- Behandlung
Nachbargewebe schützt insulinproduzierende Beta-Zellen
2 Minuten
Die im Zusammenhang mit Diabetes bisher wenig beachteten exokrinen Zellen der Bauchspeicheldrüse könnten eine größere Rolle spielen als bislang angenommen. Das berichten japanische Forscher und zeigen, dass möglicherweise eine bisher unbekannte Substanz neue Ansätze für künftige Stammzell-Therapien bieten könnte.
Was endokrine und exokrinen Zellen unterscheidet
Die Bauchspeicheldrüse ist ein quer im Oberbauch liegendes Drüsenorgan, das in verschiedenen Gewebetypen Verdauungsenzyme und Hormone produziert. Die insulinproduzierenden Beta-Zellen gehören zum endokrinen Gewebe, welches das Hormon Insulin direkt in die Blutbahn abgibt.
Gleichzeitig produzieren andere Zellen der Bauchspeicheldrüse eine ganze Reihe an Verdauungsenzymen, die Proteine, Fette und Kohlenhydrate verdauen – der Fachmann spricht von den exokrinen Zellen, die ihre Produkte nicht ins Blut sondern über ein Gängesystem in den Zwölffingerdarm abgeben. Zwar führen das exokrine und das endokrine Gewebe verschiedene Funktionen aus, sie stammen aber beide aus denselben Vorläuferzellen und entwickeln sich gleichzeitig.
Störung exokriner Zellen zieht auch Beta-Zellen in Mitleidenschaft
Die japanischen Forscher untersuchten nun im Tiermodell die Funktion eines Gens (Pdx1), welches ausschließlich für die Entwicklung der exokrinen Zellen verantwortlich ist. Wie zu erwarten beobachteten sie, dass wenn dieses Gen fehlte, sich die Bauspeicheldrüse nicht vollständig entwickelte. Vielmehr verwunderte sie aber, dass sich gleichzeitig eine Art Diabetes entwickelte, wie sich unter anderem anhand von niedrigen Insulin-Spiegeln zeigte.
Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die gestörte Entwicklung der enzymbildenden exokrinen Zellen auch die insulinbildenden endokrinen Zellen in Mitleidenschaft gezogen hatte. Hatte das fehlende Gen also doch eine Rolle bei den endokrinen Zellen gespielt?
Nicht-Zell-autonome Wirkung: neuer Ansatz für Diabetes-Therapien?
Dazu untersuchten sie die endokrinen Vorläuferzellen, bei denen das Pdx1 Gen normal vorlag, die aber ebenfalls ohne exokrine Zellen in der Nachbarschaft aufwuchsen. Diese Zellen waren ebenso anfällig und zeigten schlechte Überlebensraten.
Die Wissenschaftlern nennen diesen Effekt eine Nicht-Zell-autonome Wirkung: also ein Phänomen, bei dem sich genetische Defekte von Zellen auf ihre Nachbarn auswirken, die eigentlich genetisch gesund sind. Hier sehen sie einen möglichen neuen Ansatz für Diabetes-Therapien.
“Es handelt sich um eine spannende Erkenntnis”, so Studienleiter Prof. Yoshiya Kawaguchi. “Sie bedeutet, dass die exokrinen Zellen irgendetwas ausscheiden, was die Ausdifferenzierung und das Überleben der endokrinen Zellen während der Entwicklung begünstigt.” Diese Substanz wollen er und sein Team künftig finden, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu erschließen. Die Ergebnisse der japanischen Forscher wurden im Fachmagazin ‘Nature’ veröffentlicht.
Quelle: Pressemitteilung des Diabetesinformationsdiensts am Helmholtz Zentrum München
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht
12 Minuten
- Aktuelles
2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 1 Woche
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
