- Behandlung
Medikamente bei Diabetes: Wirkungen und Nebenwirkungen
5 Minuten
Wer Medikamente einnimmt, weiß, dass es neben den Wirkungen auch Nebenwirkungen gibt. Je älter man ist und je mehr Medikamente man nimmt wegen des Diabetes sowie wegen Folge- und Begleiterkrankungen, umso wichtiger ist es, die Nebenwirkungen im Blick zu haben.
Die COVID-19-Pandemie zeigt uns, dass viele der in Deutschland lebenden Menschen mit Diabetes besonderen Gefahren ausgesetzt sind – vor allem die über 65-Jährigen. Gerade bei ihnen sollte der Diabetes gut eingestellt sein, auch der Blutdruck und andere Herz-Kreislauf-Parameter. Mehr und mehr zeigt sich, dass Übergewicht ein besonderes Risiko zu sein scheint. Aber auch die dauerhafte Einnahme von Medikamenten spielt eine wichtige Rolle. Um diese soll es in diesem Diabeteskurs gehen.
Alte bzw. betagte Menschen nehmen oft mehrere Medikamente ein, Ärzte bezeichnen das als „Polypharmazie“. Dann ist es wichtig zu klären, ob dieses oder jenes Medikament im hohen Alter überhaupt noch gebraucht wird: Brauche ich z. B. Aspirin (auch bekannt als ASS) oder auch ein Statin, um die Blutfette zu senken? Ist dies sinnvoll … oder ergibt es nur eine Scheinsicherheit bei gleichzeitig auftretenden Nebenwirkungen?
Seine Frau ist beunruhigt – sie glaubt, es läge an seinem massiven Übergewicht (106 kg). Außerdem sieht er sehr blass aus.
Der Hausarzt stellt eine Blutarmut (Anämie) fest und schickt ihn zur weiteren Abklärung zu einem Spezialisten. Nachdem im Magen nichts Besonderes festgestellt wurde und im Darm ein Tumor ausgeschlossen werden konnte, setzt der Arzt versuchsweise Metformin ab (Johannes F. hatte über viele Jahre 3-mal 1000 mg eingenommen) und spritzt ihm regelmäßig Vitamin B12 subkutan. Bereits nach wenigen Wochen geht es ihm schon deutlich besser, und auch der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin, Hb) ist wieder leicht angestiegen.
Das sollte bei der Verordnung von Medikamenten am besten zwischen Patient, Arzt und Angehörigen besprochen werden. Denn jede Änderung der Situation, auch der äußeren Umstände, kann dazu führen, dass bestimmte Medikamente anders wirken, gar nicht wirken oder überdosiert sind: Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, die Hitze im Sommer usw.
Mit zunehmender Menge an verordneten Arzneimitteln kommt es auch zu Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln und mehr Nebenwirkungen, weshalb eine „gute Verordnung“ die möglichen Nebenwirkungen und die aktuelle Lebenssituation berücksichtigt. Jede vernünftige und langfristig erfolgreiche Therapie muss natürlich die Wünsche und die Präferenzen eines Patienten berücksichtigen. Letztendlich muss das gemeinsame Ziel von Arzt und Patient definiert werden.
Grundvoraussetzung ist auch das Berücksichtigen vorhandener Allergien und bekannten Nebenwirkungen, die der Patient bereits erlebt hat. Das genaue Notieren der Inhaltsstoffe ist wichtig, um Doppelverordnungen zu verhindern – was heute im Prinzip mit einer elektronischen Patientenakte beim Hausarzt wie in der Klinik möglich ist. Bezüglich typischer Diabetes-Medikamente sollte man Folgendes berücksichtigen:
Metformin (Biguanid)
Metformin ist auch in den aktuellen weltweiten Leitlinien eines der ersten Medikamente, das zur Behandlung des Typ-2-Diabetes verwendet wird – neben einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Metformin hilft gerade übergewichtigen Menschen beim Abnehmen, senkt den Blutzucker, und es kann die Blutfette senken.
Metformin kann aber auch Nebenwirkungen haben, die man kennen sollte:
- Übelkeit, Durchfall, Bauchgrimmen hat man meist am Anfang, wenn die Dosis zu schnell (in wenigen Tagen) erhöht wird. Nicht jedes Präparat wird gleich gut vertragen (liegt manchmal auch am Milchzucker für die Tablettenpressung!).
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Aufpassen muss man, wenn schon einmal z. B. im Rahmen eines Infekts eine Übersäuerung des Bluts (Laktazidose) aufgetreten ist,
- bei einer bekannten Nierenschwäche (Niereninsuffizienz mit erhöhten Kreatininwerten z. B.),
- bei schwerer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und auch bei anderen ausgeprägten Organschäden (Leber, Lunge).
- Bei längerer Einnahme von Metformin (über Jahre oder Jahrzehnte) kann es durch einen Vitamin-B12-Mangel auch zu einer Blutarmut (Anämie), mit z. B. Müdigkeit und Schlappheit, und einem Nervenschaden (Polyneuropathie) kommen.
Metformin und Vitamin-B12-Mangel
Der Vitamin-B12-Mangel kann, wie oben gesagt, die Ursache für einen Nervenschaden bzw. für psychische Beschwerden sein (z. B. Gedächtnisstörungen, Missempfindungen, Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen), es kommt zu Rissen in Mundwinkeln (Rhagaden), Zunge und Mundschleimhaut!
Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel können sein (Auswahl):
- eine Autoimmunerkrankung,
- Magen-Operationen: Vitamin B12 wird im Dünndarm aufgenommen – braucht jedoch dazu den Intrinsic-Faktor aus dem Magen,
Alkoholismus, - Einnahme von Säureblockern für den Magen (z. B. Omeprazol, Pantoprazol),
- Metformin.
Bei etwa 30 Prozent aller Diabetiker muss im Krankheitsverlauf mit einem Mangel an Vitamin B12 gerechnet werden – die Wahrscheinlichkeit nimmt mit der regelmäßigen Einnahme großer Mengen Metformin zu.
Vitamin B12 bestimmen bei „verdächtigen Beschwerden“
Bei Blutarmut und/oder entsprechenden Nerven- oder psychischen Beschwerden sind ein „Blutbild“ und eventuell eine Bestimmung des Vitamin-B12-Spiegels (meist auch Folsäure, die oft auch etwas erniedrigt ist) bei langjähriger (!) Metformin-Einnahme sinnvoll.
DPP-4-Hemmer (Gliptine)
Darunter versteht man Medikamente, die indirekt die Konzentration des Darmhormons GLP 1 (aus dem Dünndarm) im Blut erhöhen. Denn sie hemmen das Enzym DPP 4 (Dipeptidylpeptidase 4), das das GLP 1 abbaut. Und GLP 1 hat positive Wirkungen auf den Blutzucker. DPP-4-Hemmer senken dadurch den Blutzucker – als Nebenwirkung kommt es (selten) zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Gelenkbeschwerden. Auch Nasen-Rachen-Entzündungen sind zu finden.
SGLT-2-Hemmer (Gliflozine)
Diese hemmen teilweise die Wiederaufnahme des Zuckers, der normalerweise nach dem Filtrieren in der Niere zurück ins Blut geholt wird, sodass mit dem Urin Zucker ausgeschieden wird (normalerweise ist kein Zucker im Urin!). Das senkt den Blutzucker. Gleichzeitig wird mit dem Zucker vermehrt Wasser ausgeschieden, der Blutdruck sinkt. Der Wasserverlust kann zu Blutdruckabfall mit Schwindel etc. führen.
Weitere wichtige Nebenwirkung:
- Bei Frauen: Besonders wenn sie dazu neigen, können Scheideninfektionen durch Pilze auftreten.
- Bei Männern: Gliflozine können zu einer Entzündung der Penis-Eichel führen.
Sulfonylharnstoffe (z. B. Glimepirid, Glibenclamid)
Die wichtigste Wirkung ist die Stimulation der Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Dadurch kann es zu Unterzuckerungen (Hypoglykämien) kommen – und meist auch zu einer Gewichtszunahme! Es ist deshalb für übergewichtige Patienten nicht geeignet – außerdem wirkt es nur, solange noch eigenes Insulin produziert wird (oft am Anfang der Erkrankung, schlanke Typ-2-Diabetiker). Die Nierenfunktion muss unbedingt beachtet werden!
Glinide (Repaglinid, Nateglinid)
Diese spielen bei uns kaum mehr eine Rolle – werden auch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Sie stimulieren die Insulinproduktion und senken so den Blutzucker – Unterzuckerungen sind deshalb möglich, ebenso eine Gewichtszunahme. Bei leichter bis mittlerer Nierenfunktionseinschränkung dürfen sie eingesetzt werden, ein Vorteil.
GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-Analoga, GLP-1-Mimetika)
Das im Dünndarm produzierte Eiweiß GLP 1 (Glucagon-like Peptide 1) hat viele positive Wirkungen bei Menschen mit Diabetes:
- Es wird mehr Insulin produziert,
- es kommt weniger Zucker aus der Leber ins Blut,
- man wird schneller satt beim Essen (Wirkung im Sättigungszentrum des Gehirns).
Bisher gab es diese Medikamente nur zum Spritzen:
- Exenatid, das 2-mal täglich gespritzt wird,
- Liraglutid, das 1-mal täglich gespritzt wird,
- Dulaglutid und Semaglutid, die 1-mal pro Woche gespritzt werden.
Seit April 2020 gibt es ein GLP-1-Analogon, das 1-mal täglich als Tablette eingenommen werden kann (orales Semaglutid).
Nach der neuesten Leitlinie sind gerade die GLP-1-Rezeptoragonisten (und SGLT-2-Hemmer) bei Menschen mit massivem Übergewicht und erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzinsuffizienz, Mittel der ersten Wahl!
Zusammenfassung
Eine gute Blutzuckereinstellung ist auch in Zeiten von „Corona“ für Menschen mit Diabetes existenziell. Bei Menschen im hohen Alter müssen die positiven Wirkungen der Diabetes-Medikamente sowie die Nebenwirkungen betrachtet werden. In der ambulanten Betreuung und im Krankenhaus ist also eine gute medikamentöse Einstellung absolut wünschenswert, auch, weil viele Menschen weitere Medikamente wegen Begleiterkrankungen einnehmen müssen.
Auf die Therapie mit Insulin und dessen Nebenwirkungen soll in einem eigenen Artikel eingegangen werden.
Autor:
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (10) Seite 30-32
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55

