Prostatakrebs: Schlechte Prognose bei Männern mit Diabetes

2 Minuten

© decade3d - Fotolia
Prostatakrebs: Schlechte Prognose bei Männern mit Diabetes

Männer mit Typ-2-Diabetes erkranken zwar seltener an Prostatakrebs als Patienten ohne Diabetes. Allerdings ist die Sterblichkeit höher. Eine deutsche Forschergruppe fand eine mögliche Erklärung für die schlechtere Prognose: Auf den Zellen der Betroffenen finden sich vermehrt Proteine, die deren Wachstum und Teilung fördern.

Prostatakrebs und Typ-2-Diabetes gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Männern. Obwohl Studien darauf hindeuten, dass Menschen mit Diabetes häufiger an Krebs erkranken, leiden Männer mit Diabetes nicht vermehrt an Prostatakrebs. Im Gegenteil: Übersichtsarbeiten von mehreren Studien ergaben, dass Diabetes-Patienten seltener an diesem Karzinom erkranken. Allerdings war die Sterblichkeit höher. Dies bestätigen auch aktuelle Untersuchungen eines Tübinger Forscherteams unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von Patienten, bei denen die Prostata krebsbedingt entfernt wurde. Wie erwartet waren darunter weniger Patienten mit Diabetes als in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings hatten Prostatakrebs-Patienten mit Diabetes deutlich häufiger bereits Metastasen in den Lymphknoten. Zudem war der Anteil der Patienten, die nach den Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) zu der sehr hohen Risikogruppe gehören, bei den Betroffenen mit Diabetes signifikant höher.

Prostatakrebs: Was ist anders bei Diabetes?

Doch wie unterscheiden sich Prostatakarzinome bei Menschen mit und ohne Diabetes? Was macht das Prostatakarzinom von Patienten mit der Stoffwechselerkrankung so aggressiv? Dieser Frage gingen die Forscher in einer weiteren Studie nach und analysierten dazu 129 Tumorproben: 70 von Patienten ohne und 59 Proben von Betroffenen mit Typ-2-Diabetes.

Bei der Entstehung von Prostatakrebs spielen männliche Geschlechtshormone (Androgene) eine wichtige Rolle. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei Menschen mit Diabetes der Androgen-Rezeptor deutlich häufiger auf der Zelloberfläche auftrat und der durch ihn vermittelte Signalweg verstärkt aktiviert war.

Und einen weiteren Unterschied identifizierten die Autoren: In den Prostatakarzinomen der Patienten mit Diabetes werden verstärkt Insulinrezeptoren der Isoform A exprimiert, die Wachstumsfaktoren (engl. Insulin-like growth factors, IGF) binden und zu verstärktem Zellwachstum und -teilung beitragen. Normalweise exprimieren Erwachsene hauptsächlich die Isoform B, die kein IGF bindet.

Zudem sei bei Patienten mit Diabetes auch die Steroidbiosynthese im Tumor verändert, sodass weniger schützende Östrogen-Rezeptor-Liganden gebildet würden. Das verstärkt den Androgen-Signalweg in den Tumoren weiter.

Diabetes und Prostatakrebs: Umfassendere Diagnostik erforderlich

Ein Prostatakarzinom bei Männern mit Typ-2-Diabetes habe also eine schlechtere Prognose und müsse daher eher und umfassender abgeklärt und behandelt werden als ein Prostatakrebs bei Nicht-Diabetikern, so die Autoren. Die Studien, deren Ergebnisse in den Fachmagazinen Molecular Metabolism und Endocrine Related Cancer veröffentlicht wurden, lieferten neue Erkenntnisse über die biologischen Hintergründe der Aggressivität.


Quelle: Pressemitteilung des Diabetesinformationsdiensts München

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Jeder Diabetes ist anders: Warum individuelle Lösungen zählen
Moderne Diabetes-Technologien bieten heute mehr Möglichkeiten denn je. Sensoren, Insulinpumpe n, AID-Systeme und digitale Anwendungen können den Alltag mit Diabetes erleichtern und neue Freiheiten schaffen. Gleichzeitig wird die Auswahl an Produkten und Systemen immer größer. Bei tk pharma steht deshalb die persönliche Beratung im Mittelpunkt.

3 Minuten

Anzeige
Laura Heyn im Interview: Mit Diabetes gelassen und selbstbestimmt sein
Spontanen Reisen mit Freundinnen zeigen Laura Heyn, dass sie ihr Leben auch mit Diabetes selbst gestalten kann. Die Community und weniger Perfektionismus haben ihr geholfen, nach einer schweren Ketoazidose wieder ­Vertrauen in sich und ihren Körper zu finden.
Laura Heyn im Interview: Mit Diabetes gelassen und selbstbestimmt sein | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

16 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute