- Behandlung
Neue Wege für ältere Menschen mit Diabetes
4 Minuten
Sein Tatort war dieses Mal nicht Köln, sondern Berlin: Joe Bausch (auf dem Foto ganz links), der den Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth im Kölner „Tatort“ spielt, moderierte die Verleihung des „Silver Star“-Förderpreises. Ausgezeichnet werden mit dem Preis der Berlin Chemie AG Projekte, die in besonderer Weise ältere Menschen mit Diabetes den Alltag mit der Erkrankung erleichtern. Drei Projekte teilen sich dabei den mit insgesamt 25.000 Euro dotierten Preis.
Und das sind die „Silver Star“-Preisträger 2016:
Sprachbarrieren überwinden mit Sketchnotes – ein Projekt von Marlen Esser
Bilder sagen oft mehr als Worte. Mit ihrer Hilfe lassen sich neue Informationen leichter vermitteln und besser im Gedächtnis verankern. Das gilt auch für die Erstberatung von Menschen nach der Diagnose Diabetes. Besonders dann, wenn die Betroffenen zum Beispiel aufgrund ihres Alters kognitiv nicht mehr gut in der Lage sind, wichtige Informationen aufzunehmen, oder wenn die Patienten keine ausreichenden Deutschkenntnisse besitzen.
Die Diabetesberaterin Marlen Harms aus Bad Essen hat für diese Situationen „Sketchnotes als Erste-Hilfe-Diabetesberatung“ entwickelt. Dabei handelt es sich um skizzenhafte Anleitungen, beispielsweise für das Messen von Blutzucker oder das richtige Vorgehen beim Spritzen von Insulin. Mit Hilfe der Skizzen gelingt es der Beraterin, ihren Patienten das Diabetesmanagement einfach und anschaulich zu vermitteln. „Ich habe festgestellt, dass wir über diese Zeichnungen sehr gut miteinander kommunizieren können. Das Diabetesmanagement wird in Bilder übersetzt, unabhängig von der gesprochenen Sprache.“ Die Vorgehensweisen werden in der Beratung so lange geübt, bis sie verstanden sind. Zu Hause dienen die Sketchnotes dann als Gedankenstütze. Daher werden sie durch Notizen während der Beratung individuell auf die persönliche Behandlung angepasst.
Das sagt die Jury
Die Jury lobt besonders den übertragbaren Charakter des Projektes. „Wir sehen einen enormen Vorteil darin, dass sich die Sketchnotes in verschiedensten Situationen einsetzen lassen“, resümiert Dr. Martin Lederle, Ahaus, Laudator und Mitglied der Jury. „Bei der Beratung von älteren Menschen mit Diabetes sind sie sehr gut geeignet, um die Betroffenen zu erreichen und zur Mitarbeit zu motivieren. Mit Hilfe der Bilder lässt sich aber auch dann kommunizieren, wenn eine gemeinsame Sprache fehlt. Auf diese Weise kann mit ausländischen Mitbürgern, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, die Diabetesbehandlung aktiv erarbeitet werden.“
WundASSe helfen Menschen mit diabetisches Fuß per Telemedizin – Projekt des „Netzwerks Diabetischer Fuß“
Bei einem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) ist eine regelmäßige Wundversorgung unabdingbar, um die Gehfähigkeit der Betroffenen zu erhalten und Amputationen zu vermeiden. Ohne einen Krankentransport ist es immobilen Patientinnen und Patienten jedoch meist nicht möglich, die Fußambulanz zu erreichen. Dieser Transport stellt für die schwerkranken Menschen eine zusätzliche Belastung dar und ist organisatorisch sehr aufwändig. Das Netzwerk Diabetischer Fuß in der Region Nordrhein hat deshalb mit dem „Mobilen WundASS“ ein neuartiges Konzept entwickelt, um die ambulante Versorgungssituation dieser meist älteren Menschen zu verbessern.
Speziell weitergebildete Wundassistenten, die sogenannten WundASSe, besuchen immobile Menschen mit einem DFS in ihrer häuslichen Umgebung und führen dort eine Wundbehandlung durch, wie sie sonst in der Praxis durchgeführt würde (z.B. scharfes Debridement). Der delegierende Arzt kann zur Unterstützung der Wundfachkraft und zur Beantwortung von Fragen seiner Patientin oder seines Patienten telemedizinisch eingebunden werden.
Die Betreuung zu Hause kommt bei den Patienten sehr gut an: „Sie merken, dass der Arzt sie nicht ‚vergessen‘ hat und sich weiter um sie kümmert“, weiß Dr. Dirk Hochlenert, Diabetologe aus Köln und Leiter des Projektes. Die Pflegekräfte in Heimen und in der ambulanten Pflege sind froh über den Besuch der Wundfachkraft. So erhalten sie direkte Rückmeldung zum Verlauf der von ihnen im Alltag durchgeführten Wundversorgung und können etwaige Schwierigkeiten persönlich besprechen.
Das sagt die Jury
Maßgeblich für die Auszeichnung mit dem SilverStar Förderpreis war der Signalcharakter, den das Projekt aussendet. Es verbessert die Versorgung einer großen Anzahl unterversorgter Menschen mit DFS. „Besonders positiv fällt auf, dass das Konzept bereits vorhandene Strukturen nutzt. Wir betrachten es zudem als Leistung, dass das ‚Mobile WundASS‘ auch der großen Herausforderung einer steigenden Anzahl von Menschen mit multiresistenten Erregern begegnet“, hebt Jurymitglied PD Dr. Matthias Frank, Neunkirchen, hervor. Deren Behandlung ist in der Praxis mit großen Schwierigkeiten verbunden. „Durch die Versorgung in häuslicher Umgebung kann die Gefahr der Keimverbreitung jetzt deutlich eingedämmt werden. Und für die Betroffenen bedeutet es eine große Erleichterung, zu Hause behandelt zu werden.“
„Intelligente Tablettendose“ gegen das Vergessen – ein Projekt von Timo Schuster
Eine effektive Behandlung des Diabetes mellitus mit oralen Antidiabetika ist nur dann möglich, wenn die Medikamente regelmäßig zu den dafür vorgesehenen Zeitpunkten eingenommen werden. Doch immer an ihre Medikamente zu denken, ist für viele ältere Menschen eine große Herausforderung. Helfen kann hier in Zukunft die „Intelligente Tablettendose“. Über ein ständig am Körper zu tragendes Armband erinnert sie die Anwender an die Medikamenteneinnahme und stellt sicher, dass die richtigen Tabletten eingenommen werden. Entwickelt hat die Dose der Augsburger Schüler Timo Schuster. Mit ihr wollte er seiner Großmutter das Erinnern an die Tabletteneinnahme erleichtern.
Das Armband gibt Alarm, sobald die Medikamente zum eingestellten Zeitpunkt nicht der Tablettendose entnommen wurden. Das Piepen, Blinken und Vibrieren macht der Patientin oder dem Patienten unmissverständlich klar, dass es nun Zeit für die nächste Tablettenration ist. Ein grün leuchtendes Lämpchen markiert das Fach, in dem sich die Medikamente befinden. Sobald der Fotosensor an der Dose registriert, dass die Tabletten der Box entnommen wurden, stoppt der Alarm des Armbandes. Zusätzlich zeichnet eine integrierte Speicherkarte ein Entnahmeprotokoll auf. „Dadurch lässt sich zum Beispiel nachvollziehen, ob die Patientin oder der Patient die Tabletten regelmäßig eingenommen hat“, erläutert Timo Schuster.
Das sagt die Jury
„Timo Schuster hat mit dem Projekt den Leitgedanken des SilverStar Förderpreises ‚Aktiv für ältere Patienten‘ perfekt aufgegriffen“, bringt Flöttmann die Begeisterung der
Mit dem SilverStar Förderpreis initiierte die Berlin Chemie vor fünf Jahren einen Preis, mit dem besonders praxisorientierte Projekte aus ganz Deutschland ausgezeichnet werden sollen. Idee des Preises ist es, Personen und Institutionen zu ehren, die sich in besonderer Weise für die Lebensqualität älterer Menschen mit Diabetes engagieren.
Dass dieses Thema in einer immer älter werdenden Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat, verdeutlicht die hohe Anzahl der Bewerbungen: In den fünf Jahren haben sich insgesamt 181 Projekte um den mit jährlich 25.000 Euro dotierten Förderpreis beworben. Unter den Bewerbern waren sowohl Praxen als auch Kliniken, ehrenamtliche Helfer und Selbsthilfegruppen, Apotheken und Unternehmen, PflegerInnen und Diabetes-Teams sowie Angehörige und selbst Betroffene.
Auch das Alter der ausgezeichneten Personen zeigt die große Bandbreite der Projekte und Menschen, die sich engagieren. Während mit Edith Claußen 2013 die bislang älteste Preisträgerin geehrt wurde – sie erhielt den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk im Alter von 78 Jahren – steht in diesem Jahr Timo Schuster mit 15 Jahren als der bisher jüngste Preisträger auf der Bühne.
Weitere Informationen zum SilverStar-Förderpreis finden Sie unter
www.silverstar-preis.de, mehr über die Jury hier.
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Quelle: Pressemitteilung der Berlin Chemie AG
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stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Woche
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
