Forscher entdecken neue Wirkstoffklasse

2 Minuten

© Manuel Schäfer - Fotolia
Forscher entdecken neue Wirkstoffklasse

Ein US-amerikanisches Wissenschaftlerteam berichten in einer Forschungsarbeit über eine neue Substanz, die sich für die Behandlung des Typ-2-Diabetes eignen könnte. Sie unterbindet die Bildung von Zucker in der Leber, verbessert den Stoffwechsel und die Insulinwirkung – bisher allerdings nur im Tiermodell.

Ist die sogenannte Basistherapie bei Typ-2-Diabetes nicht erfolgreich, kommen verschiedene Diabetesmedikamente zum Einsatz. Sie sollen eine Gewichtsabnahme und eine Blutzuckersenkung erreichen. Für bessere Ergebnisse und mehr Möglichkeiten, die Therapie auf den einzelnen Patienten anzupassen, suchen Forscher weltweit nach neuen Behandlungsstrategien. Eine Gruppe aus den USA könnte nun ein neues Werkzeug gefunden haben.

350.000 verschiedene Substanzen wurden insgesamt getestet

Dafür konzentrierten sie sich auf das Molekül PGC-1a: Es steuert die Bildung von Zucker (Glukose) in der Leber und beeinflusst den Energiehaushalt. Diese Eigenschaften machen es zu einer sehr geeigneten Zielstruktur für Diabetesmedikamente. Allerdings galt PGC-1a, den Autoren zufolge, bisher als non-druggable, also nicht durch Medikamente beeinflussbar.

Um dieser Annahme auf den Grund zu gehen, entwarfen sie ein groß angelegtes Suchverfahren nach möglichen Wirkstoffen, ein sogenanntes Hochdurchsatz-Screening. Damit testeten sie rund 350.000 verschiedene Substanzen hinsichtlich ihres Einflusses auf PGC-1a. Dabei kristallisierten sich weit über 700 Kandidaten heraus. In weiteren Versuchen testeten die Wissenschaftler diese umfangreich auf gute Wirksamkeit und Verträglichkeit, sodass sich die Liste auf neun mögliche Verbindungen reduzierte.

Im Tiermodell verbesserten sich Nüchternblutzucker und Insulinsensitivität

Den vielversprechendsten Kandidaten (eine Substanz mit dem Namen SR-18292) testeten die Forscher dann zunächst an menschlichen Leberzellen und in der Folge auch an Mäusen mit Typ-2-Diabetes. Dabei beobachteten sie, dass die Gabe des Wirkstoffs die Aktivität von PGC-1a bremste. In der Folge verbesserten sich bei den Tieren der Nüchternblutzucker sowie die Insulinsensitivität.

Letzteres bezeichnet die Empfindlichkeit des Körpers gegenüber Insulin, also wie gut das Hormon den Blutzucker kontrollieren kann. Entsprechend verbesserte sich bei den Versuchstieren auch der Zuckerstoffwechsel durch die Testsubstanz. Wie von den Forschern vermutet, gingen die Effekte auf eine geringere Zuckerproduktion in der Leber zurück.

Die Publikation im renommierten Fachjournal Cell spricht dafür, dass die Fachwelt die neue Wirkstoffklasse für relevant hält. Nach eigenen Angaben wissen die Forscher bisher allerdings noch nicht konkret, durch welchen Mechanismus die Testsubstanz genau auf PGC-1a wirkt. Zudem müssten künftige Studien noch beweisen, dass auch menschliche Diabetespatienten gefahrlos davon profitieren können. Entsprechend viel Arbeit und Zeit müsste noch investiert werden.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Sonderfolge zum Thomas-Fuchsberger-Preis 2026: Im Gespräch mit Alexander „Sandy“ Kikelj
Für sein Engagement rund um DIY-Closed-Loop-Systeme wurde Alexander „Sandy“ Kikelj mit dem diesjährigen Thomas-Fuchsberger-Preis ausgezeichnet. Im Diabetes-Anker-Podcast erzählt der Betreiber des YouTube-Kanals „Sandy’s Diabetes Loop“, wie er die Technik für Laien verständlich macht und was ihn dazu motiviert hat.
Diabetes-Anker-Podcast | Sonderfolge zum Thomas-Fuchsberger-Preis 2026: Im Gespräch mit Alexander „Sandy“ Kikelj | Foto: Dirk Deckbar / diabetesDE / MedTriX

2 Minuten

Versorgung mit DMP auf dem Prüfstand: 628 Seiten und der entscheidende Vergleich fehlt
KI-generiertes Bild einer Person, die mit einer Lupe einen umfangreichen Bericht mit Diagrammen prüft. Auf dem Laptop sind weitere Grafiken zu sehen; in einem Notizbuch steht: „Vergleichsgruppe nicht vorhanden?“.

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Ich kündige das Abo mit Ihnen zum nächstmöglichen Zetpunkt. Danke . Bitte bestätigen. Klaus Eisenschmidt, Bloherfelder str. 212D, 26129 Oldenburg

  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …