„Darf ich Süßstoff in den Tee tun?“

2 Minuten

© © Monika Wisniewska - Fotolia.com
„Darf ich Süßstoff in den Tee tun?“

Ein neu diagnostizierter Typ-2-Diabetiker ist sich unsicher: Ist Süßstoff für Diabetiker tabu oder in geringen Mengen okay?

Die Frage: Vor kurzem bekam ich von meinem Arzt die Diagnose Typ-2-Diabetes. Ich bin 25 Jahre alt und will alles daransetzen, möglichst lange nicht spritzen zu müssen oder Metformin sogar absetzen zu können. Ich bin gerade auch bei einer Schulung; dort wird Süßstoff für okay gehalten. Meine gute Freundin ist Diabetikerin und meint, Süßstoff sei genauso fatal wie Zucker. Was stimmt denn nun? Darf ich eine oder zwei Tabletten in meinen Tee tun?


Prof. Petzoldt: Womöglich haben Sie mittlerweile in der Schulung vieles gehört über Diabetes allgemein und wie man im Alltag damit ganz praktisch umgehen kann. Dazu gehört ja auch, dass nicht alle bei Diabetes denkbaren Behandlungsmaßnahmen für jeden, immer und grundsätzlich gelten. Diabetes erfordert für den Betroffenen teils ganz persönliche Wertungen; Behandlungsmaßnahmen und -empfehlungen können sich ändern nach 10, 20 oder 30 Jahren – und die Maßnahmen und Empfehlungen können auch für verschiedene Menschen mit Diabetes zur gleichen Zeit unterschiedlich sein.

Vielleicht hat Ihre Freundin den Diabetes zu einer Zeit bekommen, als Zucker-Genuss noch generell als fatal angesehen und deshalb oft verteufelt wurde? Denn heute wird Zucker in der Ernährung bei Diabetes, wenn auch in Grenzen, für möglich gehalten, soweit dadurch die individuellen Blutzuckerwerte nicht erkennbar gestört werden.

Also:

  1. Zucker ist nicht fatal, sollte aber selbstbewusst und richtig eingesetzt werden.
  2. Süßstoffe sind ebenfalls nicht total fatal, also nicht jederzeit und in jeder Menge gefährlich. Das immer wieder mal beschriebene Risiko beim Süßstoff-Gebrauch liegt wohl vor allem im Appetit, der dadurch bei manchen angeregt wird; gibt man dem nach, dann droht Gewichtszunahme.
  3. Derzeit wird oft über Stevia und Erythritol, zwei Zucker-Alternativen ohne Kalorien, berichtet. Das könnte etwas für Sie beim Tee-Genuss sein.

Im Übrigen: Meiner Meinung nach dürfen Sie eine oder zwei Süßstofftabletten in den Tee tun. Mit dieser meiner Meinung möchte ich mich nun aber nicht zum Schiedsrichter zwischen Ihnen und Ihren Gesprächspartnern und zu Ihren verschiedenen Meinungen aufschwingen.

Haben auch Sie eine medizinische Frage an Prof. Petzoldt?

… dann schreiben Sie ihm per Post oder E-Mail:

Prof. Dr. Rüdiger Petzoldt​
Schubertstraße 6, 32545 Bad Oeynhausen
E-Mail: brpetzoldt@t-online.de

Beantwortete Fragen veröffentlichen wir im Diabetes-Journal sowie hier auf diabetes-online.de – natürlich anonym.


von Prof. Dr. med. R. Petzoldt
ehem. Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (4) Seite 44

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes und Augen: Netzhautschäden frühzeitig erkennen, Risiko senken und Sehvermögen schützen
Netzhautschäden zählen zu den häufigsten Diabetes-Folgen, bleiben jedoch oft über lange Zeit unbemerkt. Anlässlich des Tags der Netzhaut am 26. September informiert die DDG darüber, welche Warnzeichen man kennen sollten, wann Kontroll-Untersuchungen nötig sind und wie sich das Risiko senken lässt.
Diabetes und Augen: Netzhautschäden frühzeitig erkennen, Risiko senken und Sehvermögen schützen | Foto: Peakstock – stock.adobe.com

3 Minuten

Menschen mit Übergewicht: Vorurteile und Stigmatisierung in der ärztlichen Praxis
In der Gesellschaft sind Vorurteile und Stigmatisierung im Hinblick auf Menschen mit Übergewicht weit verbreitet. Auch im medizinischen Bereich können sie unbemerkt die Behandlung beeinflussen, etwa in der ärztlichen Praxis.
Eine Patientin im roten Oberteil spricht mit einem Arzt im weißen Kittel in einem Untersuchungszimmer. Auf dem Tisch liegen Unterlagen, daneben sind ein Anatomiemodell und medizinische Geräte zu sehen.

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂