- Behandlung
Mein Ich: ein Mann im Spiegel?
3 Minuten

Irgendwann bekommt jede Frau Haarausfall – mehr oder minder stark ausgebildet, sagt Prof. Reinhard Zick. Neben den Wechseljahren sorgen Hormonstörungen für lichtes Haar. Zick klärt auf und nennt Lösungen.
Sehr häufig kommen in unsere Sprechstunde Diabetikerinnen mit unerfülltem Kinderwunsch. Und dann fällt im Gespräch in der einen oder anderen Weise folgende Bemerkung: „… und außerdem gleiche ich im Spiegel immer mehr meinem Mann. Mir wächst ein Bart, und außerdem fallen mir die Haare vorwiegend im mittleren Kopfbereich aus. Der Kinderwunsch ist für mich zwar das Wichtigste, aber vielleicht können Sie mir auch mit meinen doppelten Haarproblemen weiterhelfen.“
Beides hängt zusammen
Die meisten Diabetikerinnen sind dann überrascht, wenn ich ihnen erläutere, dass ihr unerfüllter Kinderwunsch und ihr doppeltes Haarproblem eng miteinander verknüpft sind, weil bei ihnen womöglich ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) vorliegt: Das PCOS ist die häufigste Hormonstörung der Frauen im gebärfähigen Alter und führt durch eine vermehrte Produktion von Testosteron in den Eierstöcken (Ovarien) zu Zyklusstörungen bis hin zum kompletten Ausbleiben der Regel.
Die erhöhten Testosteronspiegel bewirken bei diesen Frauen auch die typische Ausdünnung der Haare im Mittelscheitelbereich und den Bartwuchs. Dieser androgenetische Haarausfall bei Frauen wird in 3 Schweregrade (siehe Abb. 1) eingeteilt. Zu einer vollständigen Glatzenbildung wie bei Männern kommt es in der Regel nicht, und auch der Schläfenbereich (Geheimratsecken) wird bei den betroffenen Frauen meist ausgespart.
Beim androgenetischen Haarausfall der Frau gibt es verschiedene Schweregrade.
Zugrunde liegt der sichtbaren Lichtung der Kopfhaare beim androgenetischen Haarausfall der Frauen eine Verkleinerung der Haarfollikel (Umgebung der Haarwurzel); diese Verkleinerung wird der direkten Wirkung des Testosterons zugeschrieben.
Jede Frau bekommt Haarausfall
In den Wechseljahren und dem sich anschließenden Klimakterium kommt es bei allen Frauen (auch ohne PCOS) zu einem mehr oder minder stark ausgebildeten androgenetischen Haarausfall auf dem Kopf, da die Produktion des weiblichen Hormons Östrogen in den Eierstöcken beendet wird, aber die Synthese von Testosteron unverändert weiter besteht und bei einzelnen Frauen auch gesteigert wird.
Bei einer weiteren Gruppe von Frauen kommt es auch ohne Erhöhung des Testosteronspiegels im Blut zu einem androgenetischen Haarausfall, da genetisch bedingt die Wirkung von Testosteron am Haarfollikel gesteigert ist. Man schätzt, dass diese Anlage bei etwa 30 Prozent der Frauen vorhanden ist und bei 10 Prozent von ihnen bereits im Alter von 20 bis 30 Jahren eine deutlich sichtbare Haarlichtung nachweisbar ist.
Androgenetischen Haarausfall behandeln
Bei Patientinnen mit einem PCOS richtet sich die Therapie des androgenetischen Haarausfalls nach dem Primärwunsch der Patientin: Steht im Vordergrund der unerfüllte Kinderwunsch, übernimmt nach Diagnosestellung in der Regel ein Kinderwunschzentrum die weitere Behandlung.
Liegt der Kinderwunsch noch in der Ferne, empfehlen wir zur Behandlung der Zyklusstörungen, des androgenetischen Haarausfalls und der vermehrten Behaarung im Gesicht die systemische Einnahme von Hormonkombinationspräparaten mit „antiandrogener Wirkung“. Damit lässt sich erfolgreich die gesteigerte Wirkung von Testosteron an den unterschiedlichen Zielorganen beeinflussen, und es kommt zu einer Zyklusnormalisierung und zu einem Rückgang des androgenetischen Haarausfalls bzw. Bartwuchses.
Besserung teils erst nach Monaten
Dabei kommen wir bei allen Behandlungsgesprächen immer wieder auf die „haarigen Grundlagen“ zurück und erläutern den betroffenen Frauen, dass das Haarwachstum einem Zyklus unterworfen ist und Besserungen nicht über Nacht zu erwarten sind, sondern womöglich Monate brauchen. Medikamente, sprich antiandrogene Kombinationspräparate, gibt es viele, also kann keine generelle Empfehlung abgegeben werden. Jede Hormonbehandlung muss individuell angepasst werden. Das ist und bleibt ein ehernes Gesetz der Endokrinologie.
Bei allen anderen Formen des androgenetischen Haarausfalls empfehlen wir den Frauen eine lokale Behandlung mit Minoxidil in einer Konzentration von 2 %. Alle anderen in Supermärkten, Drogerien und Apotheken frei verkäuflich angebotenen Präparate sind wirkungslos, teilweise sehr teuer und führen nur zu Frust beim täglichen Blick in den Spiegel. Mit Minoxidil kann die Verkleinerung der Haarfollikel gestoppt werden – und etwa 50 Prozent der behandelnden Frauen beobachten sogar eine Zunahme der Haardichte.
Der Behandlungserfolg mit Minoxidil kommt durch eine direkte Stimulation von Wachstumsfaktoren im Haarfollikel zustande. Da die lokale Wirkung von Minoxidil nicht dauerhaft ist, wird der androgenetische Haarausfall wieder auftreten, sobald man die Minoxidil-Behandlung beendet.
Deshalb antworte ich auch immer auf die Frage vieler Frauen, wie lange sie die Behandlung mit Minoxidil durchführen sollten: Dauerhaft! Nicht eingesetzt werden darf Minoxidil in der Schwangerschaft, der Stillzeit und bei unter 18-Jährigen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter empfehlen wir eine Beratung zur gleichzeitigen Empfängnisverhütung durch eine Gynäkologin/einen Gynäkologen.
Hinsichtlich der Anwendung östrogenhaltiger Lösungen gibt es wissenschaftlich weiterhin ein Pro- und ein Contra-Lager. Wir sind gegenüber dem Therapiekonzept eher zurückhaltend, wobei auch wir im Einzelfall gute Ergebnisse gesehen haben.
Und zum Schluss …
Sehr viele Frauen in unserem Land haben einen leichten bis schweren androgenetischen Haarausfall. Von den 42 Mio. Frauen in Deutschland sind mehr als 15 Mio. in den Wechseljahren oder bereits im Klimakterium! Nicht wenige davon haben Diabetes mellitus – dem haben wir im Titelthema besonders Rechnung getragen. Wir hoffen, Ihnen mit unseren haarigen Artikeln Klarheit, Hoffnung und perspektivisch mehr Lebensfreude vermittelt zu haben.
- Haarige Grundlagen
- Die tägliche Angst vor der Haarbürste
- Mein Ich: ein Mann im Spiegel?
Von Prof. Dr. med. Reinhard Zick
Medicover MVZ, Möserstraße 4A, 49074 Osnabrück,
E-Mail: der.chef@mac.com
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (7) Seite 28-29
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lena-schmidt postete ein Update vor 3 Tagen, 15 Stunden
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
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Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße