Nehmen Sie die Fettleber ernst – wie Diabetes!

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Nehmen Sie die Fettleber ernst – wie Diabetes!

Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Fettleber hängen unmittelbar miteinander zusammen. Das Thema wird immer wichtiger, weil bei uns krankhaftes Übergewicht, sprich „Adipositas“, deutlich zunimmt. Wir erklären den Hintergrund.

Der Fall

Peter S. (54) arbeitet als Fahrer bei den Stadtwerken und hat in den letzten 5 Jahren 40 kg an Gewicht zugenommen. Er fühlt sich unwohl in seiner Haut: Er hat zunehmend Luftnot beim Gehen, besonders beim Treppensteigen, und auch die Knie schmerzen immer mehr. Erst als der Hausarzt bei einer jährlichen Routineuntersuchung mit Blutabnahme extrem hohe Leberwerte (Gamma-GT 850 U/l, GPT 170 U/l, GOT 95 U/l) feststellt und ihm gegenüber von einem „Leberschaden unklarer Ursache“ spricht, reagiert er.

Nachdem eine entzündliche und auch eine Medikamenten-Nebenwirkung als Ursache der „hohen Leberwerte“ ausgeschlossen sind, spricht der Arzt von einer „alimentären Fettleber“ – verursacht also durch zu viele Kalorien in Essen und Getränken (z. B. Bier).

Eher aus „Angst vor einem chronischen Leberschaden“ als aus Einsicht reduziert er seinen Bierverbrauch, seinen Konsum an Naschereien zum Fernsehen und auch die Portionsgrößen an Nudeln, Kartoffeln und Obst. Außerdem geht er jeden Abend etwa eine Stunde mit seinem Hund Gassi.

Als 3 Monate später und nach knapp 16 kg Gewichtsabnahme der Hausarzt erneut die Blutwerte kontrolliert, kann er kaum glauben, dass sich die Leberwerte schon fast wieder im Normbereich befinden. Außerdem bekommt Peter S. jetzt besser Luft, und die Kniebeschwerden sind auch ohne Medikamente erträglich.

Übergewicht und vor allem krankhaftes Übergewicht (Adipositas) betrifft in Deutschland wie auch in anderen westlichen Industrienationen immer mehr Menschen. Der Studie DEGS1 zufolge sind in Deutschland 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig, 18,9 Prozent bzw. 22,5 Prozent adipös. Die Tendenz ist steigend und mit zunehmendem Alter auch ansteigend.

Sie ist oft Vorläufer unserer bedeutendsten Zivilisationskrankheiten:

Auch Erkrankungen wie degenerative Gelenk­erkrankungen (Arthrosen), Depressionen und einige Tumorerkrankungen kommen gehäuft dabei vor.

Die Adipositas ist aktuell eine der langfristig teuersten Wohlstandserkrankungen, insbesondere durch die oft schwerwiegenden Folgeerkrankungen. Die Adipositas wird im deutschen Gesundheitssystem immer noch nicht eindeutig als Krankheit bezeichnet, obwohl viele Fachgesellschaften diese so verstehen.

Kommt zur Adipositas eine Fettleber hinzu, steigt das Risiko für einen Typ-2-Diabetes extrem. Vor allem die Anzahl an Menschen mit „nichtalkoholischer Fettleber“ (NAFLD: engl.: non alcoholic fatty liver disease) ist in den letzten Jahren gestiegen – mit der zunehmenden Zahl von Typ-2-Diabetikern und zusätzlich Metabolischem Syndrom. In den USA soll schon etwa jedes 3. Kind diese Form der Lebererkrankung haben (Ursache ist der hohe Konsum fruktosehaltiger Softdrinks).

Wenn sich die NAFLD weiterentwickelt zu einer NASH (engl.: non alcoholic steatohepatitis), sprich zu einer „nichtalkoholischen Fettleber-Hepatitis“ (Entzündung der Leber), steigt auch das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie

Schon heute erfolgt angeblich jede zehnte Lebertransplantation wegen einer NASH.

Weniger Leberverfettung – bessere Insulinwirkung

Die Verfettung der Leber ist eng mit dem Zuckerstoffwechsel verknüpft. Nimmt die Verfettung der Leber ab, verbessert sich auch der Zuckerstoffwechsel – die Insulinresistenz, also Insulinunenmpfindlichkeit, der Leber und der Muskulatur nimmt ab.

Durch eine spezielle Ernährung, in der mehrfach und einfach ungesättigte Fettsäuren (wie in Seefisch, Olivenöl) bevorzugt und der Kohlenhydratanteil reduziert werden, lässt sich das Leberfett auch wieder rasch reduzieren. Auch Kaffee hat einen durchaus positiven Effekt in dieser Hinsicht! Aktuell gibt es keine Medikamente, die gezielt einen positiven Effekt bezüglich des Fettabbaus in der Leber haben.

Also gelten die bisher allgemeinen Regeln: Danach sollten der Diabetes gut eingestellt, der Blutdruck und die Fettstoffwechselstörungen gut behandelt und flankierend eine kalorienreduzierte Ernährung mit vermehrt ungesättigten Fettsäuren bevorzugt werden.

Die Leber ist die Stoffwechselzentrale des Körpers

Die wichtigsten Aufgaben der Leber:

1. Sie verarbeitet und verteilt Nährstoffe
Nährstoffe aus der Nahrung gelangen aus dem Darm ins Blut. Über die Pfort­ader gelangt das Blut in die Leber, wo die im Blut transportierten Stoffe in die Leberzellen aufgenommen und dort entweder gespeichert oder umgebaut werden. Wenn die Körperzellen Bedarf haben, werden die Stoffe (z. B. Glukose für den Muskel) wieder ins Blut abgegeben und zu den Körperzellen transportiert. Die Leber ist also eine Art Puffer, der bei Bedarf Nährstoffspitzen, aber auch einen Nährstoffmangel abdämpfen kann. Die Leber ist neben den großen Muskeln wie am Oberschenkel und den Waden der wichtigste Zuckerspeicher des Menschen. Sie spielt im menschlichen Organismus eine ganz wichtige Rolle. Bei Menschen mit Diabetes ist sie zudem im Zusammenhang mit einer medikamentös ausgelösten Unterzuckerung das entscheidende Organ für die Gegenregulation.

2. Sie macht Stoffe ungiftig und scheidet sie aus
Die Leber ist die größte Entgiftungszentrale unseres Körpers. Sie stellt zahlreiche Eiweiße her, die notwendig sind, um bestimmte Stoffwechselprodukte abzubauen bzw. sie ungiftig zu machen. Gut wasserlösliche Substanzen werden in den Blutkreislauf entlassen und schließlich über die Nieren ausgeschieden. Schlecht wasserlösliche Substanzen und damit auch im Blut schlecht lösliche Substanzen werden in die Gallengefäße abgegeben und gemeinsam mit Gallensäuren in den Darm entsorgt. So gelangen sie schließlich mit dem Stuhlgang aus dem Körper.

3. Sie ist für die Blutgerinnung wichtig
Die Leber stellt wichtige Eiweiße her, die für eine normale Blutgerinnung entscheidend sind – so z. B. die Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren. Diese können durch Gerinnungshemmer wie das Medikament Marcumar gehemmt werden. Dadurch lässt sich das Entstehen von Gerinnseln z. B. bei Vorhofflimmern vermeiden oder auch einer Thrombose vorbeugen.

In der Leber wird, durch Insulin stimuliert, aus Zucker Glykogen (Speicherform des Zuckers) hergestellt und dessen Abgabe gehemmt. Außerdem wird die Zuckerneubildung (Glukoneogenese) gehemmt – es kommt so weniger Zucker aus der Leber. Das Ganze läuft umgekehrt bei Insulinmangel, also bei Typ-1-Diabetikern und bei Typ-2-Diabetikern mit nachlassender Insulinwirkung.

Glukagon dagegen stimuliert an der Leber u. a. die Zuckerneubildung und sorgt letztlich dafür, dass vermehrt Zucker ins Blut gelangt. Folge: ein erhöhter Blutzucker nüchtern und nach den Mahlzeiten sowie bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Letzteres nennt man Gegenregulation auf eine Hypoglykämie mit Ausschüttung von Zucker aus der Leber.

Die Speicherfähigkeit für Glykogen in der Leber beträgt ca. 5 Prozent der Lebermasse. Wenn sie erreicht ist, zum Beispiel nach einem üppigen Essen, wird Zucker zur Herstellung freier Fettsäuren verwendet.

Auch im Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom und einem seiner Hauptakteure, dem Übergewicht, spielt die Leber eine große Rolle, speziell durch ihre zunehmende Verfettung und den daraus resultierenden Problemen wie Leberzirrhose und Insulinresistenz. Da keine spezielle medikamentöse Therapie bekannt ist, hilft meist nur rechtzeitiges Vorbeugen durch Gewichtsreduktion, vernünftige Ernährung etc.

Normalbefund ist noch keine Entwarnung

Erhöhte Leberwerte deuten auf eine mögliche Lebererkrankung hin, umgekehrt bedeutet ein Normalbefund nicht, dass keine Leberschädigung vorliegt. Neben den Laborwerten ist unbedingt eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) der Leber und der Gallenblase bzw. Gallenwege und der Milz erforderlich: möglichst nüchtern durchgeführt zum Ausschluss einer entzündlichen, infektiösen Ursache (wie Hepatitis A, B oder C).

Oft wird die Fettleber eher zufällig entdeckt. Sind jedoch die Blutwerte längerfristig auch ohne erkennbare Ursache (wie Einnahme von Antibiotika, Schmerzmitteln etc.) erhöht, sollte eine weitere Abklärung erfolgen

In den meisten Fällen lässt sich die Ursache einer Leberschädigung durch eine feingewebliche Untersuchung (Biopsie) eines Stücks Leber finden – dazu wird in der Regel eine ultraschallgesteuerte Leberpunktion mit anschließender feingeweblicher Untersuchung des Materials durchgeführt. Manchmal erfolgt auch eine Punktion im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie), bei der die Oberfläche der Leber genau betrachtet werden kann.

Allerdings kann auch durch die Leberbiopsie nicht eindeutig zwischen alkoholbedingter und nichtalkoholbedingter Fettleber unterschieden werden. Häufig ist der Verlauf der Erkrankung eher wegweisend.

Zusammenfassung

Die Häufigkeit einer Fettleber nimmt in den Industrienationen enorm zu – gerade bei Menschen mit Übergewicht bzw. krankhaftem Übergewicht und/oder Typ-2-Diabetes. Entsprechend nehmen auch deren Folgen wie Entzündung, Zirrhose oder Krebs zu. Deshalb ist eine Aufklärung über die Ursache der Fettleber dringend erforderlich.

Die Diskussion über eine vor allem zuckerärmere Ernährung (besonders Fruchtzucker in Obst, Fruchtdrinks, Softdrinks) und deren positive Auswirkungen hat gerade erst begonnen. Besonders Kinder sollten schon früh spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger an eine zuckerärmere Form der Ernährung herangeführt werden. Dies gelingt wie bei Erwachsenen auch eher dann, wenn man schmackhafte Alternativen anbietet, selbst kocht sowie gemeinsam daheim isst, statt gemeinsam ins Fast-Food-Restaurant zu gehen.


von Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist/Angiologe/Diabetologe/Sozialmedizin, Chefarzt Deegenbergklinik
sowie Chefarzt Diabetologie Klinik Saale (DRV-Bund)

Deegenbergklinik, Burgstraße 21,
97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71/8 21-0, E-Mail: schmeisl@deegenberg.de

Klinik Saale, Pfaffstraße 10,
97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71/8 5-01

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (11) Seite 26-29

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  • thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 4 Wochen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße