- Behandlung
Notfall Schlaganfall – schnell erkennen, schnell behandeln!
4 Minuten
Die meisten wissen es: An einem Schlaganfall sterben in Deutschland sehr viele Menschen, und mit dem Alter steigt die Häufigkeit dieser Todesursache an. Aber warum kommt es zu einem Schlaganfall? Was hat der Diabetes damit zu tun? Und wie können Sie selbst vorbeugen?
Als Martin wieder Sehprobleme hat, misst seine Frau klugerweise sofort den Blutdruck und den Blutzucker: Der Blutdruck liegt bei 200/100 mmHg rechts, der Blutzucker bei 218 mg/dl (12,1 mmol/l)! Nachdem der Hausarzt am Telefon von Martins Frau von den Schwierigkeiten beim Sehen und dem hohen Blutdruck gehört hat, lässt er ihn sofort ins Krankenhaus bringen. Die Computertomographie (CT) zeigt eine kleine Hirnblutung – sofort wird die Behandlung eingeleitet.
Martin hat Glück: Nach 10 Tagen wird er ohne Beschwerden, mit gut eingestelltem Blutdruck und weitgehend normalen Blutzuckerwerten entlassen.
Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 250 000 Menschen einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist neben dem Herzinfarkt und der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) die gefürchtetste Komplikation des Herz-Kreislauf-Systems – statistisch gesehen liegt er an zweiter Stelle der Todesursachen (an erster Stelle: Herzinfarkt und koronare Herzkrankheit). Der Grund dafür ist insbesondere, dass die Menschen immer älter werden.
Die meisten Schlaganfälle – 80 Prozent – werden durch Durchblutungsstörungen verursacht (ischämische Schlaganfälle), nur 20 Prozent durch Blutungen. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Ursachen kann und muss heute möglichst rasch festgestellt werden, damit die richtige Therapie eingeleitet werden kann. Bildgebende Verfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) ermöglichen diese Diagnose. Weitere Fortschritte gibt es in der akuten Behandlung und auch in der Vorbeugung nach einem durchgemachten Schlaganfall.
Durchblutungsstörung führt zu ischämischem Schlaganfall
Vier große Hauptschlagadern (Hirnarterien) versorgen das Gehirn mit Sauerstoff, Glukose und anderen Nährstoffen. In den Hirnarterien können sich Verkalkungen bilden und an diesen Verkalkungen können Blutgerinnsel entstehen. Werden die hirnversorgenden Arterien akut durch ein Blutgerinnsel verschlossen (Embolie), kann es zu einem ischämischen Schlaganfall kommen – was bedeutet, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird. Die Gerinnsel kommen vor allem aus dem Herzen.
Einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall ist der Bluthochdruck, insbesondere ein hoher systolischer Blutdruck (der obere Wert beim Blutdruckmessen). In Studien wurde gezeigt, dass ein systolischer Blutdruckanstieg um 10 mmHg das Schlaganfallrisiko um 30 Prozent erhöht. Zudem haben Menschen mit Bluthochdruck ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall im Vergleich zu Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Drei Viertel aller Schlaganfallpatienten haben einen Bluthochdruck!
Weitere Risikofaktoren sind:
- hohes Alter,
- koronare Herzkrankheit (KHK),
- Typ-2-Diabetes,
- Rauchen,
- starker Alkoholkonsum,
- Hormone (z. B. Einnahme von Östrogenen),
- starke Migräne und entsprechende Aura.
Schlaganfall durch eine Blutung
Etwa 15 Prozent aller Hirnblutungen treten spontan auf, wobei einer der wichtigsten Risikofaktoren der Bluthochdruck ist – dabei kommt es zum Einreißen der Gefäße. Zudem können Blutungen auch z. B. unter der Therapie mit Gerinnungshemmern (Antikoagulantien) entstehen, aber auch bei Gerinnungsstörungen und bestimmten Gefäßerkrankungen im Gehirn.
- optimale Blutzuckereinstellung
- gute Blutdruckeinstellung
- Rauchen einstellen
- Normalisierung des Fettstoffwechsels durch Ernährung und/oder Medikamente (Fettsenker)
- regelmäßige Bewegung und Entspannung (z. B. autogenes Training, Qigong, Joggen, Walken etc.)
- evtl. Blutplättchenhemmer (Thrombozytenaggregationshemmer), z. B. Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel
Welche Beschwerden können auftreten?
Anhand der Symptomatik der Beschwerden lässt sich herausfinden, an welcher Stelle bzw. an welchen Stellen ein Blutgefäß verschlossen ist. Leitsymptome eines Schlaganfalls sind, wenn die Halsschlagader betroffen ist: vorübergehende Erblindung, Lähmungen und Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen. Ist dagegen die „Wirbelarterie“ betroffen (sie läuft in den Querfortsätzen der Halswirbelsäule ins Gehirn), kommt es häufiger zu Drehschwindel, Sturzattacken (Drop attacks, Fallneigung zu einer Seite), Augenmuskelbewegungen, Erbrechen, Sehstörungen und Lähmungen.
Bei einem Schlaganfall auftretende Komplikationen können jedoch auch sein: Schluckstörungen mit der Gefahr eines Einatmens von Nahrungsbestandteilen und der Folge einer Lungenentzündung (Aspirations-Pneumonie), Harnwegsinfektionen (z. B. durch Blasenverweilkatheter), Urin- oder Stuhlinkontinenz, epileptiforme Anfälle, Atemregulationsstörungen. Ist die Durchblutung in den Hirnarterien höhergradig eingeschränkt (über 70 Prozent) oder ausgelöst durch ein Gerinnsel, kann es zu einer vorübergehenden Durchblutungsstörung (Dauer unter 24 Stunden), bezeichnet als TIA (transitorische ischämische Attacke) kommen. Dieser „kleine“ Schlaganfall ist nicht selten Vorbote eines „großen“ Schlaganfalls.
Besonderheiten bei Diabetes
In einer großen Studie, an der in den USA ca. 120 000 Krankenschwestern teilgenommen haben, zeigte sich, dass das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt bereits deutlich erhöht war, wenn Teilnehmerinnen ein Vorstadium des Diabetes hatten. Und etwa 12 Prozent aller Diabetiker leiden an Durchblutungsstörungen der Hirnarterien, die die häufigste Ursache von Schlaganfällen sind. Leichte Durchblutungsstörungen können so bereits früh zu Störungen im Gehirn führen, so dass z. B. das logische Denken nachlässt, ebenso die Aufmerksamkeit und die Organisationsfähigkeit.
Wie entscheidend eine ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Glukose über das Blut ist, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten, zeigen diese Beispiele:
- Das Gehirn benötigt für seinen Stoffwechsel fast ausschließlich Zucker (Glukose) als Energielieferanten, täglich etwa 115 Gramm.
- 15 Prozent des Blutvolumens, das das Herz pro Minute pumpt, werden dazu unter Ruhebedingungen benötigt, obwohl das Gehirn selbst nur etwa 2 Prozent des Gesamtkörpergewichts ausmacht! Symptome treten auf, wenn die Gehirndurchblutung von normalerweise etwa 58 Milliliter Blut pro 100 Gramm Gehirn auf unter 22 Milliliter absinkt.
- Zur Erinnerung: Die Leber liefert tagsüber pro Stunde etwa 10 Gramm Glukose (in der Nacht etwas weniger) – davon sind schon mindestens 6 Gramm allein für das Gehirn bestimmt (Zuckerneubildung und Mobilisation).
Wie wird ein Schlaganfall diagnostiziert?
Die Doppler-, Duplex- und Farbduplex-Sonographie spielen bei der Diagnose von Verkalkungen oder Engstellen der Halsschlagader bzw. der Wirbelarterie die wichtigste Rolle, da sie schnell einsetzbar und beliebig wiederholbar sind, ohne die Patienten schädlichen Strahlen auszusetzen oder sie durch Kontrastmittel zu belasten. Das ist wichtig für Menschen mit Diabetes und/oder einer geschädigten Niere.
Mit diesen Untersuchungsmethoden kann man auch schon Jahre vorher krankhafte Wandverdickungen erkennen und die weitere Entwicklung abschätzen. Spezielle Untersuchungstechniken (z. B. Magnetresonanz- bzw. Computertomographie) erlauben die Darstellung des gesamten Gehirns mit seiner Durchblutung. Hiermit lässt sich auch am besten die Unterscheidung treffen, ob der Schlaganfall ausgelöst wurde durch eine Blutung im Gehirn (z. B. nach einer Blutdruckkrise) oder durch die Verstopfung einer Arterie (Ischämie) durch ein Gerinnsel (z. B. bei Vorhofflimmern).
Zusammenfassung
Ein Schlaganfall ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis – und manchmal sogar tödlich. Vorboten sollten insbesondere auch Menschen mit Diabetes kennen, da sie häufig weitere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen haben und damit ihr Risiko steigt. Gehen Sie bei Beschwerden rechtzeitig zum Arzt – jede akute Durchblutungsstörung des Gehirns ist ein Notfall!
Autor:
|
|
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (11) Seite 30-33
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community
3 Minuten
- Begleit-Erkrankungen
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 3 Tagen, 19 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 21 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 3 Tagen, 19 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

