Älter werden mit einer Insulinpumpe

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Älter werden mit einer Insulinpumpe

Im Diabetes-Journal 10/2016 haben wir Ihnen drei Fragen zur Pumpentherapie im Alter gestellt. 136 Pumpenträger und 96 Mitarbeiter im Diabetesbereich haben teilgenommen und uns ihre Wünsche, Sorgen und Erfahrungen bezüglich der Pumpentherapie im Alter berichtet. Hier finden Sie die Ergebnisse.

Die Arbeitsgruppe „Insulinpumpen-Therapie bei älteren Menschen mit Diabetes“, die die Umfrage durchführte, dankt allen Teilnehmern herzlich. Im Folgenden stellen wir Ihnen ein paar der Ergebnisse vor.

Deutliche Sorgen bei Patienten und ­Experten

Das Wichtigste zuerst: Es zeigen sich deutliche Sorgen bezüglich der Insulinpumpentherapie im Alter, sowohl bei den Pumpenträgern als auch bei den medizinischen Experten. Sehr oft wurden dabei folgende Sorgen genannt:

  • der Mangel an kompetenter Unterstützung,
  • die als nicht altersgerecht bewertete Technik,
  • die drohende Hilflosigkeit/Alternativlosigkeit im Alter und
  • die möglicherweise problematische Umstellung auf eine intensivierte Insulintherapie (ICT).

Viele Vorschläge für altersgerechte Pumpen

Es gab viele Ideen, wie ein altersgerechtes Pumpensystem aussehen könnte. In vielen Antworten wurden Vorschläge genannt, die das Benutzen auch bei Sehbehinderung möglich machen: eine einfache Menüführung, nur die notwendigsten Funktionen, ein großes Display, Spracherkennung, vorgefertigte Ampullen, gut tast­bare Knöpfe. Es gab die Forderung, „die zuletzt gut beherrschte Pumpe dem Patienten zu belassen“. Dahinter steht wohl die Erfahrung, dass im Alter nicht mehr so leicht Neues gelernt und Änderungen behalten werden.

Häufig war die Vermutung, dass man im hohen Alter ohne eine Unterstützung von Familienangehörigen oder gut ausgebildeten Pflegern nicht mehr zurechtkommen wird. Und auch „eine Diabetes-Wohngemeinschaft gründen mit qualifiziertem Personal oder jüngeren Dia­betikern“ war ein Wunsch.

„Was haben Sie denn da?“

Hier ein paar Originalaussagen aus den Fragebögen:

  • „Ach, was haben Sie denn da?“ Ich: „Eine Insulinpumpe.“ „Ich dachte immer, sie wird unter die Haut eingepflanzt wie ein Herzschrittmacher. Wir haben keine Erfahrung mit so etwas, aber Sie sind ja noch gut drauf und können sich noch selbst helfen, Sie machen das schon.“
  • Als Arzt habe ich erlebt, dass teilweise die Pumpentherapie völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Jeder Pumpenträger sollte einen guten Diabetologen haben!
  • Während dieser (drei) Klinikaufenthalte verfügte niemand über detaillierte Informationen zum Thema Insulinpumpentherapie – was ich auch nicht unbedingt erwartet habe (wenige T1D, von denen wiederum nur ein kleiner Teil Pumpenträger ist). Doch dass niemand nachfragte (Anästhesie!), das hat mich dann doch irritiert. Es waren jeweils geplante Eingriffe. Was aber, wenn ich nicht mehr ohne Unterstützung handeln kann? Ich denke, hilfreich ist einzig die bessere Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals.
  • Auf Intensiv wurde mir die Pumpe schon einmal entfernt (ich war zwei Tage weg vom Fenster, und man brauchte zwei Stunden, bis man mich wieder „hatte“), aber Gott sei Dank hatte ein Pfleger die gleiche Pumpe wie ich und brachte mir ein Infusionsset mit. Ansonsten habe ich mir stets verbeten, dass jemand an meiner Diabetestherapie rum­pfuscht. Das wurde dann üblicherweise als „therapieresistent“ bezeichnet …

Besorgniserregende Krankenhäuser

Leider waren die Erfahrungen im Krankenhaus überwiegend besorgniserregend. Nur 10 Pumpenträger und 2 Mitarbeiter aus dem Dia­betesbereich konnten über gute Kenntnisse des Personals und gute Unterstützung berichten! Die Mehrheit der Teilnehmer erlebte viel Unwissenheit beim Personal, im günstigsten Fall waren die Pumpenträger dann selbst in der Lage, ihren Dia­betes zu managen. Leider mussten einige aber mit Unwissenheit und zusätzlicher Arroganz seitens des Arztes oder des Pflegepersonals zurechtkommen („Ich bin hier die Internistin!“).

Diese Erfahrungen und die vermeidbaren gefährlichen Unterzuckerungen und Überzuckerungen mit Übersäuerung des Körpers (Ketoazidosen), die einige Teilnehmer erleben mussten und die auf Fehler des Personals zurückzuführen waren, haben uns gezeigt, wie wichtig hier eine Verbesserung der Versorgung ist.

Interview-Studie: Wir suchen Sie!

Sie sind 65 Jahre oder älter und nutzen seit mindestens 3 Monaten eine Insulinpumpe? Dann machen Sie doch mit bei einer Interview-Studie!

Die Arbeitsgruppe und das Psychologische Institut der Universität Mainz möchten die öffentliche Wahrnehmung für die Wünsche, Sorgen und Probleme mit einer guten Versorgung weiter stärken. Das Ziel ist, eine altersgerechte Insulinpumpentherapie für ältere Menschen mit Diabetes zu ermöglichen – um eine gute Stoffwechseleinstellung, Unabhängigkeit und Lebensqualität zu gewährleisten.
Deshalb wollen wir in der Studie mit Ihnen etwa 1½ Stunden über ihre Erfahrungen sprechen. Die Auswertung erfolgt selbstverständlich anonym!

Die Interview-Studie ist eine erweiterte Fortführung der Umfrage zu diesem Thema aus dem Oktober letzten Jahres auf wissenschfatlicher Ebene.

Für Rückfragen und Anmeldungen steht die Studienkoordinatorin Jennifer Grammes gern per E-Mail unter Diabetesforschung@uni-mainz.de
oder telefonisch unter 0 61 31/39 39-1 32 zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Interview-Studie finden Sie außerdem hier.


von Eva Küstner, Jennifer Grammes und Silvia Demattio
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG,
E-Mail: eva-kuestner@web.de

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  • mr postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?