- Behandlung
Besiedlung des Darms wirkt aufs Gewicht
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Jeder Mensch hat eine individuell zusammengesetzte Besiedlung seines Verdauungstrakts, vor allem des Dickdarms, mit einer großen Anzahl verschiedener Bakterien. Dieses Darmmikrobiom ist für uns lebenswichtig. In den letzten Jahren wurden durch intensive Untersuchungen viele Befunde gefunden, die das Darmmikrobiom mit den Erkrankungen Adipositas (krankhaftes Übergewicht) und Diabetes mellitus in Verbindung bringen.
Wer mehr Firmicutes-Bakterien im Darm hat, kann Ballaststoffe im Dickdarm besser abbauen – und damit mehr Abbauprodukte produzieren, die über die Dickdarmschleimhaut als zusätzliche Kalorienlieferanten resorbiert werden. Wenn über diesen Mechanismus pro Tag etwa 150 kcal mehr aufgenommen werden, dann summiert sich dies innerhalb von 3 Monaten auf eine Gewichtszunahme von etwa 2 kg.
Bei Schlanken ist das Mikrobiom vielfältiger als bei Übergewichtigen
Man hat durch molekulargenetische Stuhluntersuchungen adipöser Menschen festgestellt, dass bei diesen Personen im Dickdarm ein größerer Anteil an Firmicutes-Bakterien vorhanden und gleichzeitig die Bakterienart Bacteroides vermindert ist. Bei schlanken Personen hat man festgestellt, dass deren Bakterienzusammensetzung im Dickdarm im Vergleich zu dicken Patienten vielfältiger ist; man spricht von einer größeren Bakterien-Diversität.
Diese größere Vielfalt an Bakterienarten im Dickdarm ist offensichtlich ein “Schutz” vor einer unnötigen zusätzlichen Kalorienaufnahme. Bei diesen Menschen werden die kalorienhaltigen Ballaststoffe zum größten Teil mit dem Stuhl ausgeschieden.
Verschiedene Mechanismen im Darm können zu einer Gewichtszunahme führen
Man kennt aber inzwischen auch andere Effekte, die einen Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und Adipositas herstellen. Bei übergewichtigen Menschen ist die Schleimhautbarriere im Dickdarm gestört. Bakterienprodukte werden von den Darmepithelzellen ins Blut aufgenommen und verursachen im Körper eine unterschwellige Entzündung: Diese “subklinische Inflammation” führt zu einer vermehrten Fetteinlagerung, einer gestörten Insulinwirkung und verursacht eine Schilddrüsenunterfunktion. Alle diese Mechanismen führen letztendlich zu einer Gewichtszunahme.
Aus dem ersten Schwerpunkt-Artikel kennen Sie schon die Darmmikrobiom-Gehirn-Achse: Bakterienprodukte können direkt oder über andere Wege das Gehirn beeinflussen und das Hungergefühl verstärken bzw. das Sättigungsgefühl vermindern. Auch dies kann durch eine vermehrte Nahrungszufuhr zu einer Gewichtszunahme führen. Adipositas ist ein Risikofaktor für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes.
Somit kann ein “ungünstig” zusammengesetztes Darmmikrobiom den Weg zu einem manifesten Typ-2-Diabetes ebnen. Es gibt inzwischen Untersuchungen, die herausfinden wollten, ob durch den Einsatz eines Präbiotikums diese Entwicklung durch ein gezieltes Beeinflussen des Darmmikrobioms gestoppt werden kann.
Darmmikrobiom und Süßstoffe
Seit vielen Jahren verwenden gerade Menschen mit Übergewicht Lebensmittel, die mit Süßstoffen gesüßt sind, um ihre Kalorienzufuhr zu begrenzen. So lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von mit Süßstoffen gesüßten Cola-Getränken und fruchtsafthaltigen Limonaden (Light-Getränken) in Deutschland im Jahr 2015 bei 13,2 Litern.
Es gibt einige Hinweise dafür, dass der häufige Konsum von Süßstoffen die Diversität (Vielfältigkeit) des Darmmikrobioms beeinflussen kann. Dies könnte möglicherweise Prozesse in Gang setzen, die das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes erhöhen. Bewiesen ist dies aber (noch) nicht. Wenn Sie auf “Nummer sicher” gehen wollen, dann sollten Sie Ihren Konsum an Süßstoffen so gering wie möglich halten.
Das Darmmikrobiom und Typ-1-Diabetes
Der Typ-1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen: Durch eine Fehlfunktion zerstört das körpereigene Immunsystem die körpereigenen insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Eigentlich sollte das Immunsystem so programmiert sein, dass es “eigene” Zellen als solche erkennt und diese nicht angreift. Wie im vorigen Artikel dargestellt, entscheiden die Art der Geburt und die Ernährung in den ersten Lebenswochen darüber, wie sich das Darmmikrobiom im Säugling entwickelt.
Mit der Ausbreitung der Bakterien im Dickdarm geht auch die korrekte “Programmierung” des Immunsystems einher. Somit können Veränderungen im Darmmikrobiom die Entwicklung des Immunsystems so beeinflussen, dass Autoimmunerkrankungen entstehen können, so auch ein Typ-1-Diabetes.
Schwerpunkt: „Die Bedeutung des Darms“
- Darmmikrobiom: unbekanntes Ökosystem in uns
- Besiedlung des Darms wirkt aufs Gewicht
- Heikles Thema: Stuhltransplantation
Dr. Martin Lederle ist Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner. Er führt eine diabetologische Schwerpunktpraxis im MVZ Ahaus und ist tätig als verantwortlicher Arzt für den Fachbereich Diabetologie/Ernährungsmedizin am St. Marien-Krankenhaus.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (3) Seite 24-25
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Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂


