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Gefäßmediziner: „Zahl der Amputationen skandalös“
3 Minuten
Zahlreiche moderne Therapien stehen heute Patienten mit Durchblutungsstörungen zur Verfügung. Doch immer noch kommen diese neuen Verfahren zu wenig zur Anwendung. „Unnötige Amputationen – vor allem bei Diabetikern – sind die Folge“, kritisierte Kongresspräsident Prof. Dr. med. Dierk Scheinert auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) in Leipzig. Er fordert: „Durchblutungsstörungen müssen in Deutschland besser behandelt werden.“ Betroffene Patienten sollten sich umfassend in darauf spezialisierten Kliniken beraten und behandeln lassen.
Durchblutungsstörungen treten im Rahmen vieler Erkrankungen auf. Vor allem bei Diabetes können sie gefährliche Konsequenzen haben. Prof. Scheinert: „Zu hohe Zuckerwerte im Blut schaden den Blutgefäßen. Sie verengen sich und das Blut kann nicht mehr richtig fließen. Vor allem die Füße werden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.“ Wird nicht rechtzeitig etwas dagegen unternommen, stirbt der Fuß langsam ab. Eine Amputation wäre der letzte Ausweg.
Bei Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) – umgangssprachlich „Schaufensterkrankheit“ genannt – können Durchblutungsstörungen sogar lebensbedrohlich werden: Oft kommt es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Eine Amputation der Beine ist ebenfalls keine Seltenheit.
„Angesichts der vielen modernen Therapien, die es heute für Patienten mit Durchblutungsstörungen gibt, ist die hohe Zahl der Amputationen ein Skandal“, betont Prof. Scheinert. Es sei wichtig, zeitnah die Gefäße wieder zu öffnen und die Minderdurchblutung zu beseitigen. Dafür stehen moderne Stents und auch Bypässe zur Verfügung. Ein Stent ist ein Metallgeflecht, das minimal-invasiv im Gefäß platziert werden kann. Ein Bypass wiederum ist eine Art „Umgehungsstraße“ für das verstopfte Gefäß im Körper.
Maden und Fischhaut unterstützen die Wundheilung
Betroffene Patienten sollten sich zeitnah in darauf spezialisierten Kliniken beraten lassen. So könne eine Amputation in den meisten Fällen verhindert werden, ist Prof. Scheinert überzeugt. Weitere Sitzungen auf der DGA-Jahrestagung zur Wundbehandlung und zur besonderen Gefährdung von Menschen mit Diabetes mellitus rundeten dieses Thema ab. „Wundbehandlung mal ganz anders“ – war der Titel einer Session, die sich mit Maden, Fischhaut, Cold-Plasma, Ultraschall und Eigenfett-Transplantation in der Wundtherapie beschäftigte.
Ein wichtiges Thema bei der DGA-Tagung sei auch der „der hochbetagte Gefäßpatient“ gewesen, so Dr. Katja Mühlberg, Oberärztin in der Klinik für Angiologie des Universitätsklinikums Leipzig und Mitglied des Tagungspräsidiums: „Es wurden Möglichkeiten, aber auch Grenzen der medikamentösen und interventionellen Therapieoptionen unter Beachtung der Frailty unserer Patienten sowie unter besonderer Beachtung der psychischen Besonderheiten unserer älteren Patienten beleuchtet.“
Anliegen dieser Tagung ist nach Angaben von Dr. Katja Mühlberg auch gewesen, die zum Teil stiefmütterlich behandelte Lymphologie in den Fokus zu rücken: „Es konnte gezeigt werden, wie wesentlich eine lymphologische Therapie für den Erfolg einer arteriellen Rekanalisation, für den langfristigen Behandlungserfolg eines neuropathischen Fußes, für ein suffizientes Abheilen chronischer Wunden oder für eine effektive Mikrozirkulation ist.“
Gerade die komplexe physikalische Entstauungstherapie spielt für die Betroffenen eine herausragende Rolle. Sitzungen und Workshops behandelten dieses Thema. Voraussetzung zur richtigen Therapie ist die Klassifikation und genaue Einteilung der Beinschwellung mit der Differenzierung Lymphödem-Lipödem.
Experten halten Liposuktion nicht in allen Fällen für sinnvoll
Die Teilnehmer der DGA-Tagung diskutierten kontrovers über die Bestrebungen des Bundesgesundheitsministers Spahn, die Liposuktion allen Lipödem-Patientinnen als gesetzliche Kassenleistung anbieten zu können.
Dr. Katja Mühlberg: „Problematisch bei dieser Erkrankung – und Auslöser der Diskussionen – ist jedoch die Tatsache, dass 75 bis 80 Prozent der Betroffenen eine zusätzliche, manchmal aber auch alleinige Adipositas haben, die nicht mit Liposuktion behandelt werden sollte, sondern eines Wandels des Lebensstils bedarf.“
Die Diagnose Lipödem werde zu oft „missbraucht“, um ungeliebte Fettpolster per Schönheitschirurg loszuwerden. Diese Herangehensweise schade dabei aber den tatsächlich betroffenen Frauen mit ausgeprägtem Lipödem, für die eine Liposuktion die einzige Lösung ihrer Beschwerden verspricht.
Erneut war auch die Diagnostik und Therapie der venösen Thromboembolie ein Schwerpunkt der Tagung. Neue Empfehlungen zur Lungenarterienembolie wurden ebenso heiß diskutiert wie die venöse Katheterbehandlung nach stattgehabter akuter und chronischer tiefer Beinvenenthrombose.
„Alte Zöpfe abschneiden“ – Patienten unter bestimmten Voraussetzungen ambulant behandeln, ist auch der Verweis auf den Weltthrombosetag, der vom Aktionsbündnis Thrombose organisiert wird und erneut am 11. Oktober unter Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Berlin stattfand.
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA)
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 18 Stunden, 10 Minuten
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!