Arbeiten im Mandel-Stand: Meine Oktoberfest-Erfahrung mit Typ-1-Diabetes

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Arbeiten im Mandel-Stand: Meine Oktoberfesterfahrung mit Typ-1-Diabetes | Foto: norbel – stock.adobe.com
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Arbeiten im Mandel-Stand: Meine Oktoberfest-Erfahrung mit Typ-1-Diabetes

Zwischen Zuckerduft und Menschenmassen: Conny erfüllte sich 2024 ihren Traum, auf der Wiesn zu arbeiten und war 16 Tage lang in einem Mandel-Stand als Verkäuferin tätig. Hier berichtet sie von ihrer Erfahrung mit der Schichtarbeit, dem Diabetes-Management und dem bunte Treiben auf dem Oktoberfest.

Ich möchte euch über meinen 16-tägigen Einsatz auf dem weltgrößtem Volksfest erzählen. Es war schon immer ein Traum von mir auf dem Oktoberfest – der Wiesn – zur arbeiten und letztes Jahr in 2024 habe ich mir diesen Traum endlich erfüllen können.

Im März letzten Jahres hatte ich mich bei Markus, dem Inhaber eines Mandel-Standes, beworben und was soll ich sagen: Ich hatte bis dahin keine Vorkenntnisse oder Erfahrungswerte im Schaustellerbusiness anzubieten, aber Markus hatte mich trotzdem eingestellt. Denn was ich gut kann, ist Quatschen – und das muss man als Mandel-Verkäuferin auch können. Vom 21. September bis einschließlich 6. Oktober 2024 habe ich dann meistens zwischen 10 und 11 Stunden pro Tag am Stand gearbeitet. Eine Diabetikerin im Mandel-Stand – schon crazy, oder was meint ihr? Absolut – und es war einfach cool!

Arbeiten im Mandelstand: Meine Oktoberfesterfahrung mit Typ-1-Diabetes | Foto: Cornelia Doll

Conny (links) bei einer ihrer Schichten auf dem Oktoberfest im „Mandelhans“ | Foto: Cornelia Doll

Stundenlang im Stehen arbeiten, statt wie gewohnt sitzend vorm PC

Da ich sonst als Angestellte der Landeshauptstadt München eher vorm PC und im Bürostuhl hänge, musste ich bei dieser Tätigkeit stehen und hatte den ständigen Geruch von Zimt und Zucker in der Nase. Es war Abwechslung pur und ich liebte es! Mein Diabetes-Management war dank meiner YpsoPump gut zu händeln. Das ständige Stehen hatte ich mit dem „Ease-Off“ (eine Art Sport-Modus) der Insulin-Pumpe gut hinbekommen und viel Zeit für ausgiebige Pausen gab’s auch nicht – es ist harte Arbeit auf der Wiesn! Ich ziehe den Hut vor allen, die dort bedienen, aufräumen, Mandeln brennen, Lebkuchen-Herzen verkaufen, Bier schleppen oder sonstige Jobs machen, die gemacht werden müssen, damit es läuft.

Mein Tag startete meist um ca. 10 Uhr mit Aufstehen, fertig machen und dann Frühstück. Um 12 Uhr begann meine Schicht. Ich hatte meine Team-Klamotten an und ich fühle mich total wohl. Mit dem Rad ab zur Wiesn – von mir zuhause ca. 10 Minuten … einfach Luxus 🙂! Dort angekommen, begann direkt der Trubel, die Menschenmassen waren schon da und ich dann nun auch. Also auf geht’s in die Wirtsbudengasse zum Stand „Zum Mandelhans“. Hans heißt hier zwar niemand mehr – wie gesagt hieß mein dortiger Chef Markus – aber der Stand trug diesen Namen.

Conny in ihrer Arbeitskleidung fürs Arbeiten im „Mandelhans“ auf dem Oktoberfest. | Fotos: Cornelia Doll

Ich hatte dort dann jeweils bis ca. 23 Uhr bzw. am Wochenende bis 0 Uhr gearbeitet. Der Kontakt zu den Menschen, nette Gespräche und Witze im Team, die Sonne und der Mandel-Geruch machen das Arbeiten auf dem größten Volksfest der Welt einfach traumhaft. Für manche womöglich schwer vorstellbar, hier zu arbeiten, aber für mich der größte Traum.

Das beste sind jedoch die Mandeln selbst! Nicht nur bei Hypos griff ich zu – auch zwischendurch, denn ich konnte einfach nicht widerstehen 🙂. Da im „Mandelhans“ jedoch größere Mandeln und weniger Zucker verwendet wird, war ich als Diabetikerin somit auch diesbezüglich genau richtig! Markus hatte mir vorab vieles erklärt, auch wie man die Mandeln richtig brennt.

Und wie lief es mit dem Diabetes-Management?

Aber jetzt mal zu meinem Blutzucker-Management, denn hauptsächlich deswegen sind doch bestimmt auch viele von euch hier hängengeblieben, oder? Meine Werte waren für diesen stressigen Job echt gut! Ich hatte, wie bereits erwähnt, oft den Ease-Off-Modus an und war somit auch gut gegen potentielle Unterzuckerungen geschützt. Mein Zielbereich hatte ich bei der Pumpe im Zeitraum von 11:30 bis 00:30 Uhr auf 130 mg/dl (7,2 mmol/l) hochgestellt. Auch wenn ich im Notfall immer zu den Mandeln greifen konnte, wollte ich keinen Hypo riskieren. Zur Sicherheit hatte ich daher auch noch die „Dextro Energy Gums“ und Multivitamin-Saft dabei.

Was ich euch noch mitgeben möchte: Kämpft für eure Träume! Es ist nie zu spät, zu lange, zu wenig, oder zu ungenau. Es sind eure Träume und wer lebt diese besser als ihr selbst? Ach und noch was: Eure Träume werden wohl nie allen Menschen gefallen oder ihr bekommt dafür dann vielleicht auch nicht überwiegend Zuspruch oder Anerkennung. Aber das Gefühl, den Traum zu leben (blöde Floskel, I know), ist einfach unbeschreiblich!


von Conny Doll

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