Interview mit Typ-Flerin: „Diabetes steht nicht im Vordergrund, ist aber immer mit dabei“

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„Diabetes steht nicht im Vordergrund, ist aber immer mit dabei“ | Foto: privat
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Interview mit Typ-Flerin: „Diabetes steht nicht im Vordergrund, ist aber immer mit dabei“

Diesen Monat geht es hier in der BloodSugarLounge um Dankbarkeit – und Menschen mit Typ-F-Diabetes sind da ganz weit vorne, denn sie gehen jeden Tag mit uns #GemeinsamdurchTiefundHoch. Also lassen wir sie hier zu Wort kommen. Im Interview berichtet Typ-Flerin Katharina Griepenburg, welche Rolle Diabetes in ihrer Freundschaft mit Mia spielt.

Blood Sugar Lounge (BSL): Magst du dich einmal kurz vorstellen?

Katharina Griepenburg: Ich bin Katharina, 28 Jahre alt und habe – bis auf ein paar Auslandsaufenthalte – mein ganzes Leben in München verbracht. Hier habe ich Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert und bin danach als Trainee zu einer Versicherung gegangen. Gerade arbeite ich in einem IT-Startup des Konzerns. In meiner Freizeit mache ich viel Musik: Gesang, Klavier und Orgel.

BSL: Welche Erfahrungen hast du als Typ-Flerin?

Katharina Griepenburg: Ich kenne zwei Menschen mit Typ-1-Diabetes: dich und meine Freundin Mia (@busy_bolus_bee). Mia habe ich im Englischstudium kennengelernt, außerdem waren wir beide in der katholischen Hochschulgemeinde aktiv. Von ihrem Diabetes habe ich mitbekommen, weil wir oft zusammen gegessen und viel unternommen haben. Gerade beim Essen merkt man, dass Menschen mit Diabetes sich da einfach viel mehr Gedanken machen müssen, und auch bei Unternehmungen achtet sie viel mehr auf ihren Körper als ich.

Über Mias Instagram-Account bekomme ich auch von den Hürden im Alltag mit, wenn ich gerade nicht selbst mit ihr unterwegs bin. Mia hat zum Beispiel seit einiger Zeit eine Assistenzhündin, die noch in Ausbildung ist. Ich war überrascht, wie schlecht die strukturelle und finanzielle Unterstützung dafür hier in Deutschland ist und wie Mia manchmal mit ihrem Hund diskriminiert wird. Assistenzhunde dürfen im Nahverkehr kostenlos mitgenommen werden, und mehr als einmal hat ein Schaffner Mia nicht geglaubt, dass sie wirklich einen Assistenzhund hat – obwohl sie alle Unterlagen dabeihatte. Das ist das Problem der „unsichtbaren Behinderungen“; Menschen glauben einem nicht, dass man gerade eine Pause oder eine bestimmte Art der Unterstützung braucht, weil es auf den ersten Blick nicht sichtbar ist.

BSL: Welche Rolle spielt Diabetes in eurer Freundschaft?

Katharina Griepenburg: Auf den ersten Blick keine große, aber natürlich ist Diabetes im Hintergrund immer mit dabei. Wenn wir gemeinsam wandern, dann muss Mia sehr darauf achten, wie es ihr körperlich geht, und Pausen machen wir einfach dann, wenn sie sie braucht. Das ist für uns total okay. Klar brauche ich auch mal was zu essen oder zu trinken, aber bei mir ist das nicht so akut, da kann ich mich gut nach ihr richten.

Über Mias Instagram-Account bekomme ich zum Beispiel auch mit, was es mental und emotional mit ihr macht, wenn ihr Zucker zu tief ist – wie belastend es sein kann, wenn man nicht weiß, warum die Werte so niedrig sind, oder wenn sie sich Sorgen macht, wie sie durch die Nacht kommen soll.

BSL: Was waren für dich besonders herausfordernde Momente?

Katharina Griepenburg: Zu Beginn des Ukraine-Krieges hat Mia eine Spendenaktion für Insulin und Hilfsmittel organsiert. Es kam ganz viel zusammen und ich habe dann beim Sortieren und Verpacken mitgeholfen. Da sind mir zwei Dinge plötzlich ganz krass bewusst geworden, die ich zwar theoretisch schon wusste, aber nie so in ihrer Härte gespürt habe. Erstens: Menschen mit Diabetes würden ohne Insulin einfach sterben.

Und zweitens: Diabetes ist unglaublich komplex. Ich war ja manchmal schon damit überfordert, die verschiedenen Utensilien richtig zuzuordnen. Jemand, der jeden Tag seinen Diabetes managt, braucht ja schon ein kleines Medizinstudium! Und selbst, wenn man dann tolle Technik hat, die einem viel abnimmt, muss man trotzdem alles noch von Hand können, denn die Technik kann ja auch mal ausfallen. Einmal war ich mit Mia unterwegs und ihre Pumpe hat nicht mehr funktioniert. Zum Glück hatte sie einen Pen dabei und konnte sich so spritzen.

BSL: Was waren besonders schöne Momente?

Katharina Griepenburg: Das will ich gar nicht so auf Diabetes beziehen – ich freue mich nämlich immer, wenn ich Mia sehe und Zeit mit ihr verbringen kann. Völlig unabhängig vom Diabetes bin ich für diese Freundschaft total dankbar. Kürzlich haben wir zum Beispiel gemeinsam getrennt Corona durchgestanden und uns digital Gesellschaft geleistet, indem wir uns jeden Tag Updates geschickt oder gemeinsam zeitgleich Serien geschaut haben. Außerdem hat mich Mia zum Wordle-Fan gemacht. Im Hinblick auf ihr Diabetes-Engagement freue ich mich für sie, wenn sie ihr Netzwerk ausbauen kann oder zum Beispiel auf Konferenzen eingeladen wird.

BSL: Was wünschst du den Menschen mit Diabetes in deinem Leben?

Katharina Griepenburg: Ganz viel Empathie von ihren Mitmenschen, Akzeptanz, wenn sich Pläne mal verändern, und, dass die Menschen in ihrem Umfeld sich selbstständig zum Thema Diabetes informieren und nicht der Mensch mit Diabetes ständig auch noch die ganze Aufklärungsarbeit leisten muss. Außerdem fände ich es wichtig, strukturelle Benachteiligungen zu verringern – also einen besseren Zugang zu guten Gesundheitsangeboten und gesamtgesellschaftlich mehr Verständnis dafür, dass einfach alle Menschen unterschiedlich sind und ganz viele Wege zum Ziel führen können.

BSL: Und noch ein Podcast-Tipp zum Schluss?

Katharina Griepenburg: Ich bin Historikerin und mein Lieblingspodcast ist gerade „Geschichten aus der Geschichte“ – der ist toll, weil die Themen vielleicht erstmal ein bisschen verrückt und überraschend klingen, selbst wenn man Geschichte studiert hat. Aber diese Geschichten werden dann in ihren großen historischen Kontext eingebettet und man erfährt wahnsinnig viel. Außerdem finde ich die Moderatoren sehr sympathisch, es sind zwei Männer, die aber immer gendern. Dafür gibt’s nochmal einen Extra-Punkt.


Interview: Mirjam Eiswirth

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  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
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