„Neue Ära der pharmakologischen Adipositastherapie“

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„Neue Ära der pharmakologischen Adipositastherapie“

In einer weltweiten Studie wurde erstmals die Wirksamkeit des Typ-2-Diabetes-Medikaments Semaglutid auf das Körpergewicht wissenschaftlich untersucht: Das GLP-1-Analogon senkt nicht nur deutlich Blutzucker, Blutdruck, und Blutfette, sondern sorgt auch für eine Gewichtsreduktion in einem Maße, wie sie sonst nur mit chirurgischen Mitteln erreicht wird.

„Diäten und Magenverkleinerungen sind sicherlich wichtig und auch so etwas wie der Königsweg, wenn es darum geht, das Gewicht zu reduzieren. Allerdings sind heute auch andere wirksame Methoden gefragt, um einer drohenden Diabetesepidemie etwas entgegenzusetzen“, sagt Prof. Andreas Birkenfeld, Stoffwechselexperte der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden und Leiter des neu gegründeten Universitätsstudienzentrums für Stoffwechselerkrankungen.

In einer weltweiten Phase-2-Studie (erstmalige Wirksamkeitserprobung am Patienten) mit mehr als 900 Patienten, an der Prof. Birkenfeld als Mitautor beteiligt war, wurde nun erstmals die Wirksamkeit und die Sicherheit von Semaglutid in der Therapie der Adipositas untersucht. Das Medikament ist eine neue Substanz. Sie gehört in die Klasse der Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1)-Analoga. Die Wirkungsweise ist ähnlich der körpereigenen Darmhormone, die das Sättigungsgefühl erzeugen. Semaglutid soll einmal wöchentlich verabreicht werden.

Gewichtsabnahme von bis zu 17 Prozent

Das Studienteam um Prof. Birkenfeld fand heraus, dass alle Semaglutid-Dosen im Vergleich zu Placebo deutlich das Körpergewicht reduzieren. In der höchsten Dosierung konnte eine Gewichtsabnahme von bis zu 17 Prozent des Ausgangskörpergewichts beobachtet werden. Damit war es möglich, einen Patienten, der zuvor einen BMI von 35 kg/m2 und formal eine Adipositas Grad 2, also eine mittelschwere Adipositas aufwies, auf einen BMI von 29 kg/m2 zurückzuführen. Kurzum: er schaffte den Schritt von formal fettleibig zu übergewichtig.

Zeitgleich wurden der Blutzucker, der Blutdruck, und die Blutfette deutlich gesenkt. Prof. Birkenfeld bewertet die Reaktion positiv: „Der Patient hat nicht nur abgenommen, sondern Semaglutid gut vertragen, die Nebenwirkungen entsprachen denen anderer bekannter GLP-1-Analoga und sind nicht als kritisch einzustufen.“

Zulassung für die Adipositas-Therapie absehbar

Diese Wirkung von Semaglutid auf das Körpergewicht läutet jetzt eine neue Ära der pharmakologischen Adipositastherapie ein. Es wird erstmals eine Gewichtsreduktion erreicht, die sonst meist nur mit einer chirurgischen Therapie möglich war. Nachdem Semaglutid in der Typ-2-Diabetestherapie (Handelsname: Ozempic; Novo Nordisk) zugelassen wurde, ist absehbar, dass es auch bei Adipositaspatienten zum Einsatz kommt.

Denn es wurde bei Patienten mit Typ-2-Diabetes bereits bewiesen: Semaglutid bewirkt nicht nur eine Gewichtsreduktion, sondern reduziert auch das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen. Die Ergebnisse der Adipositastherapie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht. Momentan ist Semaglutid noch nicht für die Adipositastherapie zugelassen.


Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden | Redaktion

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