Die Subtypen der Fettleber: Neue Erkenntnisse zu Ursachen und Therapie

3 Minuten

Die Subtypen der Fettleber: Neue Erkenntnisse zu Ursachen und Therapie | Foto: Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com
Die Subtypen der Fettleber: Neue Erkenntnisse zu Ursachen und Therapie

Weltweit steigt die Zahl der Menschen, die mit starkem Übergewicht (Adipositas) leben. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Menschen mit Fettleber-Erkrankungen zu. Neuere Forschungen zeigen, dass es unterschiedliche Ursachen sowie verschiedene Subtypen für eine Fettleber gibt – mit möglichen Konsequenzen für die Therapie.

Der Begriff Fettleber-Erkrankung mit der Unterteilung in die alkoholische und die nicht alkoholische Fettleber-Erkrankung ist vielen geläufig. Die nicht alkoholische Fettleber-Erkrankung wurde vor Kurzem umbenannt in „Metabolic Dysfunction-associated Steatotic Liver Disease“ (MASLD), übersetzt: metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Leber-Erkrankung. Die MASLD und der Typ-2-Diabetes stehen in wechselseitiger Beziehung, sie verstärken sich gegenseitig.

Wird der Fett-Überschuss in der Leber nicht abgebaut, kann sich daraus eine Leber-Entzündung entwickeln. Nach und nach entwickelt sich daraus eine Leber-Fibrose, bei der Bindegewebe das Lebergewebe ersetzt. Dadurch wiederum steigt das Risiko für eine Leber-Zirrhose, die Leber kann in diesem Stadium ihre Funktionen kaum noch wahrnehmen. Auch das Risiko für ein Leber-Karzinom steigt. Zudem erhöhen diese Erkrankungen der Leber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nieren-Erkrankungen und weitere bösartige Erkrankungen im Körper.

Drei Stoffwechsel-Subtypen gefunden

Ein Team internationaler Wissenschaftler hat vor Kurzem Belege gefunden, dass die Ursachen für das Entstehen einer MASLD unterschiedlich sein können. Dafür wurden 1.154 Personen untersucht, bei denen durch eine Gewebeprobe (Biopsie) eine MASLD nachgewiesen war. Gemessen wurden verschiedene Moleküle und Stoffwechsel-Produkte im Blut. Diese Ergebnisse haben die Forschenden mit einem speziellen Algorithmus analysiert.

Es konnten drei Stoffwechsel-Subtypen gefunden werden, bei denen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen variiert:

  • Stoffwechsel-Subtyp A (47 Prozent): MASLD, bei der eine genetische Komponente im Zusammenhang mit der Leber dominiert,
  • Stoffwechsel-Subtyp B (27 Prozent): MASLD, bei der eine Stoffwechsel-Komponente dominiert im Zusammenhang mit einer Neubildung von Fetten in der Leber,
  • Stoffwechsel-Subtyp C (26 Prozent): MASLD, bei der eine Stoffwechsel-Komponente dominiert im Zusammenhang mit einer Fehlfunktion des Fettgewebes.

Unterschiedliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

„Das Wissen zur Heterogenität in der Pathogenese von MASLD ist ein wichtiger Schritt in Richtung Präzisionsmedizin“, sagt Prof. Dr. Norbert Stefan aus Tübingen, Erstautor der Studie. Für die künftige Risiko-Vorhersage und Behandlung, insbesondere im Zusammenhang mit Ursachen im Herz-Kreislauf-System, im Stoffwechsel und Folgen der MASLD, können die Erkenntnisse von großem Nutzen sein, betont der Endokrinologe.

Bei Menschen mit Subtyp A sei das geschätzte 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen am geringsten. Auch Neu­tral­fette (Triglyzeride), Cholesterin und weitere Parameter des Fettstoffwechsels waren bei Subtyp A niedriger als bei den Subtypen B und C.

„Keine Unterschiede hingegen gab es bei der Insulinresistenz und dem HbA1c-Wert“, ergänzt Prof. Dr. Norbert Stefan, der zum Team der Stiftung Diabetes | Herz | Gefäße (DHG) gehört. Nicht jeder Patient habe also die gleiche Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es gebe unterschiedliche Risikofaktoren in den drei Patientengruppen.

Fakten zur Fettleber-Erkrankung

  1. Das Auftreten von Adipositas, Typ-2-Diabetes und Fettleber-Erkrankung hängen zusammen.
  2. Eine Fettleber-Erkrankung kann voranschreiten bis zu einer Leber-Zirrhose und Leber-Krebs.
  3. Neue Forschungen ermöglichen eventuell eine gezieltere Therapie, orientiert an der Ursache der Fettleber-Erkrankung.

Risiko besser vorhersagen

Inwiefern Patientinnen und Patienten mit einer MASLD auf neue Medikamente ansprechen, müsse noch weiter untersucht werden, so der Experte. Aktuell prüft man z.B. der Nutzen von GLP-1-Rezeptor-Agonisten (Glucagon-like-­Peptide-1-Rezeptor-Agonisten) und weiteren, ebenfalls ursprünglich zur Behandlung des Typ-2-Diabetes entwickelten Medikamenten, bei Leber-Entzündung und höhergradiger Leber-Fibrose. Andere Medikamente wie die Wirkstoffe Resmetirom und Lanifibranor sind ebenfalls effektiv zur Therapie der Leber-­Entzündung und der höhergradigen Leber-Fibrose.

Dies könnten Möglichkeiten sein, um das Voranschreiten von Leber-Erkrankungen aufzuhalten. „Die Charakterisierung von Patienten anhand der ihnen zugrundeliegenden Mechanismen bietet die Chance, dass Therapien erleichtert werden, die genau auf diese Mechanismen ausgerichtet sind.“

Adipositas allein steigert Risiko für Krebs

Eine aktuelle von der Universität Regensburg durchgeführte Studie zeigt, dass Adipositas das Risiko für bösartige Erkrankungen schon erhöht, bevor Störungen der Stoffwechsel- und Organfunktion wie Insulinresistenz oder Fettleber auftreten (präklinische Adipositas). Für die Auswertung wurden Daten von über 450 000 Erwachsenen aus der UK Biobank erfasst. Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von etwa 12 Jahren wurden 47 060 Krebsfälle registriert.

Die Forschenden stellten fest, dass schon die präklinische Adipositas mit einem signifikant erhöhten Krebs-Risiko verbunden ist. Lagen zusätzlich Störungen der Organfunktion vor, bestand ein noch höheres Krebs-Risiko. Die präklinische Adipositas war für schätzungsweise 5,5 Prozent, die klinische Adipositas für 4,3 Prozent der mit Adipositas assoziierten Krebsfälle verantwortlich.

Fazit

Das Wissen über die unterschiedlichen Ursachen der MASLD könnte eine bessere Risiko-Vorhersage und individualisierte Behandlung ermöglichen. Nicht zeitnah, aber künftig werden Forschende zudem in der Lage sein, Programme zur Lebensstil-Änderung und Medikamente für die jeweiligen Subtypen auf der Grundlage der verschiedenen Aspekte dieser Krankheit zu entwickeln.


von Katrin Hertrampf

Avatar von katrin-hertrampf

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 75 (1-2) Seite 40-41

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

DDG-Präsidentin Professor Julia Szendrödi: Umgang auf Augenhöhe mit Patientinnen und Patienten
Mit den Menschen arbeiten, für sie da sein und forschen: Das ist Prof. Dr. med. Julia Szendrödi wichtig. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen und Organisationen versucht die Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), vieles dafür auf den Weg zu bringen.
DDG-Präsidentin Professor Julia Szendrödi: Umgang auf Augenhöhe mit Patientinnen und Patienten | Foto: DDG / Dirk Deckbar

12 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Woche, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 3 von 5 )
    60%
    ( 1 von 5 )
    20%
    ( 1 von 5 )
    20%
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/