- Behandlung
Insulin-Serie: Bolus-Varianten für die Insulinpumpe
3 Minuten

In der Insulin-Serie hat Ihnen Prof. Dr. Thomas Haak schon einiges über die Insulin-Arten und deren Verwendung erklärt. Bei einer Therapie mit Insulinpumpe wird prinzipiell ein schnell wirksames Insulin verwendet. Die Pumpe pumpt kontinuierlich kleine Mengen Insulin und stellt somit die Grundversorgung sicher. Für die Abdeckung von Kohlenhydraten oder zur Blutzuckerkorrektur gibt man einen Bolus ab. Dieser Bolus kann in verschiedenen Varianten programmiert werden.
Normaler Bolus
Der normale Bolus wird auch Standardbolus genannt und dient dazu, Kohlenhydrate in der Nahrung abzudecken, wenn der Rest der Mahlzeit nicht zu viel Eiweiß und Fett enthält. Außerdem benutzt man diesen Bolus zur Blutzuckerkorrektur. Typische Beispiele für ein Essen mit geringem Fett- und Eiweißanteil sind Nudeln, Kartoffeln, Obst, Weißbrot und Milchprodukte.
Ein Beispiel aus dem Leben
Roland K. hat vor zwei Monatenvon einer intensivierten Insulintherapie auf eine Insulinpumpentherapie gewechselt. Beruflich war er in der Zeit stark eingebunden und hat seine Diabetesberaterin gedrängt, die Einstellung möglichst schnell vorzunehmen; so sind ihm wohl einige wichtige Schulungsinhalte nicht richtig klar geworden.
Dies rächt sich bei einem Abendessen beim Italiener, zu dem ihn seine Freundin eingeladen hatte. Mit Heißhunger bestellte er sich eine Pizza und trank dazu ein großes Bier. Eine Dreiviertelstunde nach der Mahlzeit begann er plötzlich zu schwitzen und machte einen geistesabwesenden Eindruck. Den Blutzucker wollte er nicht messen, aber seine Freundin zwang ihn dazu. Er lag bei 43 mg/dl (2,4 mmol/l). Nachdem er ein großes Glas Coca-Cola getrunken hatte, ging es ihm wieder besser.
Er besprach das Problem am nächsten Tag mit seiner Diabetesberaterin. Diese erklärte, dass er die Pizza mit 10 Kohlenhydrateinheiten (KE) offenbar richtig berechnet und die korrekte Menge Insulin abgegeben hatte –jedoch besteht eine Pizza nicht nur aus Kohlenhydraten, sondern auch aus einer gehörigen Portion Fett und Eiweiß. Das Fett verzögerte die Kohlenhydrataufnahme ins Blut, während das Insulin sofort wirkte. Verstärkt wurde das Ganze noch durch das Bier, denn Alkohol hemmt die Zuckerneubildung in der Leber. Was hätte Roland K. besser machen können?
Verlängerter Bolus
Der verlängerte Bolus, auch verzögerter Bolus genannt, dient dazu, dass die Insulinmenge nicht in Form eines sofortigen Bolus, sondern verzögert über einen festzulegenden Zeitraum abgegeben wird. Diesen Zeitraum kann man bei den meisten Pumpen frei wählen, bei einigen Pumpen sogar bis zu 12 Stunden.
Einen verzögerten Bolus gibt man ab, wenn die Mahlzeit einen hohen Fett- oder Eiweißanteil enthält. Das Gleiche gilt, wenn viele Ballaststoffe vorhanden sind, die die Kohlenhydrataufnahme verzögern. Eine typische Mahlzeit für den verzögerten Bolus ist eine Pizza, ein Mehrgängemenü, Fastfood oder Torten mit hohem Fettanteil.
Dualer Bolus
Der duale Bolus wird auch Multiwave-Bolus oder Combo-Bolus genannt. Bei dieser Bolusvariante wird ein Teil der Insulinmenge sofort abgegeben, während die Restmenge über einen festzulegenden Zeitraum verzögert abgegeben wird. Bei den Pumpen kann man den schnell abzugebenden Anteil in Prozent- oder Einheiten-Schritten vorwählen. Diese Bolusvariante ist sinnvoll, wenn man schnell wirksame und langsam wirksame Kohlenhydrate zu sich nimmt. Ein typisches Beispiel hierfür sind eine Pizza in Verbindung mit einer Limonade, Früchtemüsli oder eine Pizza Hawaii, auf der viel Ananas als Belag ist.
Wie man die Bolusvarianten gestaltet, muss man natürlich ausprobieren und die Vorwahl von prozentualem Sofortbolus oder zeitlicher Verzögerung aufgrund der eigenen Erfahrung optimieren.
Nachdem Roland K. dies erfahren hatte, ärgerte er sich natürlich darüber, dass er die Bolusvarianten nicht genutzt hatte. So musste er Erfahrung mit einer heftigen Unterzuckerung, sprich Hypoglykämie, machen – die er sich sonst wahrscheinlich erspart hätte..
Ein kleiner Tipp:
Mit einer intensivierten Insulintherapie kann man natürlich keine verzögerten Boli imitieren. Es zeigt sich aber, dass es bei manchen Mahlzeiten sinnvoll ist, nicht die ganze Menge des berechneten Insulins auf einmal zu spritzen, sondern einen Teil davon sofort und einen weiteren Teil mit einer zeitlichen Verzögerung. Dies gilt immer dann, wenn die Mahlzeiten sehr fettreich sind oder wenn sich die Mahlzeit, ähnlich wie bei einem Brunch, über einen längeren Zeitraum hinzieht.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (7) Seite 26-28
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung

2 Minuten
- Soziales und Recht

2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
lena-schmidt postete ein Update vor 6 Tagen, 11 Stunden
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im August – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Monat
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße




