- Aus der Community
„Brief an mein jüngeres Ich“: Brainstorming beim Diabetes-Barcamp
5 Minuten
Das erste Diabetes-Barcamp ist nun schon ein paar Tage her, und etliche andere Blogger waren sehr fix und haben schon begeistert darüber berichtet, in der Blood Sugar Lounge zum Beispiel Kathi, Basti und Michi in ihrem Video, Nadja in ihrem Textbeitrag und auf den Diabetesblogs zum Beispiel Lisa, Steffi oder Tine. Ich fand das Diabetes-Barcamp ebenfalls große Klasse. Möglicherweise wurde dort mein nächstes größeres Projekt geboren – und ich würde mich riesig freuen, wenn etliche Leserinnen und Leser dabei mitmachen würden. Um was geht es dabei?
Zurückdenken an Momente der Angst, Verzweiflung und Scham
Als ich im September den Kongress der europäischen Diabetesgesellschaft EASD in Lissabon besuchte, entdeckte ich in der Industrieausstellung am Stand von Novo Nordisk ein tolles Büchlein. Es ist in englischer Sprache abgefasst, heißt „In your own words – Reflections on living with diabetes“ und enthält kurze Portraits und Briefe von Menschen mit Typ-2-Diabetes an ihr jüngeres Ich, in denen sie sich selbst Ratschläge für einen besonders kritischen Moment in ihrer „Diabeteskarriere“ geben.
Für alle Menschen in dem kleinen Buch war dies der Moment, als sie erstmals Insulin spritzen mussten. Denn das war der Moment, als es „so richtig ernst wurde“ mit der Erkrankung. Der Moment, an dem man sich vor ihr endgültig nicht mehr verstecken kann. Die portraitierten Briefeschreiber erinnerten sich also an diesen kritischen Moment, an ihre Verzweiflung, Angst oder Scham. Und sie schrieben diesem jüngeren Ich Briefe, in denen sie auf ihre Gefühle und Sorgen von damals eingehen. Einer schrieb sich selbst in seinem Brief, dass es keinen Grund gibt, sich vor Nadeln und Injektionen zu fürchten.
Eine andere schrieb sich selbst, dass sie keine Schuldgefühle wegen ihres Diabetes haben muss. Ganz viele Briefe handelten davon, dass man die Erkrankung akzeptieren muss, um gut damit zu leben. Ebenso viele Briefe handelten davon, dass man auch nachsichtig mit sich selbst sein und nicht so furchtbar perfektionistische Erwartungen an sich selbst stellen sollte. Man kann die Portraits und die dazugehörigen Briefe auch vollständig online nachlesen. Ein wunderschönes und sehr berührendes Projekt, wie ich finde.

Welche Gedanken würde ich in einem Brief an mein jüngeres Ich aufschreiben?
Mir stellte sich beim Lesen gleich die Frage: Was für einen Brief würde ich mir selbst schreiben, wenn ich an meine Diabetes-Diagnose zurückdenke? Welche Ratschläge würde ich mir selbst mit meinem heutigen Wissen mit auf den Weg geben wollen? Und gleich danach überlegte ich: Vielleicht haben andere Menschen mit Diabetes ja auch Gedanken, die sie gern einmal in einem Brief an ihr jüngeres Ich aufschreiben würden? Was wissen wir heute, das uns damals an Wissen oder Verständnis gefehlt hat?
Ich fand: Das ist ein perfektes Thema für das Diabetes-Barcamp, über das ich mich einmal mit anderen Menschen unterhalten möchte! Und wer weiß – vielleicht ergibt sich aus dem Brainstorming ja tatsächlich etwas Konkretes und wir schieben das Projekt gemeinsam an? Ein Buch mit Portraits und Briefen von Menschen mit Diabetes (Typ 1 oder Typ 2, das wäre mir in diesem Fall völlig egal) an ihr jüngeres Ich? Zum Glück fanden eine ganze Reihe anderer meine Projektidee auch spannend, sodass wir uns mit insgesamt 14 Leuten in einer sehr netten Runde wiederfanden und uns über unsere Erinnerungen austauschten.

„Hätte ich das damals schon begriffen, wäre manches leichter gewesen!“
Wir stellten fest: Auch bei uns hat sich im Laufe der Zeit das Bild gewandelt, das wir selbst von unserer Erkrankung und unserem Umgang damit haben. Rückblickend denkt man sich oft: „Ach, hätte ich das damals schon gewusst, dann wäre manches leichter für mich gewesen…“ Eine Teilnehmerin erinnerte sich zum Beispiel daran, dass sie lange fälschlicherweise als Typ-2-Diabetikerin eingestuft und behandelt wurde, obwohl sie Typ-1-Diabetes hat. Sie erzählte von dem Misstrauen, das sie infolge dieser Fehlbehandlung lange gegenüber Ärzten hegte. Und sie sagte: „Ich würde meinem jüngeren Ich raten, den Ärzten gegenüber nicht lockerzulassen, wenn ich ein ungutes Gefühl bei der Behandlung habe.“
Wenn ich auf meine eigene Diagnose, im Jahr 2010 im Alter von 40 Jahren, zurückblicke, dann denke ich daran, dass ich damals als Alleinerziehende besonders stolz darauf war, dass ich finanziell und in meiner Lebensplanung unabhängig war. Dass ich von niemand Hilfe brauchte. Eine chronische Erkrankung, die mich möglicherweise verletzlich, hilfebedürftig und weniger leistungsfähig machen kann, passte überhaupt nicht in mein Selbstbild. Ich war enttäuscht von meinem Körper, den ich doch eigentlich immer gut behandelt hatte.
In einem Brief an mein jüngeres Ich würde ich mir selbst schreiben, dass es keine Schande ist, auch mal Hilfe zu benötigen und einen Körper mit ein paar Schwachpunkten zu haben. Dass mein Körper immer noch viel Erstaunliches hinkriegt – zum Beispiel einen Triathlon, den ich mir vor meiner Diagnose nie im Leben zugetraut hätte. Ich würde mir schreiben, dass so eine beschissene Krankheit manchmal auch ein guter Seismograph ist. Sie sagt einem manchmal recht deutlich, wann es Zeit ist, etwas kürzer zu treten.
Wir fanden alle: Damals hätte uns ein bisschen mehr Gelassenheit gutgetan
Alle miteinander fanden wir übrigens rückblickend, dass uns ein bisschen mehr Gelassenheit gut getan hätte. Gelassenheit, wenn mal ein Blutzuckerwert aus der Reihe tanzt, oder bei blöden Sprüchen unwissender Mitmenschen. Und wir waren uns einig: Wenn man diese Gedanken öffentlich macht, helfen sie vielleicht anderen, die gerade am Beginn ihrer Reise durch das Diabetes-Universum sind. Und sie helfen Außenstehenden, die keinen Diabetes haben, uns besser zu verstehen. Mit dem Format als Büchlein mit einer begleitenden Website konnten sich alle anfreunden. Und so beschlossen wir, das Ganze einfach anzugehen und Geschichten zu sammeln.

Hast du Lust mitzumachen? Dann schreib mir deine Geschichte!
Wenn du nach diesem Beitrag Lust bekommen hast, an dem Projekt mitzuwirken, dann schlage ich vor, dass du dir die Website mit den englischsprachigen Portraits und Briefen einmal anschaust und mir dann schreibst. Am besten mit ein paar Stichpunkten zu deiner Person und deiner Geschichte:
- Wer bist du? Wie alt bist du? Seit wann hast du Diabetes? Welchen Diabetestyp?
- Was war für dich in der Vergangenheit ein besonders schwieriger Moment mit dem Diabetes? (Umstellung auf Insulin, schwere Hypoglykämie, Folgeschäden, familiäre Schwierigkeiten, oder etwas ganz anderes – was war ein Moment, wo du dir Rat von einem Erfahrenen gewünscht hättest?)
- Was würdest du dir selbst für Ratschläge und Gedanken mit auf den Weg geben, wenn du an diesen schwierigen Moment zurückdenkst?
Deine Geschichte und dein Brief müssen noch nicht perfekt ausformuliert sein. Ich bin einfach neugierig, wie es anderen Menschen ergangen ist und was sie rückblickend über die Dinge denken, die ihnen widerfahren. Genau deshalb schreibe ich als Journalistin am allerliebsten Portraits. Gemeinsam mit dem Kirchheim-Verlag (der ja auch hinter der Blood Sugar Lounge steht) und/oder Novo Nordisk werde ich dann schauen, wie die Resonanz auf diese Projektidee ist und wie wir eine deutsche Version des englischsprachigen Büchleins „In your own words – Reflections on living with diabetes“ realisieren könnten.
Bist du dabei? Dann schreib mir unter info@antje-thiel.de. Ich freue mich auf deine Geschichte!
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 2 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 4 Wochen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 4 Wochen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 4 Wochen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße