100 Jahre Insulin: ein Grund zu feiern

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100 Jahre Insulin: ein Grund zu feiern

Mirjam war am 24. Juli 2021 zu Gast bei dem Festakt zum Feiern von „100 Jahre Insulin“ in Berlin. Für die #BSLounge hat sie eine Zusammenfassung der Veranstaltung erstellt.

Ich sitze im Zug nach Berlin, zum ersten Mal seit Corona-Beginn. Welch ein Geschenk! Auch der Grund für diese Reise ist ein Grund zu feiern: Am 27.07.1921, also vor 100 Jahren, wurde zum ersten Mal Insulin isoliert. Seit fast 100 Jahren steht es Menschen nun als Medikament zur Verfügung.

Quelle: Mirjam Eiswirth

Einmal mehr geht mir durch den Kopf: Noch vor 100 Jahren wäre ich schon seit 25 Jahren tot. Diabetes war bis zur Entdeckung und Entwicklung von Insulin als Medikament ein Todesurteil. Dass das seit einem Jahrhundert nicht mehr so ist, haben wir in Berlin (übrigens parallel zum Christoper Street Day) gefeiert. Eingeladen hat diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, und zwar zur ersten hybriden Veranstaltung seit Beginn der Pandemie. Vormittags Festreden mit Publikum sowohl live vor Ort als auch draußen vor den Bildschirmen, nachmittags dann spannende Vorträge über die Entwicklungen in der Diabetes-Therapie seit 1920 und ein Ausblick, was sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten möglicherweise tun wird.

Mit Diabetes leben statt an Diabetes sterben

Heute ist es auf jeden Fall möglich, mit Diabetes zu leben, statt an Diabetes sterben zu müssen. Eindrucksvoll erzählt Dr. Viktor Jörgens einige Geschichten der ersten jungen Patient:innen aus den frühen 1920er Jahren, denen Insulin das Leben gerettet hat. Bis dahin bestand die „Therapie“ in einer drastischen Hungerkur, ab und an erleichtert durch ein Gläschen Hochprozentiges (auch für die Kinder), um das Leiden erträglicher zu machen. Ob man an den Folgen der Unterernährung oder an einer Ketoazidose starb, war nur eine Frage der Zeit.

Quelle: Mirjam Eiswirth

Insulin alleine reicht nicht, und…

Ich bin unglaublich dankbar, dass das heute nicht mehr so ist und dass in Deutschland die Menschen, die auf Insulin angewiesen sind, das lebenswichtige Medikament in der Apotheke bekommen, und dass wir darüber hinaus im Vergleich zu anderen Ländern eine gute Versorgung in der Sensor- und Insulinpumpentechnologie haben. Dass Insulin und Technologie alleine nicht genug sind, unterstreichen in ihren Festreden sowohl Prof. Dr. Andreas Neu, seit kurzem Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, und Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben (2008). Es braucht einerseits eine sehr gute ganzheitliche Betreuung, die die Menschen mit Diabetes und ihr Umfeld gerade nach der Diagnose auffängt und schult, ihre eigenen Ärzt:innen zu werden, und andererseits ist auch bei der Therapie noch Luft nach oben.

…Insulin ist ein Teufelszeug

Denn Insulin ist ein Teufelszeug – klar macht bei jedem Medikament die Dosis das Gift, doch für uns Diabetiker:innen kann etwas zu viel oder zu wenig Insulin dramatische Folgen haben, die beide Redner illustrieren: Im schlimmsten Fall kann Insulinmangel in einer Ketoazidose und damit schnell im Krankenhaus enden. In alltäglicheren Situationen, die viel zermürbender sind, kann zu viel oder zu wenig Insulin bedeuten, einen wichtigen Wettkampf abbrechen zu müssen, im entscheidenden Moment im Fußballspiel nicht den Elfmeter schießen zu können, weil der Zucker gerade zu tief ist, oder mit dem Essen warten zu müssen, während alle anderen schon zuschlagen.

Quelle: Mirjam Eiswirth

Heute kann ich mit (manchmal trotz) Diabetes alles machen

Auch ich kenne solche Momente aus meinem Alltag (okay, Gewichthebe-Wettkämpfe gehören nicht dazu, schon gar nicht auf olympischem Niveau). Dann könnte ich meinen Körper und dieses Teufelszeug Insulin verfluchen, das mein Leben so kompliziert macht. Aber gerade dann tut die Erinnerung gut: Wir haben Insulin. Wir können heute mit Diabetes leben, statt daran sterben zu müssen. Wir haben Zugang zu ziemlich toller Technologie. Und im Großen und Ganzen kann ich mit (manchmal vielleicht auch trotz) Typ-1-Diabetes alles machen. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Viele Infos und spannende Geschichten

Die Website 100-jahre-insulin.de zeigt Videos der einzelnen Vorträge, viele Infos zur Entwicklung der Diabetestherapie in den letzten 100 Jahren und vor allem auch eine beeindruckende Sammlung von Texten von Menschen, die mit Typ-1-Diabetes leben. Für mich klingt da ganz klar hervor: Auch wenn Diabetes anstrengend ist und viel Zeit, Kraft und Nerven kostet, so geht es doch immer weiter. Auch und gerade dank des Insulins, neuer Technologien, viel gegenseitiger Unterstützung in der Selbsthilfe und durch tolle Typ-Fler und Diabetes-Teams vor Ort. In diesem Sinne: auf die nächsten 100 Jahre mit Insulin und spannenden neuen Entwicklungen in der Diabetestherapie!


Mehr zur Geschichte des Insulins und der Behandlung von Diabetes findet ihr hier von Antje: Streifzug durch die Geschichte der Diabetestherapie


von Mirjam Eiswirth

Mirjam war Autorin in der Blood Sugar Lounge und hat dort aus dem Leben mit Diabetes berichtet. Hier findet ihr alle Beiträge aus dieser Zeit:

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  • thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 4 Wochen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße