Sind Ärzte immer die Experten?

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© Christian Mentzel
Sind Ärzte immer die Experten?

Eine Diskussion unter Allgemeinärzten über die kontinuierliche sowie die Flash-Glukosemessung versetzte unsere Kolumnistin Jana Einser nicht nur in Erstaunen, die dabei vorherrschende Unkenntnis bereitete ihr sogar Bauchschmerzen.

Neulich erlebte ich in einem Spielfilm mal wieder ein diabetologisches Highlight: Ein Mann, bewusstlos wegen einer Überzuckerung, erhielt einen Schluck Wasser – und alles war wieder gut. Damit er nicht wieder zusammenbrach, gab ihm der Arzt noch Traubenzucker mit. Oh, oh – wenn Filmemacher schon nicht in der Lage sind, sich im Vorfeld gut zu informieren, wie soll dann der Normalbürger das verstehen?

Wenn Allgemeinärzte über CGM und FGM diskutieren …

Noch entsetzter war ich aber,als ich mitbekam, mit welcher Unkenntnis Allgemeinärzte über Flash Glukose Monitoring (FGM; System FreeStyle Libre) und kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) diskutierten.

Eine der Fragen war, ob diese “sehr teure Variante” der Glukosemessung tatsächlich einen Vorteil habe bezüglich z. B. Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall? Das können nur Langzeitstudien beantworten – aber wir sollen, bloß weil es diese Studienergebnisse noch nicht gibt, heute auf eine Möglichkeit der besseren und nach meinem Empfinden sichereren Zuckersteuerung verzichten?

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Bezeichnend fand ich auch, dass ein Arzt das häufige Scannen des Glukosewerts beim FreeStyle Libre als krankhaft empfindet. Er vermutet zudem, dass sich viele Patienten mit einem solchen System freikaufen wollen von der Angst zu unterzuckern. Außerdem schreibt er von der Illusion, “Sünden” so besser monitoren zu können.

Aussagen von Ärzten, die mir Bauchschmerzen bereiten

Dass Kenntnisse zum Thema fehlen, zeigt auch die Aussage eines Arztes, dass die kontinuierliche Glukosemessung ja keine Messung des aktuellen Werts sei, weil nicht Blut-, sondern Gewebezucker gemessen werde. Er hält deshalb diese Messmethode auch für nicht geeignet für Closed-Loop-Systeme. Ich denke, dass der Alltag mit einer sensorunterstützten Pumpentherapie und Studien durchaus anderes zeigen …

Solche Aussagen bereiten mir Bauchschmerzen, denn wenn Ärzte sich nicht mit dem Thema auskennen, wie sollen sie dann Patienten vernünftig beraten? Ein Satz eines Arztes gibt mir aber wieder Hoffnung: “Wenn sich diese Menschen ein bisschen mehr Unbeschwertheit und Unkompliziertheit im Umgang mit ihrer Krankheit wünschen, ein bisschen näher an der Situation, wie sie für uns alle völlig normal ist, dann ist das mehr als verständlich und urärztliche Aufgabe, unsere Patienten dabei zu unterstützen.”


Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (6) Seite 84

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 1 Stunde

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 19 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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