- Aus der Community
Tandem statt Fahrerwechsel
4 Minuten
Hinweis: Alle notwendigen Materialien (Insulinpumpe, Zubehör, Zugang zur Loop-App) wurden von Ypsomed zur Verfügung gestellt.
Nach 3 Monaten mylife-Loop im Alltag das Wichtigste zu Beginn: So ein Loop macht das Leben definitiv leichter. Nach mehr als 25 Jahren Selbstmanagement mit viel Disziplin und ohne Pausen kann ich mich gelegentlich zurücklehnen, den Loop seine Arbeit machen lassen und mich darauf verlassen, dass meine Zuckerwerte nicht eskalieren. Das ist für mich ein großer Fortschritt und eine riesige Erleichterung. Im letzten Text habe ich vom „langsamen Fahrerwechsel“ geschrieben. Mittlerweile würde ich sagen, der Loop und ich fahren Tandem und jeder leistet seinen Beitrag. Auch ich muss nach wie vor in die Pedale treten und lenken, aber bin dabei nicht mehr allein auf mich gestellt.

Aller Anfang ist schwer
Trotzdem fällt es mir manchmal noch schwer, den Loop seine Arbeit machen zu lassen und die „Verantwortung“ abzugeben. 26 Jahre permanente Selbstbeobachtung, Planung, Berechnung und Diabetes-Management lassen sich nicht innerhalb von ein paar Wochen abstreifen. Außerdem gibt es vier Punkte, an denen ich nach wie vor feile:
- AID-Anpassung beim Sport
- lange Unterbrechung der Insulinzufuhr bei „Hypos“ (bis zu vier Stunden, und danach steigen die Zuckerwerte natürlich enorm)
- die richtige Bolus-Boost-Strategie bei Mahlzeiten mit viel Fett und Eiweiß
- ketogene Ernährung mit Loop
All diese Punkte sind grundsätzlich lösbar, zur AID-Anpassung beim Sport zum Beispiel haben Ulrike Thurm und Bernhard Gehr eine hilfreiche Handreichung geschrieben. Und für alle drei Punkte gilt: ein etwas höherer Zielwert, sowohl im Kopf als auch im AID-System, könnte helfen.
Loslassen – Perfektionismus und Mikromanagement
So ein Loop funktioniert dann am besten, wenn man ihn einfach in Ruhe seine Arbeit machen lässt. Das Leben ist komplex, der Körper noch komplexer, da kann nicht immer alles 100% perfekt laufen. Das tut es aber auch nicht, wenn ich das Management selbst übernehme. Und ehrlich gesagt kann dieses Loslassen auch ganz schön sein. Statt mir selbst Vorwürfe zu machen, warum mein Zuckerwert gerade nicht so ist, wie ich ihn gerne hätte, kann ich dem Loop die Schuld geben 😉. Das tut zur Abwechslung auch ganz gut. Klar braucht es trotzdem ein Troubleshooting, klar will ich auch verstehen, warum der Loop es nicht geschafft hat, den Zucker im gewünschten Rahmen zu halten, aber die Verantwortung dafür mit dem Algorithmus zu teilen, ist manchmal wirklich erleichternd. Damit gibt mir der Loop eine gewisse Leichtigkeit im Diabetes-Management zurück, eine größere Akzeptanz für etwas Chaos, und alleine das tut gut.
Der Loop schenkt Zeit und Energie
Wenn ich das mit dem Loslassen schaffe, dann habe ich plötzlich ganz viel Zeit und Energie, die ich bisher auf Berechnungen, Planung und Selbstbeobachtung verwendet habe – denn das übernimmt jetzt größtenteils der Loop. Gerade das Finetuning zwischen den Mahlzeiten kann ich ganz entspannt aus der Hand geben und wissen, dass die Zuckerwerte in einem annehmbaren Rahmen bleiben. Da wird ganz schön viel an Kapazitäten wieder frei 😊.

Die Nacht ist wie ein Reset-Knopf
Selbst wenn mal ein Tag nicht sonderlich gut gelaufen ist, habe ich über Nacht eigentlich immer die Chance auf einen Neustart. Ich gehe mit 180 mg/dl (10,0 mmol/l) ins Bett, oder der Zucker steigt auch in der Nacht mal auf 180 mg/dl (10,0 mmol/l), aber bis ich morgens aufwache, hat mich der Loop wieder zurück zu meinem Zielwert gebracht. Das ist ein riesiger Gewinn! Ausnahmen: sehr spätes oder schweres Essen. Da kommt dann auch der Algorithmus irgendwann nicht mehr gegen an und ich muss die Sache doch etwas genauer im Auge behalten.
Offene Baustellen
Der Loop scheint eine gewisse Menge an Kohlenhydraten zu brauchen, um gut zu funktionieren. Ohne Loop esse ich ketogen, also vor allem Fett und Eiweiß und sehr wenige Kohlenhydrate (hier findet ihr mein Kochbuch) mit ganz vielen leckeren Rezepten, die auch schmecken, wenn man einfach nur mal was Neues ausprobieren will). Die Mahlzeiten decke ich mit einem dualen Bolus ab – einen Teil des Insulins gebe ich sofort, den Rest über 60-90 Minuten verzögert. Theoretisch kann ich das mit dem Loop auch, als Bolus plus Boost, arbeite aber noch immer am Feinschliff. Und je weniger Kohlenhydrate ich am Tag insgesamt esse, desto schwieriger wird es. Da mir keto insgesamt sehr guttut, will ich hier noch weiter experimentieren.

Außerdem arbeite ich noch am Feinschliff, was Sport angeht, und am Bolus-Timing, wenn ich mal mehr Kohlenhydrate esse. Dazu werde ich in den nächsten Wochen eines der schnelleren Insuline ausprobieren. Gerade habe ich noch ein schnell wirksames Insulin im Reservoir, bald wechsle ich zu einem der neueren, die noch schneller wirken.
Im nächsten Artikel erfahrt ihr, wie es mit der Dosisanpassung beim Sport weitergeht und ob das schnellere Insulin etwas verändert 😊.
Hier geht es zu den ersten beiden Teilen von Mirjam Erfahrungsbericht
Teil 1: AUSPROBIERT: DER MYLIFE LOOP IM DIABETES-ALLTAG
Teil 2: LANGSAMER FAHRERWECHSEL: ZWISCHENSTAND BEIM AUSPROBIEREN DES MYLIFE LOOPS
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diahexe postete ein Update vor 1 Woche
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 1 Woche
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747



Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.