- Behandlung
Nicht erwünscht: ein Reise-Souvenir der besonderen Art
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Niemand möchte von einer Reise als ganz besonderes Souvenir eine Krankheit mit nach Hause bringen. Wie Reisende sich wirksam vor Malaria und anderen bei uns nicht verbreiteten Krankheiten schützen können, lesen Sie im dritten Teil unserer Reise-Serie. Außerdem: Empfehlungen zur Hygiene.
- Teil 1: Reisen mit Diabetes: In die große weite Welt…
Im Interview berichtet Dr. Martin Lederle, wie Sie sich optimal vorbereiten können. - Teil 2: Impfschutz: andere Länder – andere Risiken Impfungen, die man für verschiedene Regionen der Erde braucht und um die sich Reisewillige möglichst schon frühzeitig kümmern sollten.
Sich den Mückenschutz sparen? Besser nicht!
Ein Tansania-Reisender äußerte einmal die Ansicht, er sei doch gegen Gelbfieber geimpft und nehme vorbeugend ein Medikament gegen Malaria ein, da könne er sich doch den lästigen Mückenschutz – also mehrmals täglich ein mückenabweisendes Mittel aufzutragen – sparen.
Diese Ansicht ist verbreitet, aber irrig: Weder eine Impfung noch eine medikamentöse Malariaprophylaxe verleihen einen 100-prozentigen Schutz. Bekommen Sie viele Mückenstiche und damit viele Krankheitserreger, kann der Schutz durchbrochen werden – Sie erkranken. Zwar wird eine solche Durchbruchserkrankung eher leicht und ohne Komplikationen verlaufen, aber mit einem guten Mückenschutz hätten Sie sie vermeiden können.
Es gibt nicht nur die Malaria …
Außerdem gibt es viele weitere, von Mücken und anderen Insekten übertragene Krankheiten, denen nicht mit einer Impfung, wohl aber mit konsequentem Mückenschutz vorgebeugt werden kann:
- Typhus ist eine Durchfallerkrankung. Die Bakterien werden mit verunreinigter Nahrung und Trinkwasser aufgenommen. Die verfügbaren Impfstoffe sind wirksam und gut verträglich. Der Schluckimpfstoff schützt nur 1 Jahr, die Spritze 3 Jahre.
- Die FSME (auch: europäisches Zeckenbissfieber) ist eine Virusinfektion, die durch Zeckenstiche übertragen wird. FSME gibt es auch im Süden und Südosten Deutschlands. Zecken halten sich in Sträuchern und im hohen Gras auf. Von da lassen sie sich abstreifen, oder sie kriechen aktiv auf Tiere oder Menschen. Beim Stich sondert die Zecke mit ihrem Speichel eine schmerzstillende Substanz ab, so dass der Stich meist nicht bemerkt wird. Infizierte Zecken übertragen so das FSME-Virus. Da die Erkrankung zu Dauerschäden oder gar zum Tod führen kann, ist die Impfung bei Camping oder Wanderung zu empfehlen.
- Gelbfieber ist eine tropische Viruskrankheit, die durch Stechmücken (tag- und nachtaktiv) übertragen wird. Keine Ansteckung von Mensch zu Mensch, aber die Übertragung Mensch – Mücke – Mensch führt immer wieder zu epidemischer Ausbreitung. Der Impfstoff wirkt und ist gut verträglich. Die Impfung ist anzuraten, wenn Aufenthalte im Busch oder in Feuchtgebieten geplant sind (Safari etc.). Die Impfung darf nur von einer anerkannten Gelbfieberimpfstelle durchgeführt werden.
- Schistosomen sind Süßwasserlarven des Pärchenegels, die durch die intakte Haut eindringen. Sie verursachen schwer zu diagnostizierende Krankheiten. Die mit dem Stuhl oder Urin ausgeschiedenen Eier entwickeln sich in Süßwasserschnecken zu infektionstüchtigen Larven. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Baden Sie nicht in Süßgewässern, auch nicht Hände oder Füße im Wasser kühlen. Im Swimmingpool zu baden, ist unbedenklich. Eine Impfung ist nicht möglich.
Wirksamer Mückenschutz – wie geht das eigentlich?
Bisher klang schon mehrfach an, dass Mückenschutz besonders wichtig ist – nicht nur zur Vermeidung einer Malaria, sondern auch zur Vermeidung anderer, von Mücken übertragener Erkrankungen. Erst an zweiter Stelle rangiert die medikamentöse Vorbeugung.
In den Tropen und Subtropen können bestimmte nachtaktive Mücken die Malaria übertragen. Diese Mücken fliegen insbesondere in der Umgebung von Feuchtzonen (im Umkreis von 500 Metern): Flüsse, Seen, Sümpfe, Wassergräben, bewässerte Felder und Abfallplätze, auch in Parkanlagen in Städten und in auf Dächern montierten Kondenswasser-Auffangbehältern von Klimaanlagen. In solchen Gebieten sollte man sich vor Mückenstichen schützen – auch wenn vorbeugend Malariamittel eingenommen werden. In Malariagebieten ist das Infektionsrisiko während der Regenzeit etwa 10-mal höher als während der Trockenzeit. Wenn möglich, sollte man daher die Regenzeit als Reisezeit meiden. Wichtig:
- Malariagebiet ja oder nein? Fragen Sie im Zweifel nach bei einer reisemedizinischen Beratungsstelle oder Gelbfieberimpfstelle.
- Eine homöopathische Malariaprophylaxe gibt es nicht!
- Die Einnahme von Vitamin-B-Präparaten und/oder Knoblauch schreckt Mitreisende ab, aber nicht die Mücken.
- Nach Anbruch der Dämmerung langärmelige Hemden bzw. Blusen und lange Hosen (nicht Röcke) tragen. Es dürfen ruhig leichte, aber nicht weitmaschige Gewebe sein. Bei starkem Mückenflug Kleidung mit Repellent (mückenabweisendes Mittel) einsprühen oder in geschützte Umgebung ausweichen.
- Freibleibende Haut (Gesicht, Hals, Hände, Fußknöchel) mit einem Repellent einreiben. Alternativ gibt es Mückenabwehrbänder im Fachhandel, die den Vorteil haben, dass das Repellent bei starkem Schwitzen nicht so schnell erneuert werden muss wie bei Mitteln, die auf die Haut aufgetragen werden. Die Stiftung Warentest hat im Heft 6/2014 Mückenmittel getestet. Nur 4 Präparate erreichten ein Gesamturteil „gut“. Von diesen boten nur 2 einen „sehr guten“ Mückenschutz.
- Übernachtung nur in klimatisierten Räumen. Ansonsten Moskitonetz benutzen. Kinder und Allergiker sollten wegen der Gefahr der Sensibilisierung auf eine Imprägnierung des Netzes mit Repellent verzichten.
- Vor dem Zubettgehen sollte unbedingt kontrolliert werden, ob sich Mücken innerhalb des Netzes befinden. Die herunterhängenden Enden des Moskitonetzes unter die Matratze stopfen, damit keine Mücken durch den Faltenwurf eindringen können.
Wann ist zusätzlich ein Malariamittel nötig?
In Gebieten mit geringem Malariarisiko reicht ein konsequenter Mückenschutz aus. Bei Reisen in medizinisch schlecht oder nicht versorgte Gebiete ist es sinnvoll, für den Fall einer Malariaerkrankung ein Medikament in der Reiseapotheke mitzunehmen. Da Reisende in aller Regel nicht selbst die Diagnose stellen können, kann diese Stand-by-Therapie nur zur Überbrückung dienen, bis ein Arzt erreicht wird. Möglicherweise handelt es sich um eine andere Tropenkrankheit mit ähnlichen Krankheitszeichen. Im Erkrankungsfall muss daher immer schnellstmöglich medizinische Versorgung aufgesucht werden.
In Gebieten mit mittlerem oder hohem Malariarisiko wird zusätzlich zum Mückenschutz die vorbeugende, niedrigdosierte Einnahme eines Malariamittels empfohlen. Da in vielen Gebieten die Malariaerreger gegen bestimmte Malariamittel resistent sind, muss der Reisemediziner jeweils prüfen, welche Mittel empfohlen werden können. Und natürlich wird bei dieser Gelegenheit auch geprüft, ob der Reisende das Mittel voraussichtlich vertragen wird und ob Gegenanzeigen eine bestimmte Verordnung verbieten.
Nebenwirkungen gegen das Malariamittel vermeiden
Alle Malariamittel können Magen- und Darmunverträglichkeiten mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall verursachen; diesen Nebenwirkungen kann man erfolgreich dadurch begegnen, dass man das Mittel nicht auf leeren Magen einnimmt, sondern vorher eine Kleinigkeit isst und reichlich dazu trinkt. Dadurch wird verhindert, dass der Wirkstoff die Schleimhäute von Magen und Darm irritiert.
An sich kann die medikamentöse Prophylaxe bei sorgfältiger Dosierung über viele Wochen und Monate eingenommen werden. Ab einer Einnahmedauer von mehr als 3 Monaten sind aber bestimmte Blut- und Gesundheitsuntersuchungen zu empfehlen, um die bei Langzeiteinnahme eventuell auftretenden Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.
Der wichtigste Überträger von Krankheitskeimen ist die menschliche Hand. Da die Menschen in Entwicklungs- oder Schwellenländern
die mitteleuropäische Hygieneregeln häufig nicht kennen, können über unhygienisch zubereitete Speisen Krankheitserreger weiterverbreitet werden. Deshalb:
- Kein Essen aus dem Straßenverkauf essen.
- Obst und Gemüse am besten nur essen, wenn Sie es selbst (mit abgekochtem Wasser) gewaschen und/oder geschält haben.
- Ungekochte bzw. ungebratene Nahrung und unpasteurisierte Milch müssen grundsätzlich als möglicherweise verunreinigt angesehen werden (Bakterien, Viren, Wurmeier usw.).
- Alle Speisen sollten gut durchgegart sein. Kein Steak essen, das innen noch rosa ist.
- Vorsicht bei exotischen, ungewohnten Gaumenfreuden. Insbesondere scharf gewürzte Speisen können auch Magenverstimmung oder Durchfall verursachen.
- Zum Trinken und Zähneputzen nur abgekochtes Wasser oder Wasser aus Mineralwasserflaschen benutzen.
- Keine Eiswürfel in den Getränken. Speiseeis nur aus verschlossenen industriellen Packungen essen.
- Die Mahlzeiten sollten in fliegenfreier Umgebung eingenommen werden. Wenn das nicht möglich ist: die Fliegen vertreiben, so gut es geht. Fliegen können Krankheitserreger auf den Speisen hinterlassen.
- Über 30 Prozent der Urlaubsreisenden bekommen während der Reise eine Durchfallerkrankung. Diese lassen sich häufig durch hygienische Verhaltensweisen (Hände waschen) und Beachtung der o. g. Empfehlungen zur Ernährung vermeiden. Wenn Sie dennoch erkranken, helfen vor allem Flüssigkeitsersatz und 1 Tag lang Diät.
- Marcus Overmann hat Typ-1-Diabetes und hat auf Elba Tauchurlaub gemacht. Wie sind die Tauchlehrer mit seinem Typ-1-Diabetes zurechtgekommen? Davon erzählt er in seinem Bericht für das Diabetes-Journal.
- Unser Autor Hans Lauber ist zu einem Familienfest ins irische Bantry gereist. Was die dortige Küche zu bieten hat, hat er in seinem „Echt essen“-Beitrag beschrieben.
- Mit dem Rucksack durch Irland, ein Auslandssemester in Moskau – junge Leute mit Diabetes lassen sich nicht stoppen und berichten von ihren Reisen und anderen Aktivitäten in der Blood-Sugar-Lounge.
Redaktion Diabetes
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 2 Stunden, 13 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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vio1978 postete ein Update vor 1 Tag, 12 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
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renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
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moira antwortete vor 5 Tagen, 4 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
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Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!