Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – verflixte Technik

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Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – verflixte Technik

Diabetes-Technologie hat das Leben vieler sehr positiv verändert. Wichtig ist es aber zu wissen, dass sie ausfallen kann … und dann ruhig zu bleiben.

Diabetes-Technologie hat das Leben vieler sehr positiv verändert. Wichtig ist es aber zu wissen, dass sie ausfallen kann … und dann ruhig zu bleiben. Ich blicke aus dem Fenster und schaue auf eine dicke weiße Wolkendecke. Plötzlich erstreckt sich der Teide in meinem Blickfeld. Das ist der Vulkan, für den die Insel Teneriffa so bekannt ist.

So drehe ich mich zu Melli und sage: „Sieh mal, hier kannst du einen Vulkan von oben betrachten!“ Schon vor dem Flug war Melli ganz aufgeregt, da es sein erstes Mal ist. Beim Anblick des Vulkans ist er direkt fasziniert und strahlt mich an!

Kurze Zeit später sind wir auch schon gelandet, treten hinaus aus der Flughafenhalle und blicken in die strahlende Sonne. Nach dem Stress der letzten Wochen haben wir uns die Auszeit echt verdient. Unser Vermieter hat den Mietvertrag nicht verlängert, und so mussten wir uns kurzfristig nach einer neuen Wohnung umschauen. Zum Glück ist aber alles gut verlaufen.

„Nina, der Mann da drüben hält ein Schild mit unseren Namen in der Hand.“ Ich war so versunken in meinen Gedanken, dass ich vergessen hätte, dass wir abgeholt werden. „Fast hätte ich nicht mehr daran gedacht. Das Hotel hat uns einen Fahrer geschickt.“ Da lacht Melli und bemerkt: „Ich fühle mich wie ein berühmter Promi.“ Ich lächle ihn an und freue mich, dass er so entspannt und gelassen ist. Bei meinem ersten Flug hatte ich vor lauter Aufregung keinen Ton herausgebracht.

Die Diabetes-Kurzgeschichten-Reihe „Der kleine Melli und ich“ – der Hintergrund

Melli ist ein kleiner Junge, der mit Nina, einer jungen erwachsenen Frau, zusammenlebt. Die beiden Protagonisten der Diabetes-Kurzgeschichtenreihe geraten im Alltag immer wieder in Konflikt: beim Essen, beim Sport etc.

Autorin Lena Schuster ist Psychologin und hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Ihr Bruder hat seit der Kindheit ebenfalls Typ-1-Diabetes, deshalb ist ihr auch der Einfluss der Stoffwechselerkrankung auf die Familie gut bekannt. Zu ihren Kurzgeschichten sagt sie: „Für mich ist der Diabetes vergleichbar mit dem kleinen Melli, den man oft zu gerne ignorieren möchte, doch das geht leider nicht. Denn ignoriert man den Diabetes, ist er wie ein schreiendes Kind, das einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kümmert man sich jedoch um den Diabetes, so macht einen das stark – und man erkennt, dass man bereit ist, auch andere Probleme des Lebens zu bewältigen.“

hier gibt es alle Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli

Nicht mehr ohne den Sensor

Im Hotel angekommen beschließen wir, direkt an den Strand zu gehen. Ich will schon losstürmen, da zieht Melli mich am Ärmel. „Nina, du solltest noch Tape auf deinen Sensor kleben. Nicht, dass er bei dem Salzwasser direkt abgeht.“ Wo Melli recht hat, da hat er recht.

Erst seit ein paar Wochen trage ich einen Sensor am Arm, der regelmäßig meinen Gewebe­zucker misst. Das ist so eine großartige Erfindung, ich könnte schon gar nicht mehr ohne den Sensor! Gerade im Urlaub ist es eine riesige Erleichterung. Auf Ausflügen musste ich früher immer eine Toi­lette zum Händewaschen aufsuchen, bevor ich meinen Blutzucker messen konnte. Das brauche ich mittlerweile nicht mehr!

Sicherheitshalber klebe ich ein Stück ­Tape über den Sensor. Noch etwas Sonnencreme einziehen lassen – und schon stürmen Melli und ich regelrecht ins Wasser. Es ist klares, kristall­blaues Wasser, nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt. Und eine Traumkulisse erstreckt sich vor uns! Im Wasser zu planschen mit Blick auf die Berge, wo findet man denn so was? Das ist echt Urlaub …

Der schönste Moment … zerstört!

Doch der schönste Moment kann in wenigen Sekunden vorbei sein. Melli sieht mich erschrocken an und stammelt: „Dein Sensor …“ Ich reagiere sofort. Was ist mit meinem Sensor? Panisch schaue ich zu meinem Arm und entdecke den Sensor, der nur noch halb auf der Haut klebt. Das verstehe ich nicht. Ich hatte doch extra das Tape daraufgeklebt! Wie konnte das denn jetzt in der kurzen Zeit passieren?

Nervös versuche ich, den Sensor wieder zu befestigen, doch es will mir nicht gelingen. „Vielleicht misst er wenigstens noch?“, versuche ich mich zu beruhigen. Melli wirkt skeptisch. Im Inneren weiß ich, dass Melli recht hat, doch ich will es nicht wahrhaben. So hetze ich aus dem Wasser auf direktem Weg zu unseren Handtüchern. Ich ziehe mein Messgerät aus der Tasche und schalte es an. Auf dem Display erscheint direkt „kein Sensor in Benutzung“. Das gibt es doch nicht! Der erste Tag im Urlaub und dann direkt so ein Desaster!

Sensor fällt aus – Schock ist ­überflüssig

Es gibt mittlerweile eine Bandbreite an Techniken, die uns das Leben mit Diabetes erleichtern. Auch die Möglichkeit, durch einen Sensor die Gewebezuckerwerte zu überwachen, schätzt Nina sehr. Jedoch besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr an die Technik gewöhnt, sodass es ein Schock ist, sobald diese mal versagt. So dreht Nina durch, als sie bemerkt, dass der Sensor nicht mehr funktioniert.

Wir sollten nie vergessen, dass die Technik uns zwar hilft, wir jedoch nicht blind auf sie vertrauen dürfen. Schließlich ist die wichtigste Technik unser Körpergefühl, das wir tagtäglich trainieren und auf das wir bauen können.


Kommentar der Autorin:

Es gibt mittlerweile eine Bandbreite an Techniken, die uns das Leben mit Diabetes erleichtern. Auch die Möglichkeit, durch einen Sensor die Gewebezuckerwerte zu überwachen, schätzt Nina sehr. Jedoch besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr an die Technik gewöhnt, sodass es ein Schock ist, sobald diese mal versagt.

So dreht Nina durch, als sie bemerkt, dass der Sensor nicht mehr funktioniert. Wir sollten nie vergessen, dass die Technik uns zwar hilft, wir jedoch nicht blind auf sie vertrauen dürfen. Schließlich ist die wichtigste Technik unser Körpergefühl, das wir tagtäglich trainieren und auf das wir bauen können.

weitere Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli


von Lena Schuster

Avatar von lena-schuster

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (8) Seite 46-47

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  • moira postete ein Update vor 20 Stunden, 53 Minuten

    Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
    (Wen es interessiert Band 2.3)

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 4 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

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