Probleme mit dem Diabetes-Management: Kommunikation mit uns selbst

3 Minuten

Community-Beitrag
Probleme mit dem Diabetes-Management: Kommunikation mit uns selbst

Mia thematisiert heute, wie die Kommunikation mit uns selbst abläuft, wenn das Diabetes-Management nicht so glatt läuft oder Probleme entstehen. Dazu verrät sie uns ihre Anleitung, was sie gegen negative Gedanken tut.

Monatsthema Kommunikation. Puh, so ein dickes Ding. Zu Kommunikation kann man ja wirklich alles sagen. Anfangen möchte ich mit einer Kommunikation, die wir Menschen mit Diabetes oft gar nicht thematisieren. Und zwar die Kommunikation mit uns selbst.

Was erzählst du dir selbst so den lieben langen Tag lang, wenn es um den Diabetes geht?

Klar, Kohlenhydrate rechnen: „Kartoffeln, etwa 20g, Spinat, ne, kann ich weglassen, Apfelschorle nochmal 20 …“ So oder so ähnlich sehen sicher viele unserer Gedankengänge aus, da ist noch nichts Außergewöhnliches dabei. Aber was kommt danach? Wenn alles glatt läuft oder wenn es nicht läuft? Was sagst du dir? Oder was sagst du dir nicht?

Was erzählst du dir selbst so den lieben langen Tag lang, wenn es um den Diabetes geht? | Foto: fidaolga – stock.adobe.stock
Foto: fidaolga – stock.adobe.stock

Nehmen wir mal an, es läuft nicht glatt. Du hast für die Kartoffeln und die Apfelschorle zu viel oder zu wenig Insulin abgegeben oder einen von den vielen andere Faktoren vergessen und deine Blutzuckerwerte sind zu hoch oder zu niedrig. Zusammengefasst, du bist irgendwie einfach nicht zufrieden mit dir. Was sagt dein Kopf? Sagt er Sachen wie: „Mensch, hättest du ja auch mal dran denken können, dass noch Insulin von vorhin wirkt (oder dass du noch spazieren gehen wolltest).“

Wir Menschen mit Diabetes/Diabetiker:innen (wähle die Bezeichnung, mit der du dich identifizieren magst) kommunizieren tagein, tagaus mit einer Fülle von Zahlen und Daten, die nicht selbst betroffene Menschen einfach nicht nachvollziehen können. Es ist essenziell, dass wir akzeptieren, dass nicht immer alles nach Plan laufen wird und dass das trotzdem nicht bedeutet, dass du deswegen weniger wert bist oder etwas falsch gemacht hast.

Ich folge immer dieser Anleitung, wenn ich Zweifel an meinem Diabetes-Management bekomme:

1. Versuche die negativen Gedanken zu bemerken, gib ihnen Raum und betrachte sie

Bsp: „Mensch, hättest du ja auch mal dran denken können, dass du noch spazieren gehen willst.“

Betrachte den Satz, gib ihm Raum und schaue, was passiert. Bei mir persönlich kommen Fragen wie: „Hätte ich tatsächlich daran denken können? Vielleicht. Aber habe ich nicht. Und das ist okay so.“ Welche Gedanken ploppen bei dir auf?

Versuche die negativen Gedanken zu bemerken, gib ihnen Raum und betrachte sie | Foto: fidaolga – stock.adobe.stock
Foto: fidaolga – stock.adobe.stock

2. Schaffe eine Neutralität und gib den negativen Gedanken keinen weiteren Raum mehr: „Ich bin keine Maschine, ich hab nicht an alles gedacht und das ist okay so.“

Oftmals kommen bei mir Zweifel, die alle ähnlich enden und auf eine noch bessere Planung meines Lebens hindeuten. „Hättest du ja mal eher dran denken können.“ Oftmals wollen diese Gedanken wachsen und mehr Raum einnehmen und evtl. in einer Spirale weiterwandern. Wenn ich es schaffe, die Gedanken frühzeitig zu erkennen, dann hilft es ungemein, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Wenn ich es schaffe, zu akzeptieren, dass ich nicht an alles denken kann, ist bei mir der Kreislauf durchbrochen. Und ich kann auch einfach nicht an alles denken, immerhin bin ich keine Maschine. Abschließend hilft mir der Satz: „Ich bin keine Maschine und das ist okay so.“

2. Schaffe eine Neutralität und gib den negativen Gedanken keinen weiteren Raum mehr: „Ich bin keine Maschine, ich hab nicht an alles gedacht und das ist okay so.“ | Foto: inesbazdar – stock.adobe.stock
Foto: inesbazdar – stock.adobe.stock

3. Umformulieren negativer Gedanken in positive(re)

Die König:innendisziplin ist das Umformulieren von negativen Gedanken in positive. Mir gelingt das nur selten. Mit der Hilfe einer Freundin konnte ich das neulich üben. Ich hätte beinahe in der Küche etwas auf den Boden geworfen und habe es gerade so noch aufgefangen und mich lautstark darüber geärgert, dass ich so schusselig bin und beinahe etwas heruntergeworfen hätte.

Meine Freundin allerdings hat zu mir gesagt: „Wow, Mia, was für eine elegante Rettung!“ Ihre sichtliche Begeisterung hat es mir ermöglicht, eine andere Sicht auf die Situation zu bekommen. „Wow, was für eine elegante Rettung“ kann man auch auf viele Situationen anwenden. Auf welche Situation passt sie bei dir?

3. Umformulieren negativer Gedanken in positive(re) | Foto: BillionPhotos.com – stock.adobe.stock
Foto: BillionPhotos.com – stock.adobe.stock

Teile gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren!

Auf bald, eure Mia.


von Mia Rossmanith

Mia war Autorin in der Blood Sugar Lounge und hat dort aus dem Leben mit Diabetes berichtet. Hier findet ihr alle Beiträge aus dieser Zeit:

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Mit Typ-1-Diabetes: Auf in die Schule nach Spanien!
Von ihrem Typ-1-Diabetes ließ sich Juliana Heidenreich nicht von ihrem Traum abhalten, ein halbes Jahr in Spanien zur Schule zu gehen. Gut vorbereitet zusammen mit ihrer Familie konnte sie die Zeit bei ihrer Gastfamilie genießen.
Mit Typ-1-Diabetes: Auf in die Schule nach Spanien! | Foto: privat

8 Minuten

Kathy und Leonie Dalinger im Interview: Seinem Kind mit Diabetes vertrauen und es unterstützen
Als Vorsitzende der Stiftung Dianiño möchte Kathy Dalinger andere Diabetes-Familien unterstützen. Sie und ihr Mann haben es mit viel Offenheit und Vertrauen geschafft, ihrer Tochter Leonie als Kind mit Diabetes eine unbeschwerte Zeit zu ermöglichen.
Kathy und Leonie Dalinger im Interview: Seinem Kind mit Diabetes vertrauen und es unterstützen | Foto: privat

13 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%