- Aus der Community
Diabetes-Momente zwischen Kampf und Liebe – die ersten Tage mit meiner Pumpine (Teil #2)
3 Minuten

In der zweiten Nacht habe ich die Sache mit dem Pumpe- und Schlauch-Festtapen wohl ein bisschen übertrieben und den Schlauch abgeknickt – oder lag es an etwas ganz anderem? – das Ergebnis waren zumindest 446 mg/dl (24,8 mmol/l) mit Trendanzeige „steigend“, und mir war klar, dass das nicht ein einfaches Problem mit der Basalinsulin-Menge war. Mein erster Infusionssetwechsel in der Nacht inklusive Sorge, dass das nun ständig passieren wird. Nach der Nacht fühlte ich mich wie ein Zombie, hatte aber zum Glück gleich morgens einen Termin bei meiner Diabetesberaterin und versuchte mit ihr, Lösungen zu finden.
Tragegurt, Schlauch, Katheter, Pipi, Hilfe
Pumpine braucht einen eigenen Schlafanzug! Ich will schlafen können, ohne Angst zu haben, die Insulinversorgung zu unterbrechen, aber die Pumpe auch nicht die ganze Zeit als Gewicht spüren. Von den verschiedenen Pumpenherstellern gibt es ja so einiges an Zubehör, was man sich umschnüren, anklemmen oder sonst wie tragen kann. Die Sachen bekommt man, soweit ich weiß, grundsätzlich von der Krankenkasse erstattet.
Ich habe mir von meiner Diabetesberaterin ein Trageband für den Oberschenkel verschreiben lassen. Das Problem damit: Ich komme in den Tüdel, wenn ich nachts auf Toilette will. Tragegurt, Schlauch, Katheter, Pipi, Hilfe. Es kommt zu der Situation, dass ich am Katheter ziehe, und das ist für mich eines der ekligsten Gefühle bei der ganzen Pumpenangelegenheit. Als wäre ich angeleint – unfassbar unangenehm.
Jogginggurt für Pumpine
Am gleichen Tag, an dem das Oberschenkel-Band ankam, kam allerdings noch eine andere Lieferung. Kein spezieller Diabetikerbedarf, sondern etwas Zweckentfremdetes: ein Jogginggurt. Zwar gibt es so einen ähnlichen auch als Pumpen-Zubehör auf Rezept, nur erschien mir dieser, zumindest den Bildern nach, als geeigneter. Ein stretchiger Gürtel mit Schlitzen, in die beim Sport Handy und Schlüssel gesteckt werden können. Der sich beim Schlafen aber auch 1A als Pumpen-Zuhause erweist.

Solange der Gurt fest um meine Hüften liegt, rutscht die Pumpe darin nicht umher. Wenn der Gurt lockerer sitzt, kann Pumpine eine Rundreise starten, was auch wieder nicht so angenehm ist. Ich vermeide das, indem ich den Gürtel hinter der Pumpe zusammenbinde. Was auch geht, ist, den Clip-Halter zu nutzen und die Pumpe damit an den Gürtel zu heften. Das ist sicherlich alles noch optimierbar, aber vom Komfort her ein deutlicher Fortschritt für mich. Nur, schön fühle ich mich damit nicht.
Voll okay oder super unangenehm?
Nachts vielleicht nicht so wichtig, aber trotzdem mache ich mir einen Kopf darum. Ich mache mir mehr Gedanken um das Aussehen mit Pumpe als um das Aussehen mit dem FreeStyle Libre. Irgendwie ist dieser Knopf an meinem Arm einfach nicht so persönlich, so nah, so intim wie ein Pflaster am Bauch, das mit einem Schlauch verbunden ist, der zu dem Gerät führt, das manchmal leise „bssst“ macht, wenn der Ampullenstopfen weiter vorgedrückt wird. Manchmal guckt der Schlauch unter dem T-Shirt-Bund hervor und mein Gefühl und ich werden uns nicht einig, ob das voll okay oder super unangenehm ist.
Pumpine ist nicht mehr wegzudenken
Es wäre sehr einfach zu sagen, dass mir das alles zu unbequem ist. Doch es gibt eben auch das genaue Gegenteil von „mit der Pumpe läuft’s nicht“. Mit der Pumpe läuft’s nämlich schon. Ich kann mir eigentlich schon jetzt nicht mehr vorstellen, auf die detailreichen Änderungsmöglichkeiten der Basalrate und des Bolus-Faktors zu verzichten. Ich befinde mich insbesondere vormittags fast durchgehend im Zielbereich. Nach ein paar Tagen mit einer Hypoglykämie am Vormittag war deutlich, welche Einstellung ich minimal korrigieren musste, und auf einmal war alles schön. Ich brauche durch die Pumpentherapie echt weniger Insulin und ich bin richtig motiviert, an der perfekten Einstellung zu arbeiten – da sind sogar die ganzen Basalratentests okay. Wären die schlechten Nacht-Werte nicht, wäre ich, glaube ich, auch einfach belastbarer und könnte diese Phase leichter nehmen. Immerhin war ich in der letzten Nacht schon nicht mehr über 250 mg/dl (13,9 mmol/l).
Ob es weitere Fortschritte gibt und wie nervig es sein kann, wenn der Katheter einfach nicht halten will, lest ihr bald!
→ Die anderen Beiträge dieser Reihe findet ihr hier: Teil #1, Teil #2, Teil #3, Teil #4, Teil #5.1, Teil #5,2 und Teil #6
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community
- Aus der Community
5 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 1 Tag, 12 Stunden
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Tagen, 6 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 2 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße