- Eltern und Kind
Kathy und Leonie Dalinger im Interview: Seinem Kind mit Diabetes vertrauen und es unterstützen
13 Minuten

Als Vorsitzende der Stiftung Dianiño möchte Kathy Dalinger andere Diabetes-Familien unterstützen. Sie und ihr Mann haben es mit viel Offenheit und Vertrauen geschafft, ihrer Tochter Leonie als Kind mit Diabetes eine unbeschwerte Zeit zu ermöglichen.
Im Interview: Kathy und Leonie Dalinger
Unermüdlich klärten Kathy und ihr Mann über Leonies Diabetes auf, damit sie alles mitmachen konnte, was andere Kinder auch machen: auf Kindergeburtstage gehen, verschiedene Sportarten ausprobieren und auf Freizeiten fahren. Ohne ein offenes und hilfsbereites Umfeld wäre das jedoch nicht möglich gewesen. „Da hatten wir echt Glück“, sagt Kathy.

Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit
„Wir haben wirklich versucht, Leonie in die Selbstständigkeit zu bringen“, betont sie. Schritt für Schritt hat Leonie mehr Verantwortung für ihren Diabetes übernommen, auch die Diabetes-Technologie hat dabei geholfen. Heute, mit 19 Jahren, studiert Leonie und lebt das erste Mal allein. Verändert hat sich dadurch in Bezug auf den Diabetes aus ihrer Sicht nicht viel, weil sie bereits sehr selbstständig war. „Wenn ich mir doch mal bei irgendwas unsicher bin (…), dann weiß ich, dass ich immer zu meinen Eltern gehen kann,“ sagt sie. Kathy erklärt: „Für mich ist es eher schwer, dass sie jetzt weiter weg wohnt“.
Erfahrungen teilen und andere unterstützen
Natürlich war und ist es nicht immer einfach. Als Kind fiel es Leonie schwer, dass sie beim Essen plötzlich mehr aufpassen musste als andere Kinder. Kathy fehlte am Anfang vor allem der Austausch mit anderen betroffenen Familien. Über ihren Blog findet sie den Weg in die Diabetes-Community. Heute ist sie Vorsitzende der Stiftung Dianiño, die Familien mit Kindern mit Diabetes in Belastungssituationen unterstützt und Schulungen für deren Umfeld anbietet. Auch Leonie übernimmt kleinere Aufgaben. Kathy ist es wichtig, ihre Erfahrungen zu teilen und anderen Familien die Unterstützung zu ermöglichen, die sie brauchen.
Diabetes-Anker (DA): Wie hat euer Weg mit Diabetes begonnen?
Kathy Dalinger: Der Weg begann mit der Diagnose 2012, da war Leonie 5 Jahre alt. Irgendwann haben wir gemerkt, dass Informationen fehlen, weil wir am Anfang natürlich auf der Suche waren: Was ist Diabetes? Was mache ich jetzt? Wie geht es anderen Familien damit? Dann habe ich zusammen mit einer Freundin einen großen Diabetes-Blog gestartet. So bin ich damals auch zur Blood Sugar Lounge gekommen, ich war Gründungsmitglied. Ich habe fürs Diabetes-Journal und beim Diabetes-Eltern-Journal vier oder fünf Jahre die Kolumne geschrieben. Jetzt bin ich Teil der Community-Redaktion beim Diabetes-Anker (vereint seit Oktober 2024 Blood Sugar Lounge, Diabetes-Journal, Diabetes-Eltern-Journal und diabetes-anker.de, Anm. d. Red.). Seit drei, eigentlich fast vier Jahren bin ich Vorsitzende der Stiftung Dianiño, engagiere mich dort aber schon seit zehn Jahren und Leonie muss immer alles über sich ergehen lassen.
DA: Das heißt, vor der Diagnose wusstet ihr noch nicht viel über Diabetes?
Kathy Dalinger: Mein Mann hatte einen Arbeitskollegen, dessen Tochter mit zwei Jahren Typ-1-Diabetes gekriegt hat. Daher wussten wir, dass es das gibt. Wir haben ein bisschen auf die Signale geachtet und sind auch ziemlich schnell zum Kinderarzt, als es bei Leonie anfing, aber ansonsten hatten wir vorher keine Berührungspunkte.
DA: Wie habt ihr die Zeit nach der Diagnose empfunden?
Kathy Dalinger: Aus Elternsicht war es natürlich schwierig, erst einmal alles neu zu organisieren, zu hoffen, dass der Kindergarten mitspielt. Da hatten wir echt Glück. Unser Kindergarten hat super mitgeholfen, die Erzieher haben Leonie sogar noch in der Grundschulzeit betreut. Wenn die Lehrer nichts gemacht haben, dann kamen die Erzieher in die Schule. Die Gebäude sind direkt nebeneinander. Ansonsten ging es uns wie allen Eltern: Wir waren überfordert und mussten gucken, wie es weitergeht, wie wir das unserem Kind erklären. Leonie haben wir erst einmal gesagt, dass sie, wenn wir diesmal aus dem Krankenhaus gehen, eben nicht wieder gesund ist.
Leonie Dalinger: Ich habe eigentlich keine Erinnerungen mehr daran, wie es vor dem Diabetes war. Ich weiß noch, dass es nach der Diagnose eine Umstellung war, weil ich eine Insulinpumpe bekommen habe mit dem Schlauch, der dann mit mir verbunden war. Alle haben gefragt, was das ist, weil ich diesen Schlauch hatte und ich musste das allen Leuten um mich herum erklären.
Kathy Dalinger: Kindergeburtstage und so weiter waren immer mit sehr vielen Erklärungen verbunden, du bist eben eine kleine Extra-Wurst. Es wird ein bisschen anders aufgepasst. Im Kindergarten haben sie natürlich auch immer geschaut, wie die Blutzuckerwerte sind. Dann durfte Leonie vielleicht mal Gummibärchen essen, bevor sie in den Garten ging, was die anderen Kinder nicht durften. Wir haben versucht andere Wege zu finden, wie eine Banane, damit es für die anderen Kinder nicht ganz so ungerecht wirkt, aber es ist am Anfang schwierig.
Ich glaube, je offener das Umfeld ist, je mehr das mitmacht, desto einfacher ist es, sich einzufinden und vor allem für das Kind, das Ganze zu akzeptieren. Im Kindergarten hatten sie in der Vorschule eine Übernachtung und die wurde sogar extra verschoben, damit Leonie mitmachen konnte, weil wir zu dem Zeitpunkt in Reha waren. Sie war bei den Pfadfindern, beim Reiten, beim Voltigieren, beim Tennis… Wir haben wirklich alles mitgemacht, was geht, auch Freizeiten und Klassenfahrten. Bei Freundinnen durfte sie auch immer zum Essen bleiben. Wenn das passt, wenn alle offen sind, dann ist es einfacher, sich mit dem Diabetes abzufinden bzw. damit zu leben.
DA: Kathy, Du hast gesagt, dass ihr am Anfang Schwierigkeiten hattet, Informationen über Typ-1-Diabetes zu bekommen. Wo habt Ihr Euch die hergeholt?
Kathy Dalinger: Tatsächlich durch Googeln, aber natürlich gab es auch Bücher. Bei der Diagnose legt dir dein Arzt erstmal ganz viele Bücher hin, das sind aber eher Ratgeber, da steht nicht wirklich drin, wie es anderen damit geht. Das war jedenfalls damals so, Leonie war fünf, jetzt ist sie 19, das ist also schon vierzehn Jahre her. Da gab’s noch nicht so viele Bücher, in denen Eltern oder jemand anderes beschrieben hat, wie es einem damit in der Familie geht. Da ging es rein darum, was ich bei Unterzucker mache, was ich da und dort mache. Das überfordert dich natürlich am Anfang. Dann habe ich gegoogelt und bin auf Facebook gestoßen. Dort gab es verschiedene Elterngruppen, die wahnsinnig aktiv waren, wo du einfach erst mal stiller Mitleser warst, um dich zu informieren. Irgendwann hast du auch mal Fragen gestellt und hast Antworten bekommen, wenn irgendetwas war.
„Die größte Herausforderung für mich war, das Kinderleben so gut wie möglich zu gestalten, mit allem, was ein Kind gerne machen möchte.“
DA: Hat dich das motiviert, den Blog zu starten, um stärker in den Austausch zu kommen?
Kathy Dalinger: Genau, zum einen habe ich den Blog gestartet, um in den Austausch zu kommen, aber auch, um anderen, die gerade in der Situation sind, zu zeigen, wie das Familienleben mit Typ-1-Diabetes ist.
DA: Wann hast Du ungefähr mit dem Bloggen angefangen?
Kathy Dalinger: Ich glaube wir haben den Blog 2014 im Januar oder Februar gestartet, die Diagnose war 2012 im November. Am Anfang waren wir noch zu viert, dann waren wir nur zu zweit. Wir haben also ziemlich zeitnah gestartet. Das liegt aber vielleicht auch ein bisschen daran, dass ich im Nicht-Diabetes-Leben Online-Marketing-Managerin bin und beruflich auch Webseiten und solche Geschichten aufbaue.
DA: Was war für Euch eine der größten Herausforderungen auf Eurem Weg?
Leonie Dalinger: Ich glaube, meine größte Herausforderung war ganz am Anfang vor allem, wenn meine Freunde essen waren oder es auf Kindergeburtstagen Süßigkeiten gab, dass jeder sich einfach genommen hat und nur ich aufpassen und die Kohlenhydrate eingeben musste und nicht zu viel von den Süßigkeiten essen durfte. Das war vor allem eine Herausforderung, wenn ich bei Leuten war, die sich noch nicht so gut auskannten.
DA: Was hat Dir geholfen, damit umzugehen?
Leonie Dalinger: Die Routine hat mir viel geholfen und auch, dass sich meine Eltern mit den Eltern von meinen Freunden unterhalten und ihnen alles erklärt haben. Dann konnten die Eltern von meinen Freunden mit mir schauen, wie wir was richtig eingeben. Meine Eltern waren auch immer erreichbar, wenn es Fragen gab.
Kathy Dalinger: Die größte Herausforderung für mich war, das Kinderleben so gut wie möglich zu gestalten, mit allem, was ein Kind gerne machen möchte. Wie gesagt, das Umfeld hat uns unglaublich viel geholfen, dadurch, dass Leonie überall eingeladen war, dass sie alles genauso mitmachen durfte wie ihre Freunde. Das war für uns am Anfang nach der Diagnose schon die Frage: Was darf sie noch, was kann sie noch? Wie gehen andere damit um?
Außerdem war es herausfordernd, Leonie in die Selbstständigkeit zu bringen mit dem ganzen Thema, dass wir eben nicht mehr 24 Stunden telefonisch erreichbar sein mussten. Ich glaube, dass es uns allen ganz gut geglückt ist. Außer Leonie hat mal eine Bolus-Demenz, wie wir es so schön nennen, wenn der Bolus vergessen wird. Aber auch da hat einfach geholfen, zu üben, alles Schritt für Schritt zu machen. Dann durfte Leonie mal allein dahin, mal allein dorthin. Das war natürlich nicht immer einfach. Du hast immer wieder aufs Handy geschaut, ob alles okay ist. Aber es ist wichtig, auch Vertrauen ins Kind zu haben.
DA: Was ist Dir wichtig, Leonie auf ihrem Weg mitzugeben?
Kathy Dalinger: Mir ist wichtig, dass Leonie weiß, dass sie auch mit dem Diabetes eigentlich alles machen kann. Man muss halt ein bisschen drauf achten, wie man es macht, aber eigentlich kann sie ein ganz normales Leben führen. Das ist wichtig, dass der Diabetes nicht so viel Raum einnimmt, dass er das Leben nicht zu stark einschränkt.
„Mein Highlight ist eigentlich immer, wenn ich eine neue Stelle ausprobiere und ich mich dann traue, den Sensor da einzusetzen.“
DA: Leonie, was bedeutet Dir diese Unterstützung Deiner Eltern?
Leonie Dalinger: Das bedeutet mir schon sehr viel, weil ich weiß, dass ich immer ihre Unterstützung habe, wenn ich Hilfe brauche. Wenn ich mir doch mal bei irgendetwas unsicher bin oder mir irgendwelche Fragen kommen sollten, dann weiß ich, dass ich immer zu meinen Eltern gehen kann.
DA: Du studierst gerade und lebst das erste Mal allein. Wie ist das für Dich, jetzt nahezu die volle Verantwortung für Deinen Diabetes zu haben?
Leonie Dalinger: An sich finde ich, dass sich nicht viel verändert hat. Ich muss jetzt nur selbst schauen, wie viel Insulin oder wie viele Pods ich noch habe. Das ist schon eine Veränderung, dass ich größtenteils allein darauf achten muss. Abgesehen davon war ich davor auch schon sehr selbstständig und dementsprechend hat sich nicht viel verändert.
DA: Wie ist es für Dich, Kathy, Leonie ein Stück loszulassen?
Kathy Dalinger: Wir sind da reingewachsen, sag ich mal. Wir haben Leonie Step by Step ein bisschen mehr Freiheiten gegeben. Deswegen ist es für mich wegen des Diabetes eigentlich gar nicht so schwer. Für mich ist es eher schwer, dass sie jetzt weiter weg wohnt, dass sie nicht mehr jeden Tag zu Hause ist. Aber das geht glaube ich allen Eltern so, wenn die Kinder woanders wohnen. Wir haben wirklich versucht, Leonie in die Selbstständigkeit zu bringen. Das war uns extrem wichtig. Wir waren auf Reha, jedes zweite Jahr war sie auf einer Schulung für Kinder mit Diabetes. Sie ist mit 16 allein in die Kinderdiabetologie gegangen, hat mit dem Diabetologen und der Diabetesberaterin alles gemacht. Wir haben nur noch außen gesessen. Wir haben sie darauf vorbereitet und uns damit auch, deswegen ist das okay.
DA: Was waren oder sind die größten Diabetes-Erfolge für euch?
Kathy Dalinger: Was das Leben einfacher gemacht hat, auch den Weg in die Selbstständigkeit, war die ganze Technik. Als Leonie neun Jahre alt war, hat sie eine Patch-Pumpe bekommen. Da ist sie erstmal tanzend durchs Wohnzimmer gehüpft, dass sie wieder frei ist, weil der Schlauch weg ist. Dann kamen die Sensoren.
Das Beste an der Technik ist tatsächlich das Durchschlafen. Am Anfang haben wir tatsächlich bis zu 15 Mal am Tag gepikst und den Blutzucker gemessen. Vier Jahre lang ist bei uns jede Nacht der Wecker gegangen. Und du wusstest ja trotzdem nicht, wie sich der Wert entwickelt. Du hattest nur diese Momentaufnahme. Als das mit den Sensoren mit den Trendfeilen aufkam, hat es einfach alles besser gemacht. Auch die Lehrer haben sich mehr zugetraut, zum Beispiel auf Klassenfahrten, weil der Sensor ja piepst, wenn ein Unterzucker droht. Wir hatten die Werte auch zu Hause und konnten dem Lehrer sagen, dass wir auch drauf schauen. Die Technik hat mehr Sicherheit gegeben.
Leonie Dalinger: Mein Highlight ist eigentlich immer, wenn ich eine neue Stelle ausprobiere und ich mich dann traue, den Sensor da einzusetzen. Ich bin sehr, sehr schwierig, wenn es darum geht, an ungewohnten Stellen den Sensor zu setzen. Diese Überwindung ist immer mein Highlight, vor allem, wenn es an der Stelle auch funktioniert.
Kathy Dalinger: Ein Highlight sind für mich auch die Freundschaften, die sich, so komisch es klingt, durch die Erkrankung entwickelt haben.
DA: Wie seid Ihr denn mit der Diabetes Community erstmals in Kontakt gekommen?
Kathy Dalinger: Tatsächlich durch den Blog. Mir war gar nicht so bewusst, dass es eine Community gibt, weil das doch eher junge Blogger waren. Es gab ganz viele unterschiedliche Blogs, die habe ich zwar auch gelesen, aber es gab keine aus Elternsicht.
Als wir dann angefangen haben zu bloggen, sind wir in die Community gekommen, indem ich die Einladung zur Blood Sugar Lounge und zum Diabetes-Journal erhalten habe. Ich wurde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, nach Berlin zu kommen und mir das neue Projekt anzugucken. So bin ich da nach und nach reingekommen. Natürlich hat man sich kennengelernt, hat viele Freundschaften, Bekanntschaften geschlossen, hat unterschiedliche Sichten kennengelernt. Die jungen Blogger haben auch mal gehört, wie es den Eltern mit dem Diabetes geht und vielleicht die eine oder andere Mama besser verstanden. Ich habe eine Bloggerin aus Portugal kennengelernt, die hat ihrer Mama immer meine Blogberichte mit Google-Translator ins Portugiesische übersetzt.
„Irgendwann habe ich den Vorstand übernommen, weil Dianiño so eine tolle Sache ist, die man weiterleben lassen muss und Frau Binder sich zurückziehen wollte.“
DA: Leonie, wie aktiv bist Du in der Community?
Leonie Dalinger: Selbst aktiv in oder viel Kontakt zu der Community habe ich eigentlich nicht. Früher sind wir dadurch in Kontakt gekommen, dass sich meine Mama mit ein paar Leuten getroffen hat und die meistens auch Kinder in meinem Alter hatten, die Diabetes haben. Aber sonst habe ich dadurch nicht so viele Kontakte dazugewonnen.
DA: Hast Du noch Kontakte von früher zu Personen in deinem Alter, die auch mit Diabetes leben?
Leonie Dalinger: Nee, das hat sich alles mit der Zeit auseinandergelebt.
DA: Vermisst du das? Hättest du das gern wieder mehr?
Leonie Dalinger: Für mich ist das eigentlich in Ordnung, auch wenn die Ausflüge, die wir früher zusammen gemacht haben und so weiter, schön waren.
Kathy Dalinger: Das war immer mehr mein Ding. Leonie war eher mal bei einer Redaktionssitzung dabei oder bei einer Veranstaltung. Wir haben dabei immer geschaut, dass sie zum Beispiel auf Bildern nicht im Profil gezeigt wird oder in irgendwelchen Situationen, die vielleicht unangenehm sind. Das Netz vergisst ja nichts. Das war uns immer sehr wichtig, dass sie einverstanden ist, wenn wir ein Bild gepostet haben oder so.
DA: Kathy, wie bist Du zu Dianiño gekommen? Die Stiftung begleitet ja Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes und ihre Familien in besonderen Belastungssituationen und bietet Schulungen an.
Kathy Dalinger: Ich habe mich damals als Diabetes-Nanny beworben, weil ich dachte, dass es bei uns eigentlich ganz gut läuft. Wenn es bei einem selbst gut läuft, kann man seine Erfahrung an Familien geben, bei denen gerade Bedarf ist. Manchmal ist es etwas anderes, wenn man mit einem professionellen Diabetesberater spricht, als mit einer Mutter, die vielleicht in derselben Situation war und das auf ganz anderer Ebene versteht. Wegen meines beruflichen Kontexts im Online-Marketing hat mich Frau Binder, die Vorsitzende damals, gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die Stiftung noch auf andere Weise zu unterstützen, also mit Öffentlichkeitsarbeit, auf Messen gehen und so weiter. Dann bin ich irgendwie ins Kuratorium gerutscht, dann in den zweiten Vorstand. Irgendwann habe ich den Vorstand übernommen, weil Dianiño so eine tolle Sache ist, die man weiterleben lassen muss und Frau Binder sich zurückziehen wollte.
DA: Wie hat sich die Anzahl der Familien, die unterstützt werden, entwickelt?
Kathy Dalinger: Wir hatten 2014, 2015, 2016 ca. 400 Einsätze im Jahr. Jetzt haben wir über 1.000. Wir haben inzwischen statt nur noch 250 Anfragen mindestens 600 Anfragen im Jahr. Der Bedarf steigt.
DA: Wie reagieren Experten, mit denen ihr zu tun habt und die Familien selbst auf diese Unterstützung?
Kathy Dalinger: Wir arbeiten mit ungefähr 160 Kliniken zusammen, weil die Anfrage an Dianiño immer über das Kinderdiabetes-Team laufen muss, damit da eine Transparenz ist und der Diabetologe weiß, dass etwas in der Familie passiert. Die Resonanz ist eigentlich durchweg positiv. Lehrer-Schulungen und so weiter bieten andere Vereine natürlich auch an, nichtsdestotrotz haben wir letztes Jahr über 500 Einrichtungen geschult. Wir gehen auch in den Sportverein, wir gehen in die Feuerwehr, wir gehen zu Oma und Opa, die oft vergessen werden. Wir unterstützen geschiedene Eltern, zum Beispiel wenn der Vater während der Diagnose keine Schulung hatte.
Das andere ist, dass wir nach der Diagnose in die Familien gehen – also wir machen das, was viele gar nicht machen und was von den Krankenkassen immer weniger bezahlt wird. Wenn es mal eine Belastungssituation gibt und man sich nicht mehr zu 100% um den Diabetes kümmern kann, und man jemanden braucht, der einen ein bisschen unterstützt, dann kommen wir natürlich auch.
DA: Leonie, hilfst Du auch in der Stiftung?
Leonie Dalinger: Ja, ich verpacke die Spendenbriefe oder ich schreibe Weihnachtskarten und Dankeskarten an Spender.
Kathy Dalinger: Dianiño lebt von Spendengeldern. Spenden generieren ist eine der wichtigsten Aufgaben.
„Deshalb hoffe ich vor allem für jüngere Kinder, die Diabetes bekommen, dass alle in ihrem Umfeld offen damit umgehen und auch Leute bereit sind, sich schulen zu lassen und zu helfen, die Kinder zu unterstützen.“
DA: Welche Entwicklung wünscht Ihr euch in Zukunft für die Diabetes-Welt insgesamt und auch für Euch persönlich?
Leonie Dalinger: Für die Diabetes-Welt wünsche ich mir, dass mehr Leute offen sind, sich schulen zu lassen. Ich weiß nicht, ob das mittlerweile besser geworden ist. Ich weiß nur aus meiner Grundschulzeit, dass die Lehrer nicht offen dafür waren, sich schulen zu lassen oder mir in irgendeiner Art und Weise zu helfen. Deshalb hoffe ich vor allem für jüngere Kinder, die Diabetes bekommen, dass alle in ihrem Umfeld offen damit umgehen und auch Leute bereit sind, sich schulen zu lassen und zu helfen, die Kinder zu unterstützen. Für mich selbst habe ich eigentlich gar nicht so viele weitere Wünsche, weil ich denke, dass es eigentlich ganz gut läuft. Deswegen hoffe ich, dass es so weiterläuft.
Kathy Dalinger: Wünschen würde ich mir vielleicht irgendwann das große Thema Heilung. Woran man gerade arbeitet, ist die Früherkennung von Diabetes und die Verzögerung. Wenn nicht jedes Kind schon mit zwei, drei Jahren erkranken muss und wir es noch weiter hinauszögern können, wäre das schön. Für uns wird es wahrscheinlich nicht mehr viel bringen, aber für nachfolgende Kinder. Toll wäre auch, wenn du einfach nur eine Pille nehmen und dich um nichts anderes mehr kümmern müsstest. Aber wie gesagt, durch die Technik ist schon vieles besser geworden. Ansonsten wünschen wir uns, dass Leonie so weitermacht wie bisher und dass die Krankheit nie ein Stolperstein wird.
DA: Welche Tipps würdet Ihr Familien geben, die gerade erfahren haben, dass der Diabetes Teil ihres Lebens ist?
Kathy Dalinger: Nicht alles auf einmal wollen, sondern langsam machen, sich Zeit geben, auch wenn am Anfang alles extrem schwer ist, alles über einem einstürzt. Man sollte sich wirklich eingestehen können, dass man nicht perfekt ist. Es muss auch nicht immer perfekt laufen. Es kann gar nicht immer perfekt laufen. Eine Frage, die ich von Eltern mit neu diagnostizierten Kindern tatsächlich häufig am Telefon bei Dianiño gestellt bekomme ist, ob es besser wird. Ich sage dann: „Ja, es wir anders, es wird besser, Sie kommen da rein.“ Das ist tatsächlich die Antwort, die denen erst mal am meisten hilft.
Leonie Dalinger: Kindern und Jugendlichen würde ich raten, dass sie sich trauen, nachzufragen und sich bei anderen Leuten Hilfe zu holen. Sie sollen wissen, dass sie in der Situation nicht allein sind und dass es immer Leute gibt, die ihnen helfen können, ihnen ihre Fragen beantworten. Da muss keiner allein durch.
Kathy Dalinger: Es ist auch wichtig, offen mit der Krankheit umzugehen, das ist unsere Erfahrung. Man sollte den Diabetes nicht verschweigen. Man erlebt natürlich auch kuriose Geschichten. Einmal hat uns in Italien einer gefragt, ob die Patch-Pumpe so ein Gerät ist, um mit Ultraschall die Stechfliegen zu vertreiben. Vielleicht kommt mal eine dumme Frage, aber die kann man meist einfach beantworten. Die Leute wollen oft gar nichts Böses, sondern wissen es nicht besser.
DA: Ist es manchmal anstrengend, dass man sich immer erklären muss?
Kathy Dalinger: Mittlerweile haben wir das Erklären einfach drin. Was mich eher genervt hat, waren gerade nach der Diagnose Sprüche wie „Ach, das verwächst sich doch, ich hatte eine Cousine, die hatte das auch und mit 13 war es auf einmal weg“ oder „das kommt ja nur, weil sie so viel Süßes isst“.
Leonie Dalinger: Ich wurde oft gefragt und mich fragen auch heute noch Leute, ob der Diabetes nicht vom Zuckeressen und von Süßigkeiten kommt. Ich hatte auch einen Fall, da hat mich einer darauf angesprochen und gemeint, dass das alles eine Lüge sei und ich gar kein Diabetes hätte und einfach die Geräte abnehmen und schauen soll, wie es weiterläuft. Solche Leute sind schon anstrengend, aber das gibt es zum Glück nicht so oft.
DA: Wie geht Ihr damit um, wenn Ihr solche Aussagen oder Fragen zu hören bekommt?
Leonie Dalinger: Also ich habe der Person, die mir gesagt hat, ich hätte gar keinen Diabetes, erst mal ganz in Ruhe erklärt, woher das alles überhaupt kommt, dass das nicht am Zucker liegt und dass das eine richtige Erkrankung ist und ich nicht angelogen werde von den Ärzten. Als er gesagt hat, ich solle die Geräte abnehmen, habe ich einfach genickt und gelacht und bin gar nicht mehr weiter darauf eingegangen.
Kathy Dalinger: Mittlerweile steht man drüber, früher hat man schon immer versucht nochmal zu erklären, aber es gibt auch Leute, die wollen es eigentlich gar nicht hören und die muss man einfach stehen lassen.
DA: Was macht Ihr in eurer Freizeit gerne, um abzuschalten?
Kathy Dalinger (lacht): Welche Freizeit? Also wir fahren gerne weg, auf Kurzurlaube, Kraft tanken.
Leonie Dalinger: Ich bin gern privat mit Freunden draußen, immer irgendwo unterwegs bei Events, Partys oder auch einfach nur so mal gemütlich einen Filmeabend machen.
Kathy Dalinger (grinsend): Keine Party ohne Leonie, gell? Das war auch eine Herausforderung, als es losging mit dem Feiern. Das haben wir mit ein paar Regeln aber auch hingekriegt. Das Studentenleben soll Leonie jetzt genießen können.
DA: Vielen Dank, ihr beiden.
Interview: Janina Seiffert
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lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Tagen, 17 Stunden
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!- calvin240 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
- uho1 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
- calvin240 antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/




