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Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #29 | Diabetes und Digitalisierung – Teil 2
4 Minuten
In meinem vergangenen Beitrag ging es um die digitalen Fortschritte in der Medizin und wie sie Patienten mithilfe von E-Rezepten, Online-Terminvereinbarungen und Apps zur Blutzuckerkontrolle im Alltag unterstützen. An dieser Stelle kann ich die bisherige Entwicklung gar nicht oft genug loben! Dennoch gibt es einige Themen, die ich leider nicht so ganz nachvollziehen kann und die m.E. dringend überdacht werden sollten. Und ein Thema davon ist u. a. Medikamente und die damit verbundenen Kosten.
Wenn man keine chronische Erkrankung hat, sich aber krank fühlt, geht man meist zum Arzt, welcher einem etwas gegen die Beschwerden verschreibt. Das Rezept wiederum wird dann später in der Apotheke für „kleines Geld“ eingelöst. Aber natürlich gibt es auch rezeptfreie Medikamente. Und kauft man da mal 1-2 Stück bei Bedarf, so schlackern einem ganz schön die Ohren, wenn man später die Preise an der Kasse sieht.

Früher dachte ich, wenn man chronisch krank ist, bekommt man vom Arzt immer ein Rezept für alles und hat somit nur eine geringe Selbstbeteiligung. Weil, wofür zahlt man schließlich Krankenkassenbeiträge, oder? Ich sehe jetzt schon viele Menschen mit Typ-2-Diabetes vor mir, die diesen Beitrag lesen und mit dem Kopf schütteln. Denn leider ist es ganz und gar nicht so! Wenn man als Mensch mit Typ-2-Diabetes keine Insulintherapie macht, bekommt man ausschließlich die Tabletten vom Arzt verschrieben. Doch das Blutzuckemessrgerät sowie die dazugehörigen Teststreifen oder auch Sensoren für ein gutes und kontrolliertes Diabetes-Management, müssen selbst finanziert werden. Eigentlich ein Witz, oder?
Man möchte meinen, dass Krankenkassen daran interessiert sind, dass ihre Mitglieder so lange wie nur möglich Folgeerkrankungen vorbeugen. Das würde schließlich zukünftig höhere Kostenausgaben vermeiden. Denn kommt es erst einmal zu einer oder mehreren Folgeerkrankungen, die bei Diabetes ja auch nicht gerade wenig sein können, dann kann es für Krankenkassen wirklich teuer werden. Daher stelle ich mir die Frage: Wäre es für Krankenkassen nicht smarter, die Patienten bei der Prävention vor möglichen Folgeerkrankungen zu unterstützen, als dem Kunden nur die „Basis-Ausstattung“ mit an die Hand zu geben? Sonst ist möglicherweise aufgrund der hohen Eigenfinanzierung weniger Kontrolle innerhalb des Diabetes-Managements möglich und somit könnten Folgeerkrankungen früher eintreten.
Man könnte natürlich behaupten, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes (ohne Insulintherapie) weniger Kontrolle bei den Blutzuckerwerten brauchen, wenn sie doch nur genügend Sport betreiben und sich gesünder ernähren würden. Denn ja, es ist natürlich etwas anderes, als wenn man auf Insulin angewiesen ist und mehrfach am Tag spritzen sowie die Werte kontrollieren muss. Und dennoch – auch Menschen mit Typ-2-Diabetes (ohne Insulintherapie) möchten ihre Werte kontrollieren und herausfinden, was für sie funktioniert und was nicht. Der Blutzuckerspiegel ist eine Richtlinie bzw. ein Spiegel, wie gut es unserem Körper geht. Und egal, ob Insulintherapie oder nicht, dieser Spiegel ist essenziell für ein gutes Diabetes-Management sowie ein langes Leben. Fingers crossed, dass Krankenkassen in naher Zukunft hier einlenken werden und Patienten mit Typ-2-Diabetes ebenfalls die Möglichkeit zu einem kostengünstigen Zugang zu Diabetes-Zubehör gewähren.
Da ich selber als Typ-2-Diabetikerin nicht Insulinpflichtig bin, weiß ich wovon ich rede. Ich bin nun fast im 3. Jahr seit meiner Diagnose, wovon ich seit 2 Jahren regelmäßig blutig messe. Und in den 2 Jahren ist natürlich einiges an Kosten für Teststreifen angefallen. Doch auch hier habe ich einen kleinen „Trick“ für mich entdeckt, wie ich bspw. günstiger an meine Teststreifen komme. Und da spielt natürlich die Digitalität wieder eine große Rolle. Denn ich kaufe meine Teststreifen oder generell verschreibungsfreie Medikamente gerne online. Ja ich weiß, es gibt viele Menschen die schimpfen auf Online-Apotheken. Denn laut deren Aussagen sind diese der Grund, warum lokale Apotheken weniger werden.

Aber mal ehrlich: Hast Du mal einen Preisvergleich vorgenommen? Allein bei meinen Teststreifen im Vergleich von lokaler Apotheke zur Online-Apotheke habe ich eine Preisdifferenz von ca. 30%. Und je nachdem, wie viele man braucht bzw. wie lange man auch dieses Produkt über die Jahre hinweg bestellt, summiert sich die Differenz doch zu einem ganz ordentlichen Betrag. Die krasse Preisdifferenz ist natürlich nicht nur bei Zubehör ersichtlich, sondern auch bei rezeptfreien Medikamenten.
Auch ich würde viel lieber meine Medikamente und mein Zubehör bei meiner lokalen Apotheke des Vertrauens kaufen. Einfach weil ich generell mehr umweltbewusster Leben und agieren möchte, um einen kleineren CO2-Abdruck zu hinterlassen. Und weil es einfach ein perfekter kleiner Spaziergang ist, wo man wunderbar ein paar Schritte im Alltag sammeln kann. Doch die Kostenvorteile sind einfach zu attraktiv, um sie nicht für sich zu nutzen. Zum einen, da ich wahrscheinlich bis zu meinem Lebensende mit Diabetes leben und da einige Teststreifen zusammenkommen werden. Zum anderen, weil wir einfach in einer Zeit leben, in der alles teurer wird und man da einfach schauen muss, wie und wofür man sein Geld ausgibt. Doch wer weiß, vielleicht führen lokale Apotheken eines Tages eine klassische „Tiefpreis-Garantie“ ein, welche viele wieder dorthin locken wird.
Was meinst Du? Kaufst Du Deine Medikamente online? Wo würdest Du dir von den Krankenkassen mehr Unterstützung wünschen? Schreib Deine Meinung gerne in die Kommentare!
Caros Kolumne
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!
von Caro
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 3 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 6 Tagen, 23 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 6 Tagen, 22 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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