- Behandlung
Entscheidungen finden für die Therapie: Wie geht das?
4 Minuten
Wer gut mit seinem Diabetes zurechtkommen möchte, benötigt bekanntermaßen viele Informationen zu den Themen Essen und Getränke, Bewegung und viel weiteres Wissen zum Diabetes, was in Schulung und Beratung vermittelt wird.
Diabetes und Ernährung gehören untrennbar zusammen. Empfiehlt sich bei Diagnose eines Diabetes oder im Verlauf der Erkrankung ein Umstellen der Ernährung, sollte diese bestenfalls an den vorherigen Lebensstil angepasst bzw. sollte dieser berücksichtigt werden. Hier spielt auch die Auswahl der Medikamente und deren Wirkcharakteristik eine Rolle, z. B. ob ein Medikament eine Unterzuckerung verursachen kann oder nicht. Die medikamentöse Therapie und die Auswahl der Nahrungsmittel sollten hierfür aufeinander abgestimmt werden.
Eine individuelle Beratung ist erforderlich, um auszuloten, welche Lebensmittel in welcher Menge für den jeweiligen Menschen geeignet sind, ohne dass er oder sie sich “verbiegen” muss im Vergleich zum vorherigen Essverhalten. So gibt es keine definierte vorgefertigte Ernährungstherapie, sondern die Auswahl der Lebensmittel wird immer “maßgeschneidert” in Qualität und Menge. Das Thema Essen und Trinken ist ein überaus privates Thema, das mit vielen Empfindungen verbunden ist. Nur im Gespräch lässt sich gemeinsam herausfinden, was gewünscht und geeignet ist und was nicht.

Bewegung ist individuell
Nicht viel anders sieht es bei der Bewegung aus: Auch hierbei bilden die bisherigen Aktivitäten eine Basis dafür, was für Möglichkeiten der Bewegung bestehen. Mit zunehmendem Alter sind Einschränkungen der Bewegung keine Seltenheit und grenzen die Möglichkeiten ein, die Therapie zu unterstützen. Gut ist dann die Suche nach einer alters- und körpergerechten Bewegungsart. Dies kann auch ein täglicher halbstündiger Spaziergang sein.
Wichtig dabei ist die partizipative Entscheidungsfindung, um herauszufinden, was zu dem jeweiligen Menschen mit Diabetes passt. Die partizipative Entscheidungsfindung wird auch in der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) für den Typ-2-Diabetes genannt. Was ist das genau und welche Auswirkungen hat es auf die Vorgehensweise und mögliche Erfolge für die Therapie?
Gemeinsam Entscheidungen treffen
Die partizipative Entscheidungsfindung (PEF; englisch auch Shared Decision Making, SDM) hat sich in den letzten Jahrzehnten etabliert. Sie ist die anzustrebende Form des Umgangs zwischen Ärztinnen und Ärzten, Diabetesberaterinnen und -beratern sowie Patientinnen und Patienten. Das Konzept beruht in erster Linie auf den Prinzipien der Autonomie und Fürsorge. Dass dieses Prinzip sinnvoll ist, belegen Studien.
Die partizipative Entscheidungsfindung beinhaltet auch, individuelle Zielvereinbarungen zu treffen. Diese berücksichtigen individuelle Bedürfnisse. Das wiederum erhöht die Zufriedenheit mit der Behandlung, sodass man gemeinsam überlegte Therapien gern und zuverlässig umsetzt und Vertrauen zum Behandlungsteam hat. Das Ziel sollte sein, die Diabetestherapie mit dem Alltag zu vereinbaren sowie die Belastung durch die Therapie so gering wie möglich zu halten.
Gelungene Kommunikation führt zu Win-win-Situation
Eine individuelle Zielvereinbarung beansprucht zwar durch das Gespräch mehr Zeit als eine einfach durch Ärztin oder Arzt festgelegte Therapie, aber sie erhöht den Erfolg der Therapie. Behandelnde und Behandelte profitieren also davon – es entsteht eine Win-win-Situation durch die partizipative Entscheidungsfindung. Eine gelungene Kommunikation hat zudem den Vorteil, dass Menschen mit Diabetes medizinische Informationen leichter verstehen können und keine Scheu haben, nachzufragen. Auf der Grundlage einer Bevölkerungs-basierten deutschen Untersuchung (KORA-Studie) konnte auch gezeigt werden, dass eine positive Beziehung zwischen Menschen mit Diabetes und Ärztin bzw. Arzt sowie Diabetesteam auch mit einer besseren psychischen Lebensqualität einhergeht.
Wann eine Kommunikation gelungen ist, hängt von vielen Faktoren ab. Klar ist aber, dass für ein gutes Gespräch wichtig ist, im Rahmen der Diabetestherapie die Bedürfnisse, die Wahrnehmungen und Erwartungen der beteiligten Person zu erfassen.
Partizipative Entscheidungsfindung gute Hilfe in der Diabetesbehandlung
Die partizipative Entscheidungsfindung ist ein kontinuierlicher Prozess, in den neben den Patientinnen und Patienten unterschiedliche Berufsgruppen und, wann immer möglich und gewünscht, An- und Zugehörige einbezogen werden sollten. Zentral für das Gelingen ist, in Gesprächen kognitive Fähigkeiten, Sprachkenntnisse und Wissen zu erfassen, um geeignete Hilfestellungen und verständliche Informationen bzw. Entscheidungshilfen anzubieten und auch sicherzustellen. Nur so kann eine Information verstanden werden und für den Alltag nützlich sein.

Kurz gefasst, lauten die oben dargestellten sieben Schritte aus der Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG):
- Schritt 1: Assessment, also Anamnese und Befragung zur Krankheitsgeschichte
- Schritt 2: Berücksichtigung spezifischer Faktoren, die die Therapiewahl beeinflussen
- Schritt 3: gemeinsame Entscheidungsfindung zum Erstellen eines Therapieplans
- Schritt 4: gemeinsame Einigung auf einen Therapieplan nach den SMART-Kriterien
- Schritt 5: Umsetzen des Therapieplans mit Gesprächen einmal pro Quartal
- Schritt 6: Monitoring und Unterstützung
- Schritt 7: Überprüfen des Therapieplans und Zustimmen
Schulungsprogramme für Menschen mit Typ-2-Diabetes bilden eine wichtige Grundlage, wohlüberlegte Entscheidungen in Bezug auf ihre Erkrankung treffen zu können. Hier wird neben dem Wissen zum Krankheitsbild auch der Einfluss der Lebensmittel und der Bewegung und die Hilfe zum Selbstmanagement vermittelt.
Weniger wissenschaftlich formuliert kann die Vorgehensweise bei der partizipativen Entscheidungsfindung unter folgenden Aspekten betrachtet werden:
- A: “Lassen Sie uns gemeinsam eine Entscheidung treffen, die am besten zu Ihnen passt.” Eine partnerschaftliche Ebene steht im Vordergrund.
- B: “Lassen Sie uns die verschiedenen Möglichkeiten vergleichen.” Vor- und Nachteile sollten abgewogen werden.
- C: “Mit welchen Entscheidungen kommen Sie Ihren persönlichen Zielen am nächsten?” Eine Entscheidung wird herbeigeführt und begleitet.
Akzeptierende und wertschätzende Gespräche
Im Gespräch eine akzeptierende und wertschätzende Haltung erfahren zu haben, ist ein Beleg für eine gemeinsame Entscheidungsfindung. “Wurde mein Anliegen im Gespräch gehört und sind meine Wünsche und Bedenken berücksichtigt worden?”, wäre eine weitere Frage. Und: “Konnte ich im Gespräch eigenverantwortliches Handeln aufbauen oder konnte dieses gestärkt werden? Konnte ich zukünftiges Verhalten vorstellbar in den Alltag integrieren?” Solche Fragen helfen, zu erkennen, ob man gemeinsam auf dem richtigen Weg ist.
Um Menschen mit Typ-2-Diabetes bei relevanten Entscheidungen und im Selbstmanagement zu unterstützen, wurden als Bestandteil der NVL Typ-2-Diabetes Gesundheitsinformationen und Entscheidungshilfen entwickelt. Sie sind im Internet zu finden unter www.patienten-information.de.
Optimale Entscheidungsfindungen bringen Vorteile
Folgende Vorteile haben Menschen mit Diabetes durch eine optimale Entscheidungsfindung:
- Eine abgestimmte Vorgehensweise bedeutet, therapeutische Ziele mit einem Einverständnis im Einklang erarbeitet zu haben.
- Ernst zu nehmende Bedenken können geäußert werden.
- Die Mitentscheidung zur Vorgehensweise vermittelt den Patientinnen und Patienten ein gewisses Maß an Verantwortung.
- Die Selbstverantwortung wird unter anderem dadurch gestärkt, weil die eigenen Bedürfnisse berücksichtigt wurden.
- Gemeinsam getroffene Entscheidungen zu Essen, Trinken, Bewegung und Medikamenten ermöglichen mehr Erfolge in der Therapie und auch eine hohe Zufriedenheit.
Die Förderung des Selbstmanagements bringt die Therapie erst richtig in Schwung.
Schwerpunkt: „Therapie-Entscheidungen – gemeinsam klug entscheiden“
- Therapie des Diabetes: Gemeinsam entscheiden
- Entscheidungen finden für die Therapie: Wie geht das?
- Medikamentöse Typ-2-Diabetes-Therapie: Gut gefüllter Werkzeugkasten
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (12) Seite 24-27
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 1 Woche
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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laratyp1life antwortete vor 6 Tagen, 13 Stunden
Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
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lelolali antwortete vor 6 Tagen, 13 Stunden
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂
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jasminj postete ein Update vor 1 Woche
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 1 Woche
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 1 Woche
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 1 Woche
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 1 Woche
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 6 Tagen, 17 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 6 Tagen, 2 Stunden
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jasminj antwortete vor 6 Tagen, 1 Stunde
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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