- Behandlung
Arzneimittel: den Überblick behalten
3 Minuten

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes müssen Patienten oft viele verschiedene Arzneimittel einnehmen. Wie wichtig ein Medikationsplan, eine Medikationsanalyse und eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten dabei sind, erfahren Sie in diesem Schwerpunktthema.
„Jetzt weiß ich endlich, welches Medikament eigentlich wofür ist, ganz ehrlich, bei den vielen Pillen verliere ich immer wieder den Überblick…“
Der Patient war sichtlich zufrieden. Wir hatten uns gemeinsam in der Apotheke die Zeit genommen, seinen neuen Medikamentenplan anzusehen und zu besprechen. Da ist schon einiges neu und erklärungsbedürftig.
Medikation: ein einheitlicher Plan für alle
Der bundeseinheitliche Medikationsplan ist seit dem 1. Oktober 2016 eingeführt und soll seit dem 1. April 2017 in den Arztpraxen auf Wunsch des Patienten auszudrucken sein. Im Schwerpunkt-Beitrag Der bundeseinheitliche Medikationsplan: Ein Plan für alle macht die Autorin Dr. Lea Botermann deutlich, warum es so wichtig ist, dass sich möglichst viele Patienten einen aktuellen Plan erstellen lassen und mit sich führen.
Die Menschen, die an chronischen Erkrankungen wie Diabetes leiden, müssen häufig viele Medikamente einnehmen und mit komplizierten Therapievorgaben zurechtkommen. Mit einem Plan, der die richtigen Erklärungen und Hilfen bietet, fällt dies viel leichter.
Dr. Lea Botermann hat sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit intensiv damit beschäftigt, wie sehr ein Medikationsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit beiträgt – aber auch, wie wichtig er für die Verständlichkeit und damit Umsetzung der Therapie ist bei Patienten, die viele Medikamente einnehmen müssen.
Gute Kommunikation und Medikationsanalyse
Wir kennen alle das Kinderspiel Stille Post, bei dem versucht wird, über viele Stationen eine Information richtig weiterzugeben. Wir haben auch häufig herzlich gelacht, was da am Ende rauskam. So kommt es mir manchmal vor, wenn ich in der Apotheke beobachte, was an Informationen zwischen Ärzten, Patienten und auch Apotheke passiert. Und dies ist nicht zum Lachen, denn hier entscheidet sich, ob die Therapie in die richtige und sichere Richtung gelenkt wird oder nicht.
Wenn der Medikationsplan gemeinsam besprochen wird, fallen Fehler auf, es werden Entscheidungen in Kenntnis und Übereinstimmung gefällt. Sie sind als Patient ganz anders verantwortlich eingebunden.
Wie dies in der Praxis funktioniert, zeigt der Beitrag Die wichtige Analyse der Medikamente. Der Medikationsplan ist nur der Anfang, wichtiger ist die Medikationsanalyse, am besten abgestimmt von Arzt und Apotheker. Ein Beispiel zeigt, wie Medikamente gar nicht oder falsch in der Therapie eingesetzt werden. Eine gute Kommunikation und ein überprüfter Medikationsplan machen den entscheidenden Unterschied.
Autorin Dr. Katja Renner ist neben ihrer praktischen Tätigkeit in einer Apotheke auch verantwortlich für das Projekt ATHINA (Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken). In mehreren Bundesländern werden hier Apotheker besonders qualifiziert und können dann in ihren Apotheken Dienstleistungen anbieten, um die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern – für Patienten, Altenheime und Ärzte.
Verschreibungskaskaden: Wann wird es zu viel?
Etwas entsetzt schaut meine Patientin auf ihren Medikationsplan: „Wissen Sie noch, da haben wir mal mit 4 Medikamenten angefangen, jetzt sind wir bei 12, ist das denn alles wirklich nötig?“
Wissenschaftlich sprechen wir von Verschreibungskaskaden: Die Therapie mit den Arzneimitteln macht immer neue, zusätzliche Medikamente notwendig aufgrund von Nebenwirkungen, auftretenden Symptomen oder ungenügender Wirksamkeit. Kann man so eine Eskalation vermeiden und wie kann man sie zurückführen? Dr. Hanna Seidling und ihr Team haben viele Medikationspläne und Medikationsanalysen ausgewertet – gerade auch aus ATHINA-Apotheken.
Die Antworten sind vielschichtig und nur individuell wirklich zufriedenstellend – darum geht es im Beitrag Medikamente: Muss ich die für immer nehmen?. Das Thema muss angegangen werden – und daraus ergibt sich die Notwendigkeit von Arzt und Apotheker, die Therapie, auch die mit freiverkäuflichen Arzneimitteln, regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.
Vernetzung und Austausch vorantreiben
„… Kommunikation ist ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Der Verlauf einer Krankheit und die sichere Therapie hängen stark davon ab, wie sich alle am Behandlungsgeschehen Beteiligten miteinander verständigen. Deshalb ist es mir wichtig, den Gedanken der Vernetzung und des Austausch innerhalb unseres Gesundheitswesens grundsätzlich voranzutreiben. Gelingen kann uns das, indem wir Barrieren zwischen Versorgungsbereichen und Behandlern abbauen. Unsere gesundheitspolitischen Initiativen sollen dazu beitragen, aus einzelnen medizinischen Spitzenleistungen gut aufeinander abgestimmte Mannschaftsleitungen zu formen.“
Das sagt Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister, im Grußwort zur diesjährigen Jahrestagung Aktionsbündnis Patientensicherheit. Fazit: Der bundeseinheitliche Medikationsplan ist hier ein wichtiger Baustein, der schnell in der Praxis Fuß fassen sollte, damit nicht nur die Patienten den Überblick behalten.
Schwerpunkt: „Medikationsmanagement“
- Arzneimittel: den Überblick behalten
- Der bundeseinheitliche Medikationsplan: Ein Plan für alle
- Die wichtige Analyse der Medikamente
- Medikamente: Muss ich die für immer nehmen?
von Manfred Krüger
Manfred Krüger ist Fachapotheker für Pflegeversorgung. Er ist Lehrbeauftragter Klinische Pharmazie der Universitäten Düsseldorf und Bonn und Landesbeauftragter für Pharmazeutische Betreuung und Arzneimitteltherapiesicherheit (Apothekerkammer und Apothekerverband Nordrhein). Zudem ist er Mitglied der Kommission „Apotheker in der Diabetologie“ (Bundesapothekerkammer/DDG) sowie des Vorstands der DDG-Arbeitsgemeinschaft Prävention.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (7) Seite 16-18
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Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂


