Neues Insulin könnte kleinere Pumpensysteme ermöglichen

3 Minuten

© fotomek - Fotolia
Neues Insulin könnte kleinere Pumpensysteme ermöglichen

Ein neues Insulin, das von den Entwicklern als „erstes seiner Art“ bezeichnet wird, wird in diesem Jahr nach erfolgreichen präklinischen Tests in Humanstudien untersucht. Das Besondere daran: Es ist ein schnellwirksames Insulin in extrem hoher Konzentration – und könnte die Insulinpumpentechnologie revolutionieren.

Eine gemeinsame Forschungskooperation der JDRF (Juvenile Diabetes Research Foundation) und des britischen Pharma-Unternehmens Arecor hat das Potential, die Insulinpumpentechnologie auf eine neue Ebene zu hieven: ein schnell wirkendes Insulin in extrem hoher Konzentration. Und dieses Projekt scheint auf einem vielversprechenden Weg zu sein.

Die JDRF ist eine international agiernde, gemeinnützige Organisation, die Projekte zur Typ-1-Diabetes-Forschung unterstützt und fördert. Seit der Gründung im Jahr 1970 hat die JDRF Forschungsprojekte im Gesamtumfang von rund 5 Milliarden US-Dollar (ca. 4 Mrd. Euro) gefördert.

Denn das neu entwickelte Insulin mit einer Konzen­tration von 1 000 Einheiten pro Milliliter (E/ml) wurde laut Angaben der JDRF in den vergangenen Monaten erfolgreich in umfangreichen Untersuchungen im Labor getestet, so dass es nun im Laufe des Jahres auch in klinischen Studien mit Patienten auf den Prüfstein kommen wird. Sollte es sich dabei als sicher und wirkungsvoll erweisen, könnte das extrem hochkonzentrierte und schnellwirksame Insulin die Lebensqualität von Menschen mit Typ-1-Diabetes „in hohem Maße verbessern“, zeigt sich die JDRF optimistisch.

Kleinere Insulinpumpen könnten dank des neuen Insulins bald möglich sein

Gerade in Insulinpumpensystemen, die es derzeit nur für Insuline in der Konzentration 100 E/ml gibt, kann das neue, sehr hochkonzentrierte Insulin entscheidende Vorteile bieten: Bei einem sehr hohen Insulinbedarf ist der Inhalt der Insulinpatrone bei der Kapazität der derzeit verfügbaren Systeme schnell aufgebraucht. Durch das extrem hochkonzentrierte Insulin ließe sich deutlich mehr Insulin in einer Patrone unterbringen – bzw. die Insulinpatrone könnte deutlich kleiner ausfallen.


»Bisher zwangsläufig notwendige Mindestgrößen für Insulinpumpen könnten unterschritten werden.«

Die Maße der Insulinabgabesysteme sind zwar in den vergangenen Jahren stetig verringert worden, doch die Größe der benötigten Insulinreservoirs hat die Entwicklung noch kleinerer (und damit komfortablerer) Systeme bisher verhindert. Das neue Insulin könnte – insofern es sich in den klinischen Studien beweist – also zukünftig in kleineren Patronen verpackt werden, wodurch die bisher zwangsläufig notwendigen Mindestgrößen für Insulinpumpen unterschritten werden könnten. Insulinpens könnten dadurch ebenfalls kompakter und damit handlicher sowie unauffälliger werden.

Vorteil auch für Menschen, die viel Insulin benötigen

Auch Menschen mit Diabetes, die dauerhaft sehr hohe Insulindosen benötigen, um ihre Blutzuckerwerte im Griff zu haben, könnten von dem neuen Produkt profitieren, da das zu verabreichende Volumen schnellwirksamen Insulins deutlich reduziert werden könnte.

Im Kirchheim-Shop:

CGM- und Insulinpumpenfibel

Das ABC der Insulinpumpentherapie und der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Für Einsteiger, Pumpenträger, CGM-Anwender und Therapeuten.
U. Thurm und B. Gehr; 2. Auflage 2013; 24,90 €
zum Kirchheim-Shop

Arecor gibt dazu in einer Veröffentlichung Anfang des Jahres bekannt: „Das Produkt wird die Behandlung von Patienten, die mehr als 200 Insulineinheiten pro Tag benötigen, signifikant verbessern. Die Entwicklung eines ultrakonzentrierten Insulinprodukts, in dem 1 000 Einheiten pro Milliliter enthalten sind, war bisher eine große wissenschaftliche Herausforderung, die nun erfolgreich angegangen wurde.“


Autor:

Gregor Hess
Redaktion Diabetes-Journal
Kirchheim-Verlag
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14
55130 Mainz

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (2) Seite 16-17

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Insulin- und Inkretin-Injektionen: Wechseln, prüfen, pflegen – so bleiben Spritz-Stellen gesund

Damit Insulin wie gewünscht die Glukosewerte senken kann, sind nicht nur die richtige Dosierung und der richtige Zeitpunkt entscheidend, sondern auch die Stelle für die Injektionen. Diese ist sowohl für die Therapie mit Spritze, Insulin-Pen oder Insulin-Pumpe als auch bei zu injizierenden Inkretin-Medikamenten bei Typ-2-Diabetes relevant.
Insulin- und Inkretin-Injektionen: Wechseln, prüfen, pflegen – so bleiben Spritz-Stellen gesund | Foto: Ljupco Smokovski – stock.adobe.com

4 Minuten

Eiweiß: Trend-Nährstoff und vielseitiger Sattmacher

Eiweiß (Protein) hat sich zum Trend-Nährstoff entwickelt und ist ein vielseitiger Sattmacher. Doch was ist wirklich dran an den vielen Botschaften dazu? Wir geben Antworten zum Bedarf, zu Mangel und Überschuss bis hin zu proteinreichen Produkten aus dem Handel.
Eiweiß: Trend-Nährstoff und vielseitiger Sattmacher | Foto: Lifeisbeautiful – stock.adobe.com

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände