- Behandlung
Potenzstörungen ernst nehmen
4 Minuten

Kein Mann spricht gern über Erektionsstörungen – häufig wird die „Potenzstörung“ noch als Makel angesehen, den Mann besser nicht offen ausspricht. Leider – denn es gibt Hilfen, mit denen eine ausreichende Erektion und damit häufig ein zufriedenstellendes Sexualleben möglich ist. Wir sprechen darüber.
Etwa 30 Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland haben Erektionsstörungen. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es immerhin 10 Prozent – die Dunkelziffer ist höher. Bei Menschen mit Diabetes sind rund 55 Prozent der über 60-Jährigen mit längerer Diabetesdauer betroffen, etwa 17 bis 55 Prozent der Bluthochdruckkranken sowie 55 Prozent der Raucher – auch ohne Diabetes! Diabetes erhöht das Risiko um etwa das 4-Fache.
Nehmen mit dem Alter zu: Erektionsstörungen, fachsprachlich „erektile Dysfunktion“ genannt.
- Stress
- Depression
- Angsterkrankungen
- Lebensstil: Rauchen, Alkohol, wenig Bewegung
- Übergewicht
- Medikamente (z. B. Betablocker, Neuroleptika, Antidepressiva etc.)
Hindernis und Zeichen für Schlimmeres!
Die erektile Dysfunktion ist nicht nur ein Hindernis für eine befriedigende Sexualität und damit oft auch für Lebensqualität: Sie ist auch ein indirektes Zeichen für möglicherweise schwerwiegende Gefäßerkrankungen, die zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können – oder zu arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK: periphere arterielle Verschlusskrankheit).
So ist z. B. das Risiko, in den folgenden 5 Jahren nach Diagnose der Erektionsstörung am Herzinfarkt zu sterben, doppelt so hoch wie ohne diese Störung! Die Erektionsstörung ist somit quasi ein “Marker” für eine mögliche koronare Herzkrankheit (KHK). Aber: Eine Erektion ist nur Mittel zum Zweck – z. B. zu einem erfüllten Sexualleben –, sie ist kein Selbstzweck.
Die Erektion des Mannes ist ein komplexes Geschehen, bei dem die Durchblutung der Penisgefäße (arteriell und venös), die Versorgung durch Nerven sowie Hormone entscheidende Rollen spielen – in dieses Geschehen können auch psychische Komponenten mit Erschöpfung hineinwirken! Im Urlaub klappt es meist besser – ohne Stress etc.
Wie es zur Erektion kommt
Arterielles Blut wird in die Schwellkörper gepumpt – der Penis wird steif, und gleichzeitig werden die Venen des Penis dadurch zusammengepresst; das Blut kann dann nicht mehr abfließen. Damit dies nach einigen Minuten der Steifheit wieder möglich wird, bedarf es des Enzyms Phosphodiesterase. Wird dieses gehemmt, verweilt das Blut länger im Schwellkörper – so wirken Medikamente, die die Phosphodiesterase hemmen.
Erektionsstörungen behandeln
Erektionsstörungen sollten so früh wie möglich diagnostiziert und danach auch konsequent behandelt werden, da sie sonst leicht zu einem chronischen Problem werden: Das Selbstbildnis kann leiden, und man fühlt sich schnell als Versager. Libidoverlust (also keine Lust auf Sex), Ejakulationsstörungen und Orgasmusstörungen stehen bei Männern mit Diabetes nicht im Vordergrund. Viel mehr geht es um die Therapie der Erektionsstörung – und zwar mit folgender Herangehensweise:
Stoffwechselparameter verbessern durch …
- Optimierung der Blutzuckereinstellung des Diabetes,
- Reduktion des Übergewichts,
- Optimierung der Blutdruckeinstellung und der Blutfette,
- Einstellen des Rauchens und Reduktion des Alkoholkonsums.
Psychische Probleme angehen durch …
- Reduktion von Stress,
- Normalisierung des Schlafes,
- mehr regelmäßige Bewegung/Sport in der Natur,
- evtl. Psychotherapie/Medikamente.
Verschreibungspflichtige Medikamente wie:
- Sildenafil (z. B. Viagra),
- Tadalafil (z. B. Cialis),
- Vardenafil ( z. B. Levitra),
- Avanafil (z. B. Spedra).
Diese Medikamente, die auf dem Wirkprinzip der Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase beruhen, sind heute Medikamente der ersten Wahl, um eine Erektionsstörung zu behandeln. Manche Patienten berichten auch darüber, dass mit den Medikamentenein “anderes Gefühl” als ohne Potenzmittelerreicht wird. Sollte eine Erektion auch ohne Hilfsmittel wieder möglich sein, ist diese meist wieder von größerer Erfüllung.

Natürlich – und ohne Nachweis
Alternative Heilmittel, die oft als natürlich angepriesen werden (und deren Wirkung wissenschaftlich nicht bewiesen ist), sind z. B.:
- Kiefernrindenextrakt (Androxan),
- Yohimbin (aus der Rinde des afrikanischen Yohimbe-Baums),
- Ginkgo (aus den Blättern des Ginkgo-Baums),
- Ginseng (aus der Wurzel der Ginseng-Pflanze),
- Meeresfrüchte (z. B. Austern).
Bestimmte Herz- und Blutdruckmedikamente wie Nitroglyzerin, Isosorbid und Molsidomin sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden – die Blutdrucksenkung könnte lebensgefährlich sein! Die Vakuumtherapie (Pumpe), die Injektion von Prostaglandinen in den Schwellkörper und chirurgische Verfahren sind in Einzelfällen möglich bzw. sinnvoll – auch die Substitution von Hormonen wie Testosteron kann sinnvoll sein.
Zusammenfassung
Erektionsstörungen können neben dem Diabetes auch zahlreiche andere Ursachen haben. Sie sollten unbedingt ernst genommen werden – eine rechtzeitige Diagnose und Therapie kann sowohl helfen, ernste Folgeerkrankungen zu vermeiden als auch ein befriedigendes Sexualleben zu ermöglichen.
Sprechen Sie darüber mit Ihrem Hausarzt und lassen Sie sich zu einem Spezialisten überweisen (Diabetologe, Urologe, Kardiologe, Angiologe etc.). Sie sollten aber auch Ihre Partnerin/Ihren Partner von Anfang an mit einbeziehen.
Autor:
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (5) Seite 30-32
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße