Gesundheitsbewusstsein seit 2008 kaum verändert

3 Minuten

© © pathdoc - Fotolia
Gesundheitsbewusstsein seit 2008 kaum verändert

Bei einer repräsentativen Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zeigte sich, dass sich in der letzten Dekade das Gesundheitsbewusstsein der Bürger im Bundesschnitt kaum verändert hat, es aber regional sehr unterschiedlich ausfällt.

„Seit 2008 hat sich das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen in der bundesweiten Betrachtung kaum verändert. Aber es gibt große regionale Unterschiede und Veränderungen: In Hamburg und Schleswig-Holstein trinken doppelt so viele Menschen täglich Alkohol wie in Thüringen. In Nordrhein-Westfalen wird am häufigsten und in Hessen am wenigsten geraucht. Die Brandenburger bewegen sich weniger, die Norddeutschen sind am sportlichsten“, sagte heute Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Damit fasst er die Ergebnisse einer repräsentative Meinungsumfrage im Auftrag der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zusammen. Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft hat dafür telefonisch 3.415 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt. Die Ergebnisse wurden mit einer weitgehend identischen Umfrage aus dem Jahr 2008 verglichen.

Präventionskurse werden nur von sehr wenigen wahrgenommen

Die wichtigsten Aspekte der Prävention sind für die Bundesbürger weitgehend unverändert geblieben: 87 Prozent aller Befragten gaben an, sich regelmäßig zu bewegen (Mehrfachnennungen möglich), 84 Prozent setzen auf gesunde Ernährung. Fast ebenso viele nennen ‚wenig Alkohol‘ (81 Prozent), Stressreduktion (74 Prozent) und Nichtrauchen (65 Prozent). Abgeschlagen ist der Besuch von Präventionskursen (17 Prozent). Deutlich zeigen sich aber regionale Unterschiede und Veränderungen:

  • Rauchen: Nach wie vor raucht jeder vierte Bundesbürger (28 Prozent). Am meisten gequalmt wird in Nordrhein-Westfalen (33 Prozent). In Hessen waren die Anti-Raucher-Kampagnen am erfolgreichsten: Hier reduzierte sich der Anteil der Raucher von 31 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 22 Prozent. Gegenläufig ist hingegen der Trend in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Hier rauchen heute mehr Menschen als früher (2008: 22 Prozent, 2017: 33 Prozent)
  • Alkohol: Bundesweit gaben 10 Prozentder Befragten an, täglich oder fast täglich Alkohol zu trinken. In Schleswig-Holstein und Hamburg schauen 18 Prozent so tief ins Glas. In Thüringen sind es hingegen nur 8 Prozent.
  • Bewegung: Ein Viertel der Bundesbürger (26 Prozent) gibt an, täglich oder fast täglich mindestens eine halbe Stunde Sport zu treiben. Am meisten Bewegung haben die Hamburger und Schleswig-Holsteiner (31 Prozent). In Brandenburg sind es dagegen nur 19 Prozent.

„Wir verzeichnen keine dynamischen Verbesserungen“

„Insgesamt haben wir ein großes Gesundheitsbewusstsein in Deutschland. Aber wir verzeichnen keine dynamischen Verbesserungen“, kommentierte ABDA-Präsident Schmidt die Ergebnisse. „Ich glaube, wir könnten das ändern, wenn wir das Potenzial der Apotheken in der Vorsorge stärker nutzen würden. Sie sind flächendeckend vor Ort und haben jedes Jahr über eine Milliarde niedrigschwellige Patientenkontakte. Damit lässt sich gute Aufklärungsarbeit leisten.“

Die Umfrageergebnisse unterstreichen das. Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich danach mehr Präventionsangebote von Apothekern. Besonders gefragt sind dabei Angebote zu Ernährung, Bewegung und zum richtigen Umgang mit Medikamenten. Drei von vier Befragten (74Prozent), die sich mehr Vorsorgeangebote von Apotheken wünschen, sind auch bereit, dafür zu bezahlen. So gut wie alle (94 Prozent) wünschen sich aber eine Finanzierung der Vorsorgeangebote durch die Krankenkassen.

Wie die Präventionsleistungen der Apotheken verbessert werden könnten

„Wir können mehr tun, wenn die Rahmenbedingungen für Präventionsleistungen der Apotheken besser werden. Erstens brauchen wir eine saubere Rechtsgrundlage für Dienstleistungsverträge zwischen Apotheken und Krankenkassen im SGB V. Zweitens gehören Apotheken als Leistungserbringer in den ‚Leitfaden Prävention‘ der Krankenkassen. Und drittens muss die Vergütung von Präventionsleistungen geregelt werden“, so Schmidt weiter.

„Die übergeordnete Raison muss natürlich bleiben, die Apotheken in der Fläche zu halten. Das wird nur gelingen, wenn die Politik die Folgen des EuGH-Urteils vom letzten Herbst konsequent bearbeitet und destruktiven Wettbewerbsformen Einhalt gebietet.“

Schmidt schätzt das Vorsorgepotenzial der Apotheken auch deshalb hoch ein, weil die Umfrage hohe Vertrauens- und Zustimmungswerte in der Bevölkerung zeige: “Die Zufriedenheit mit dem Apothekensystem ist deutlich gestiegen. Im Jahr 2008 bewerteten 59 Prozentder Bundesbürger das Apothekensystem mit ‚gut‘ oder ‚sehr gut‘. Mittlerweile liegt dieser Wert bei 73 Prozent.“ Besonders ausgeprägt sei der Imagegewinn bei Menschen bis 29 Jahren. Hier steigerte sich die Zustimmung von 55 Prozentauf 79 Prozent.


Quelle: Pressemitteilung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes trauen sich aus Angst vor Vorurteilen nicht, sich öffentlich zu zeigen – nicht so Annika Ziercke.
Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

13 Minuten

Weltweit erster dualer Glukose-Keton-Sensor: „Libre Duo“-Systeme von Abbott erhalten CE-Kennzeichnung
Abbott hat die CE-Kennzeichnung für die weltweit erste duale Glukose-Keton-Sensor-Technologie erhalten. Die „Libre Duo“-Systeme messen kontinuierlich die Glukose- und Keton-Werte in einem Sensor – zur Früherkennung einer diabetischen Ketoazidose, die potentiell lebensbedrohlich ist.
Weltweit erster dualer Glukose-Keton-Sensor: „Libre Duo“-Systeme von Abbott erhalten CE-Kennzeichnung | Foto: Abbott

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 5 Tagen, 17 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände