Wie viel sollte mein Umfeld über meinen Diabetes wissen?

3 Minuten

Community-Beitrag
Wie viel sollte mein Umfeld über meinen Diabetes wissen?

Sehr schwierige Frage, die mich momentan ziemlich beschäftigt. Diabetes war in meinem gesamten Leben noch nie so das Thema. Sobald ich alt genug war, habe ich mich darum gekümmert und meine Eltern haben mir ziemlich schnell die eigene Verantwortung überlassen. Wenn ich sie jetzt frage, was denn ein guter Wert bzw. ein guter HbA1c ist, kriegen sie es
nach ein paar Sekunden auf jeden Fall hin, so viel ist klar! Mein Bruder? Keine Chance.

Das hat mich einerseits erschreckt, andererseits auch beruhigt. Ich habe die Krankheit, reicht doch, wenn ich jeden Tag daran denken muss. Oder nicht? Ich habe in einem anderen Artikel darüber geschrieben, wie es ist, wenn jemand Außenstehendes über meinen Diabetes lacht. Die betroffene Person hat den Artikel durchgelesen und sich im Nachhinein bei mir entschuldigt!

Quelle: Michelle Schmidt

Ich war und bin immer noch komplett baff. Natürlich war es nicht angebracht, in der Situation zu lachen, aber wenn einem das Wissen zu der Krankheit fehlt, kann man nun mal nicht immer richtig reagieren. Mein Freund hat mir jetzt auch gesagt, dass er sich nun zu der Krankheit mehr belesen wird, weil er selbst jetzt, nachdem wir mehrere Jahre zusammenleben, noch nicht genau wüsste, wie er in einer kritischen Situation reagieren soll.

Tja, aber liegt das nur an ihm?

Ich bin niemand, der seine Krankheit in den Mittelpunkt stellt. Sie ist da, klar, aber das ist für mich wie Heuschnupfen oder Asthma. Ich wurde so erzogen, der Krankheit nicht zu viel Raum zu geben, damit ich ein komplett normales Leben führen kann. Und das funktioniert für mich gut! Daher ist auch komplett verständlich, dass besagter Freund gar nicht so viel über die Krankheit weiß, auch wenn wir zusammenleben. Sie hat für mich eben wenig Priorität, was mein äußeres Umfeld betrifft, bzw. ich habe wenig Redebedarf darüber.

Dennoch, er möchte lernen. Wow. Ich bin einfach beeindruckt, was ein Artikel bewirken kann und wie viel Engagement der / die Freund:in in dem Bereich zeigt. Aber will ich das überhaupt? Ich kenne das nicht, das sich jemand mit meiner Krankheit beschäftigt. Bis jetzt wussten meine Partner immer die Basics, haben am Anfang von mir eine 5-Minuten-Schulung bekommen und das war’s dann auch.

Diabetes ist nur mein Ding – oder?

Diabetes ist mein Ding und damit möchte ich niemanden belasten. Die Frage ist natürlich, inwiefern das Thema eine Belastung ist. Vielleicht sehe ich das Ganze auch zu sehr schwarz/weiß. Nur weil derjenige etwas mehr Wissen hat, wird er nicht gleich von der Krankheit belastet sein, so, wie ich es bin. Er wird wahrscheinlich nur mehr Verständnis für manche Situation und Verhalten meinerseits haben.

Quelle:Photo by Katy Anne on Unsplash

Außerdem ist es natürlich schön, wenn man mit jemandem Ereignisse teilen kann und derjenige weiß, wovon man spricht. Daher ist auch diese Community hier so unfassbar toll! Jeder kann die Situationen, die man erlebt hat, nachvollziehen und man fühlt sich einfach aufgehoben. Aber andere Leute außerhalb des Circles hier reinlassen?
Letztendlich ist es nicht meine Entscheidung, wie viel sich die Menschen in meinem Umfeld zu meiner Krankheit belesen bzw. wie viele Fragen sie mir stellen. Jeder kann selbst entscheiden, wie viel er damit zu tun haben möchte. Ich bin immer noch komplett beeindruckt von der Aussage meines Freundes und sehr gespannt, ob er es wirklich durchziehen wird.

So oder so ist es ein schönes Gefühl, wenn sich jemand so viele Gedanken macht und einen weiteren Teil von mir besser verstehen möchte! Und das sollte man doch unterstützen! Ein weiterer Schritt für mehr #diabetesawareness!


Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Caroline Spindler im Interview: Aufklären gegen Vorurteile über Typ-2-Diabetes
Caroline ist eine von wenigen Menschen, die auf Social Media offen über ihren Typ-2-Diabetes sprechen. Sie möchte als Diabetes-Awareness-Speakerin aufklären, mit Vorurteilen aufräumen und anderen Betroffenen Mut machen.
Caroline Spindler im Interview: Aufklären gegen Vorurteile über Typ-2-Diabetes | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

14 Minuten

Diabetes-Anker-Podcast: „Weil du es kannst“ – im Gespräch mit Shirin Valentine über ihr neues Buch
In dieser Podcast-Episode spricht Steffi mit der Musikproduzentin, Moderatorin und Autorin Shirin Valentine über das Leben mit Diabetes. Shirin berichtet von ihrer Diagnose, ihrem Buch-Ratgeber für Neudiagnostizierte und der Rolle von Austausch und Online‑Communitys für einen selbstbestimmten Umgang mit der Erkrankung.
Diabetes-Anker-Podcast: „Weil du es kannst“ – im Gespräch mit Shirin Valentine über ihr neues Buch | Foto: Mike Fuchs / MedTriX

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • diahexe postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • diahexe antwortete vor 1 Woche

      Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

  • anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
Verbände