Urlaubsreif

2 Minuten

© Christian Mentzel
Urlaubsreif

Ich weiß auch nicht, warum, aber es gibt Bundesländer, die haben immer als letzte Sommerferien. Bedauerlicherweise liegt unsere Diabetes-Klinik genau in einem solchen Bundesland. Während die Hessen, Sachsen, Rheinland-Pfälzer und so weiter bereits gut erholt die Rückreise aus dem Süden antreten, malochen wir immer noch und sehnen den Urlaub dringend herbei.

Meine Frau Gaby meint, das sei doch gar nicht schlecht, wenn wir das gute Wetter und die Sommerzeit zuhause genießen und dann erst in den Urlaub fahren – und so vielleicht den Sommer verlängern. Außerdem sei dann auch die Vorfreude größer.

Leere Batterien – das merken auch die Mitmenschen

Nun ja, da hat sie vielleicht recht, aber wenn der Abstand zwischen dem letzten Urlaub und dem herbeigesehnten nächsten Urlaub zu lang wird, dann merke ich immer mehr, wie meine Batterien leer werden. Ich bin eigentlich urlaubsreif und brauche dringend Erholung, zumindest meiner Ansicht nach.

In einer stillen Stunde fragte ich mich, ob das wohl meine Mitmenschen merken? Vermutlich schon, denn ich bin irgendwie genervter, weniger fehlertolerant, und mein jugendlicher Charme (Selbsteinschätzung) ist auch irgendwie verflogen.

… dann platzt mir innerlich schon mal der Kragen

Ich weiß gar nicht, ob ich das sagen darf, aber wenn ich urlaubsreif bin, gehen mir manchmal sogar die Patienten auf die Nerven. Natürlich nicht alle, sondern nur die, die mich besonders fordern – und das tun manche ganz gehörig. " Herr Dr. Langer, können Sie dieses Rezept noch ausstellen?", "Herr Dr. Langer, können Sie schnell noch mal einen Ultraschall machen?", "Herr Dr. Langer, ich würde gerne einen Tag früher nach Hause gehen!" und so weiter.

Wenn dann noch mein Chef antanzt und darüber meckert, dass die Arztbriefe erst nach drei anstatt nach zwei Wochen das Haus verlassen, dann platzt mir innerlich schon mal der Kragen.

Naja, ich glaube, ich bin da nicht der einzige, und nach 10-maligem Ein- und Ausatmen geht es dann auch wieder. Deswegen habe ich gestern Abend Gaby mitgeteilt, Vorfreude hin oder her: Nächstes Jahr fahren wir früher in Sommerurlaub. Sie lächelte nur und sagte: "Ja, ja, Hans, das sagst du jedes Jahr."


Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.
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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Tagen, 6 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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