichter, sich in die Behandlung einer mit “gut” bewerteten Einrichtung zu begeben.

Vele unsachliche Kommentare

Allerdings sind viele Kommentare unsachlich: Von allzu überschwänglich bis grottenschlecht findet man in Bewertungsportalen landauf, landab alle möglichen Kommentare. Wenn man jetzt noch weiß, dass es heute im Internet sogar mehr oder weniger legale Anbieter gibt, um gute Bewertungen kaufen zu können, dann ist das Ganze schon ein bisschen seltsam. Aber wie so oft im Internet ist geschrieben halt geschrieben – und man kann wenig dagegen tun, außer darauf zu hoffen, dass durch bessere Kommentare die schlechten auf der Liste immer weiter nach unten rutschen.

Im Fall unserer Klinik ist das schnell passiert, denn wir bekommen wirklich viele sehr positive Rückmeldungen; aber da wird unser Chef oft nur am Rande erwähnt, denn die Patienten loben natürlich die Diabetesberater, die Krankenschwestern und uns Ärzte. Wenn es aber hart kommt, dann bekommt unser Chefarzt das meiste ab – das ist halt so bei Chefärzten. Unter der Hand wird vermutet, dass ein kleiner Teil seines Gehaltes als Schmerzensgeld ausbezahlt wird. Und daher muss er jetzt mit diesem schlechten Kommentar leben. Aber das ist er ja schon ein wenig gewohnt, der Klaus.


von Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (6) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
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