Gefäßsport: Effektiv bei pAVK, aber viel zu selten angewendet

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Gefäßsport: Effektiv bei pAVK, aber viel zu selten angewendet

Gehen ist eine der effektivsten Therapien bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), auch wenn es anstrengend ist und womöglich schmerzhaft. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) hin. Bislang werde Gefäßsport aber noch zu selten angewendet.

Die PAVK gilt als Volkskrankheit und zählt zu den häufigsten Erkrankungen der arteriellen Blutgefäße. Schätzungen zufolge leidet in Deutschland rund jede vierte Person über 65 Jahren an den arteriosklerotischen Veränderungen. Diese können je nach Erkrankungsstadium zur Verengung oder gar zum Verschluss von Blutgefäßen führen.

Weil hiervon meist die Blutgefäße der Beine betroffen sind, können die Patientinnen und Patienten oft nur kurze Strecken zu Fuß zurücklegen, ohne dass die mit Blut unterversorgten Muskeln zu schmerzen beginnen und eine Pause erzwingen. Diese häufigen Pausen haben der PAVK im Volksmund den Namen Schaufensterkrankheit eingetragen. Weil das Rauchen neben Diabetes, Bluthochdruck und ungünstigen Blutfettwerten zu den Hauptrisikofaktoren für die arteriosklerotischen Veränderungen zählt und in späteren Krankheitsstadien zu Wundheilungsstörungen führt, ist die schwere Form der PAVK auch als „Raucherbein“ bekannt.

Gefäßsport für bessere Lebensqualität

Strukturierter Gefäßsport kann dazu beitragen, dass die Strecke, die die Patientinnen und Patienten schmerzfrei zurücklegen können, sich wieder verlängert, und dass ihre Lebensqualität zunimmt. „In einer Vielzahl von Studien hat sich gezeigt, dass dieser Effekt sogar größer sein kann als der einer invasiven Revaskularisierung, bei der die Blutversorgung in den Beinen durch eine Operation oder durch die minimal invasive Aufdehnung des verengten Gefäßes wiederhergestellt wird“, sagt Dr. Dmitriy Dovzhanskiy, Gefäßchirurg am Universitätsklinikum Heidelberg und einer der Autoren der DGG-Umfrage.

Gehtraining als wichtigste Säule der Gefäßtherapie

„Das Gehtraining gilt daher als eine der wichtigsten Säulen der PAVK-Therapie“, betont der Heidelberger DGG-Experte. Dennoch nimmt die große Mehrheit der Patientinnen und Patienten nicht an den entsprechenden Bewegungsangeboten teil. Von 235 stationär aufgenommenen PAVK-Betroffenen gaben im Rahmen der Umfrage nur 11,4 Prozent an, jemals zum Gefäßsport oder zum Gehtraining gegangen zu sein.[1] „Eine verpasste Therapie-Chance“, bedauert Dr. Dovzhanskiy.

Betroffene fühlen sich nicht gut genug informiert

Obwohl fast zwei Drittel der Befragten wussten, dass angeleiteter Gefäßsport die schmerzfreie Gehstrecke verbessern kann, fühlten sie sich mehrheitlich nicht gut genug informiert. So erklärten nur 35,6 Prozent, in der Klinik ausreichend über die Notwendigkeit oder die Vorteile eines Gehtrainings aufgeklärt worden zu sein. In der hausärztlichen Praxis war dies sogar nur bei 25,8 Prozent erfolgt. „Besonders groß war das Informationsdefizit im Hinblick auf Trainingsangebote in Wohnortnähe“, berichtet Dovzhanskiy. Über Zugang zu derlei Informationen verfügten der Umfrage zufolge nur 24,5 Prozent der Befragten.

Einen möglichen Grund hierfür legte eine zweite, parallel durchgeführte Umfrage nahe, in der sich die DGG-Experten an die Mitglieder ihrer eigenen Fachgesellschaft sowie der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) wandten, um die Thematik aus ärztlicher Sicht einschätzen zu lassen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in derselben Ausgabe der Fachzeitschrift VASA publiziert wie die der Patientenbefragung.[2]

Behandler haben oft keinen Überblick über lokale Versorgungssituation

„Hier zeigte sich, dass auch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte oft keinen Überblick über die lokale Versorgungssituation haben“, sagt Privatdozent Dr. med. Christian-Alexander Behrendt, Chefarzt für Gefäßchirurgie an der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. „Nur ein gutes Drittel der Befragten kann ein strukturiertes Gehtrainingsangebot vor Ort sowie eine Ansprechperson nennen“, ergänzt Studienleiter Behrendt. 56 Prozent konnten auch keine nützlichen Informationen vermitteln, wie die Betroffenen ein solches Training ausfindig machen können. Und 58 Prozent waren sich nicht im Klaren darüber, wie man den Gefäßsport so verschreibt, dass die Kosten von den Krankenkassen erstattet werden.

Gehtraining – kommt die Botschaft nicht an?

Gleichwohl gaben 90 Prozent der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte an, ihren Patientinnen und Patienten ein solches Training zu empfehlen. „Diese Botschaft kommt aber offenbar nicht an“, konstatiert DGG-Experte Behrendt, der auch Medizinisch-Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Gefäßmedizinische Gesundheitsforschung (DIGG gGmbH) ist. „Wir verpassen eine große Chance in der Arzt-Patienten-Kommunikation“, fügt er hinzu. Als Grund für ein mögliches Kommunikationsdefizit sei in der Studie unter anderem der Zeitmangel im klinischen Alltag genannt worden.

Doch nicht nur bei der Information, auch beim Angebot selbst hapert es. Laut Leitlinie soll zwar allen Betroffenen einer PAVK, die noch mobil genug sind, ein angeleitetes Gefäßtraining angeboten werden. „Ein flächendeckendes Angebot solcher Trainingsgruppen ist in Deutschland jedoch nicht verfügbar“, schreibt die DGG-Kommission PAVK und Diabetischer Fuß, der auch Behrendt und Dovzhanskiy angehören, in einem Beitrag in der Fachzeitschrift Gefäßchirurgie.(3) Die DGG appelliert daher dringend an ihre Mitglieder, an der Etablierung solcher Sportgruppen mitzuwirken.

Ansprechpartner für Sportgruppen

Ansprechpartner hierfür seien unter anderem der Deutsche Behindertensportverband DBS, der bundesweit bereits eine Vielzahl von Rehabilitationssportgruppen anbietet. Ebenso die Deutsche Gefäßliga. Auch die Interessenvertretung Patienten und Versicherte im Bundesverband für Gesundheit und Soziales, die über 11.000 Betroffene vertritt, kann bei der Einrichtung von Gefäßsportgruppen unterstützen.

Über diese wichtigen Netzwerke sei es auch möglich, sich über bereits bestehende regionale Reha-Sportangebote zu informieren. Dies gelte sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Ärztinnen und Ärzte. Um die Orientierung weiter zu erleichtern, plant die DGG nun außerdem ein Register, in dem Gefäßsport und weitere präventive Angebote etwa zur Rauchentwöhnung systematisch erfasst werden sollen – damit eine wichtige Therapie endlich ihren Weg zum Patienten und zur Patientin findet.


Quellen:


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG)

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  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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