Diabetes und Depression – ein Teufelskreis!

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Diabetes und Depression – ein Teufelskreis!

Wer Diabetes hat, erkrankt häufiger als andere auch an einer Depression. Weil die Depression am Selbstwertgefühl und an der Motivation nagt, ist es um das Diabetesmanagement dann meist schlecht bestellt. Und schlechte Blutzuckerwerte schlagen zusätzlich auf’s Gemüt. Wie sich so etwas anfühlt und wie sehr einen die Depression im vernünftigen Umgang mit dem Diabetes lähmen kann, konnte man in 2015 unter anderem auf Tines Blog nachlesen.

© Pixabay
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Auch unter Diabetesexperten wird immer wieder diskutiert, wie man als Diabetiker wieder aus einem krankhaften Stimmungstief herauskommt und gleichzeitig die Zuckerwerte wieder in den Griff bekommt. Eine konventionelle Schulung bringt in solchen Fällen herzlich wenig, wie ich bei der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Düsseldorf lernen durfte. Dort stellte Dr. Ulrike Löw, Psychotherapeutin aus Frankfurt, exemplarisch einen typischen Fall aus ihrer Praxis vor, nennen wir die Patientin einmal Frau P. Diese Frau P. ist eine 64-jährige ehemalige Bankkauffrau und hat Typ-2-Diabetes. Als sie zu Ulrike Löw in die Therapie kam, lag ihr HbA1c-Wert bei 9,7 Prozent, sämtliche Schulungen hatten bislang nicht angeschlagen. Ihre Erkrankung belastete sie sehr stark, sie litt zusätzlich unter einer Depression.

 

Ein wichtiger Aspekt war Frau P.s negative Grundeinstellung: Sie hielt sich für „zu dumm“, um die Grundsätze ihrer Diabetestherapie zu verstehen. „Dabei sollte man meinen, dass sie als ehemalige Bankkauffrau den Dreisatz beherrschen müsste, oder?“, meinte die Therapeutin. In so einem Fall müsse man sich gut überlegen, ob eine reguläre Diabetesschulung überhaupt sinnvoll sei oder ob man sich zunächst in einer Psychotherapie der Depression zuwenden sollte.

 

„Allerdings können viele Symptome einer Depression wie Müdigkeit oder Antriebslosigkeit auch von einer schlechten Diabeteseinstellung herrühren. Man kann Diabetes und Depression also nicht isoliert betrachten“, gab Ulrike Löw zu bedenken. „Wer aufgrund seiner Depression nur ein geringes Selbstwirksamkeitsgefühl hat und glaubt, dass ihm ohnehin nichts gelingt, der wird sich nicht gut um seinen Diabetes kümmern – und der Diabetes wird ihn mit hohen Blutzuckerwerten in seinem Gefühl bestätigen.“

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Für Ulrike Löw ist es deshalb entscheidend, den Teufelskreis aus Depression und schlechtem Diabetesmanagement mit Hilfe einer Psychotherapie zu durchbrechen, die sich am Umgang mit dem Diabetes orientiert. Im Falle von Frau P. umfasste die Therapie zum einen eine Schulung, wie Insulin im Körper wirkt und den Blutzucker beeinflusst. „Zum anderen übten wir in Rollenspielen, wie sie besser mit ihrem Diabetologen kommunizieren kann.“ Dieser nämlich hatte aufgrund der schlechten Blutzuckereinstellung die Insulindosen im festen Spritzplan immer weiter hochgeschraubt, ohne zu wissen, dass seine Patientin längst nicht immer die vereinbarte Dosis spritzte. „Gemeinsam trainierten wir, wie sie ihrem Diabetologen erzählen könnte, dass sie wegen ihrer Angst vor Unterzuckerungen den Spritzplan nicht befolgt“, erzählte Ulrike Löw. „Dabei lernte sie auch, dass es kein Zeichen von Dummheit ist, wenn man beim Arzt Fragen stellt.“

 

Die Rentnerin stellte darüber hinaus fest, dass sie durch ihr Handeln durchaus Einfluss auf den Diabetes nehmen kann und sich damit wohler fühlt. Nach insgesamt 25 Sitzungen war der HbA1c-Wert von Frau P. auf 8,3 Prozent gesunken. Und auch die psychologischen Tests ergaben deutlich bessere Werte: Die Krankheitsbelastung durch den Diabetes ging ebenso zurück wie die Anzeichen der Depression.

 

Eine solch rasante Verbesserung ist allerdings nicht für jeden depressiven Diabetiker möglich, denn die Zahl der Psychotherapieplätze ist begrenzt. „Es gibt allerdings mittlerweile auch internetbasierte Therapiemöglichkeiten“, erklärte Ulrike Löw. „Ein Problem hierbei ist der in Deutschland sehr strenge Datenschutz, deshalb muss der Patient darüber aufgeklärt werden, dass er mit der Beratung via E-Mail den datensicheren Bereich verlässt.“ Studien hätten gezeigt, dass sich auch per E-Mail eine funktionierende psychotherapeutische Beziehung aufbauen lässt. Neuerdings setzen auch die Krankenkassen verstärkt auf Online-Angebote für Versicherte mit Depressionen. „Zumindest zur Überbrückung der Wartezeit auf einen regulären Psychotherapieplatz ist die Online-Therapie durchaus geeignet“, meinte die Psychotherapeutin.

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  • moira postete ein Update vor 6 Tagen, 3 Stunden

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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