Ratschläge von schlechten Vorbildern …

2 Minuten

© Kirchheim-Verlag | Illustrationen: Christian Mentzel
Ratschläge von schlechten Vorbildern …

Gestern Abend erzählte mir meine Freundin Gabi ganz beiläufig, dass ihr Arbeitskollege, der bei einer Bank arbeitet, 3.000 Euro seiner Ersparnisse durch eine Fehlspekulation verloren habe. "Na, das ist ja toll", sagte ich, "und so jemandem soll man als Kunde sein Geld anvertrauen? Kein gutes Vorbild!"

Können rauchende oder übergewichtige Behandler Vorbild sein?

"Das mit den Vorbildern ist so eine Sache", meinte daraufhin Gabi: "Wie viele von euch Ärzten und Diätassistenten in der Klinik sind auch keine guten Vorbilder. Wenn ich mich in deinem Kollegenkreis so umschaue, dann sind doch viele ganz schön übergewichtig – und rauchen tun sie auch."

Da hat meine Gabi natürlich Recht, denn als Arzt, Diabetesberaterin oder Diätassistentin sollte man ein gutes Vorbild sein. Welch ein Patient nimmt einem schon die gut gemeinten Ernährungsratschläge ab, wenn es bei einem selbst ja offenbar überhaupt nicht klappt? Das darf man auch nicht damit entschuldigen, dass es ja schon immer so war, dass der Schuster die schlechtesten Schuhe hat. Da muss man dann als Arzt oder sonstige Fachkraft schon an sich selbst arbeiten.

Am besten direkt bei sich selbst anfangen

Dann schaute Gabi mir tief in die Augen und sagte: "Und du, mein lieber Hans, kannst direkt selbst damit anfangen, denn du hast auch einen Bauch, der früher nicht da war." Nun ja, da hat sie sicher nicht Unrecht: Mein Bauchumfang hat die oberste Normgrenze schon überschritten. Dennoch gibt es nichts, das einen mehr davon abhält, an seinem Gewicht zu arbeiten, als eine Freundin, die das unbedingt will.

Trotz alledem – meine Lieblingshose passt nicht mehr so richtig, und mein Jackett kann ich nur schließen, wenn ich ausatme und dann die Luft anhalte. Das alles sind natürlich gute Gründe, spätestens im Frühjahr 2016 etwas zu tun. Und wenn ich es geschafft habe, wäre ich auch als Vorbild wieder tauglich.

Und zum Schluss fügte Gabi noch den Satz hinzu: "Und wenn wir im Sommer dann heiraten, dann möchte ich doch einen schlanken Ehemann." Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, dachte ich bei mir.


Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes und Augen: Netzhautschäden frühzeitig erkennen, Risiko senken und Sehvermögen schützen
Netzhautschäden zählen zu den häufigsten Diabetes-Folgen, bleiben jedoch oft über lange Zeit unbemerkt. Anlässlich des Tags der Netzhaut am 26. September informiert die DDG darüber, welche Warnzeichen man kennen sollten, wann Kontroll-Untersuchungen nötig sind und wie sich das Risiko senken lässt.
Diabetes und Augen: Netzhautschäden frühzeitig erkennen, Risiko senken und Sehvermögen schützen | Foto: Peakstock – stock.adobe.com

3 Minuten

Menschen mit Übergewicht: Vorurteile und Stigmatisierung in der ärztlichen Praxis
In der Gesellschaft sind Vorurteile und Stigmatisierung im Hinblick auf Menschen mit Übergewicht weit verbreitet. Auch im medizinischen Bereich können sie unbemerkt die Behandlung beeinflussen, etwa in der ärztlichen Praxis.
Eine Patientin im roten Oberteil spricht mit einem Arzt im weißen Kittel in einem Untersuchungszimmer. Auf dem Tisch liegen Unterlagen, daneben sind ein Anatomiemodell und medizinische Geräte zu sehen.

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂