- Behandlung
Reha: Probleme Herz und Durchblutung
4 Minuten

Diabetiker haben ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko. Und Durchblutungsstörungen zeigen sich bei Diabetikern stärker, sie treten früher auf und schreiten schneller voran. Im folgenden Artikel geht es um Rehamaßnahmen aufgrund dieser beiden Themen.
Wer Typ-2-Diabetes hat, hat ein etwa 2- bis 4-fach erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko – und kardiovaskuläre Erkrankungen sind bei ihnen mit etwa 80 Prozent die mit Abstand häufigste Todesursache. Frauen mit Typ-2-Diabetes haben ein fast doppelt so hohes Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) zu versterben, wie Männer mit Diabetes.
Bereits das prädiabetische Stadium mit unbemerkt erhöhten Blutzuckerwerten ist mit einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden; speziell hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen (postprandiale Hyperglykämie) zeigen ein hohes Risiko an. Deshalb ist vordringlich, während der Rehamaßnahme die Blutzuckereinstellung zu optimieren. Entscheidend ist daneben, konsequent Risikofaktoren auszuschalten.
Ernährung, Blutdruck, Blutzucker
Wichtiger Bestandteil der gesamten Rehamaßnahme sind ausführliche Schulungen zu vernünftiger, der Tätigkeit angepasster Ernährung sowie zu regelmäßigem körperlichem Training zur Verbesserung der Insulinempfindlichkeit – und somit zur Normalisierung der Blutzuckerwerte! Kurzfristige Programme zur Gewichtsreduktion sind nie effektiv.
Auch eine konsequente Blutdruckeinstellung ist ein wichtiger Teilaspekt: Mit ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Rezeptorblockern (stoffwechselneutral) kann das Risiko einer diabetischen Nephropathie und auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse deutlich reduziert werden.
Die Optimierung der Blutzuckereinstellung ist zwar wichtig mit Blick auf die Komplikationen an kleinen Blutgefäßen (Augen, Nieren, Nerven) – sie kann jedoch nicht die Ursache von Herz-Kreislauf-Komplikationen beeinflussen. Deren Bekämpfung steht jedoch während der Reha eindeutig im Vordergrund.
Zusätzliche bzw. spezielle Therapieziele bei Patienten mit Diabetes mellitus
- Steigerung der körperlichen Aktivität,
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht um etwa 5 bis 10 Prozent (pro Jahr!),
- Einstellen des Rauchens,
- optimale Blutdruckeinstellung z. B. mittels ACE-Hemmern bzw. Angiotensin-II-Rezeptorblockern (zusätzliche Gabe von Beta-Blockern wegen KHK möglich bzw. sinnvoll),
- wenn möglich, Blutzuckereinstellung mit Blutzuckerwerten nüchtern zwischen 90 und 120 mg/dl (5,0 und 6,7 mmol/l), Blutzuckerwerte 1 bis 2 Stunden nach dem Essen 130 bis 160 mg/dl (7,2 bis 8,9 mmol/l),
- Optimierung des Fettstoffwechsels, insbesondere Senkung des LDL-Cholesterins unter 70 mg/dl (1,9 mmol/l), Triglyzeride unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l), HDL-Cholesterin über 40 mg/dl (1,0 mmol/l), wobei Statine Mittel der ersten Wahl sind.
Reha: Training, Training, Training
Da das Übergewicht vor allem bei Typ-2-Diabetikern eine entscheidende Rolle spielt (meist wegen Bewegungsmangel), ist das regelmäßige kardial überwachte Training(Ergometertraining) eine entscheidende Maßnahme während der stationären Reha. Vor Beginn des Trainings erfolgt eine individuelle Beurteilung des individuellen Risikos der Patienten, die häufig orthopädische Begleiterkrankungen wie Knie-, Hüft- oder Wirbelsäulenprobleme haben.
Die kardiologische Rehabilitation bzw. Anschlussheilbehandlung nach einem akuten kardialen Ereignis bei einem Diabetiker (nach Herzinfarkt, nach Herzklappenoperationen, einer Herztransplantation oder auch nach Bypass-Operationen) ist laut Datenlage verbunden mit deutlich weniger Krankheitskomplikationen sowie Sterblichkeit vor allem bei Frauen mit Diabetes – deutlich mehr Patienten gehen danach trotz eines z. B. ausgedehnten Herzinfarktes auch wieder arbeiten.
Entscheidend ist neben einer Optimierung der Blutzuckereinstellung die langfristige Reduktion der Risikofaktoren: Speziell bei einer ausgeprägten Schädigung des Herzens (Herzinsuffizienz) oder auch bei psychischen Problemen empfiehlt sich die Nachsorge z. B. durch Anschluss an eine ambulante Herzgruppe oder Durchführung einer IRENA-Maßnahme (Intensive Reha-Nachsorge).
Reha bei Diabetes und “peripherer arterieller Verschlusskrankheit” (pAVK)
Das Diabetische Fußsyndrom ist bei den Komplikationen mit 12 Prozent die teuerste – die pAVK ist für den weiteren Verlauf des Diabetischen Fußsyndroms der wesentliche Faktor. Die Häufigkeit der pAVK nimmt durch die bessere Versorgung von Menschen mit Diabetes zwar prozentual ab – sie nimmt aber zahlenmäßig wegen der längeren Lebenserwartung insgesamt zu.
Von 65.000 Amputationen jährlich in Deutschland (ohne Unfälle!) werden etwa 40.000 bei Diabetikern durchgeführt. Die Neuropathie hat als bisher führende Ursache des Diabetischen Fußsyndroms (etwa 80 Prozent) an Bedeutung verloren. Ursache dafür könnte die bessere Blutzuckereinstellung sowie eine insgesamt bessere ambulante Betreuung mit Schulung sein. Jede Erhöhung des HbA1c-Wertes um nur 1 Prozent bedeutete in einer Metaanalyse eine Erhöhung der Amputationsrate um 20 Prozent.
Die pAVK zeigt sich bei Diabetikern in stärkerem Ausmaß und sie manifestiert sich früher und schreitet schneller voran. Sie befällt hauptsächlich den Unterschenkel. Die pAVK ist für die überwiegende Anzahl von Amputationen von Diabetikern verantwortlich; das Risiko für eine Amputation ist bei pAVK um das 4-Fache erhöht: Wo kein Blut hinkommt, kann nichts heilen! Die pAVK verschlechtert auch die Gesamtprognose für einen Menschen mit Diabetes – vor allem das Risiko für den Herzinfarkt und den Schlaganfall steigt!
Ähnlich wie bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (z. B. nach Bypass-Operation oder Intervention mit Stent nach Herzinfarkt) sollte der Patient mit pAVK streng bezüglich seines Blutzucker-Stoffwechsels eingestellt sein. Die Reha-Maßnahme bei pAVK bietet dann neben einer intensiven, meist dreiwöchigen Maßnahme die Möglichkeit, die Blutzuckereinstellung zu optimieren – zum Beispiel nach einer Bypass-Operation am Unter- und/oder Oberschenkel.
Rehamaßnahmen wie intensives Gefäßtraining
Inhalte einer Rehamaßnahme sind wie gesagt auch Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen und insbesondere die oft notwendige Raucherentwöhnung inklusive psychologischer Unterstützung, um einem Rezidiv, sprich einem Wiederauftreten eines Gefäßverschlusses möglichst vorzubeugen.
Hauptinhalte einer stationären Rehabilitation bei arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine bzw. Becken sind ein intensives Gefäßtraining unter Beachtung der übrigen Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, weitere Gefäßverengungen, koronare Herzkrankheit.
Ähnlich wie bei einem Aufenthalt in einem Akutkrankenhaussollten Diabetiker natürlich ihre Utensilien in eine Rehabilitationsklinik mitnehmen – gerade dort, wo es keine Fachspezialisten für Diabetes (Diabetesberater, Diabetologen) gibt – siehe links!
Zusammenfassung
Rehabilitation bei Menschen mit Diabetes erfolgt in vielen Fällen im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme (Anschlussheilbehandlung, AHB) nach Operationen bzw. Interventionen in Akutkrankenhäusern und ist bei einer immer älter werdenden Population mit immer mehr Begleiterkrankungen des Diabetes sehr sinnvoll oder sogar notwendig, um später wieder seinen Alltag möglichst selbständig zu “managen”.
Dabei spielt die “Neueinstellung des Diabetes” oft nur eine untergeordnete Rolle – vielmehr geht es um die Wiedererlangung von Selbständigkeit im Alltag: bei orthopädischen Problemen, zur Steigerung der Herz-Kreislauf-Fitness, zur Einstellung des Blutdrucks etc. Eine Rehabilitationsmaßnahme wegen Diabetes kann jedoch deshalb sinnvoll sein, da über drei Wochen ein multidisziplinäres Team alle Facetten des Diabetes betrachten und behandeln kann – so profitieren sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker.
- Rehabilitation rechnet sich!
- Die diabetologische Rehabilitation
- Reha: Probleme Herz und Durchblutung
von Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist/Angiologe/Diabetologe/Sozialmedizin, Chefarzt Deegenbergklinik
sowie Chefarzt Diabetologie Klinik Saale (DRV-Bund)
Deegenbergklinik, Burgstraße 21,
97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71/8 21-0, E-Mail: schmeisl@deegenberg.de
Klinik Saale, Pfaffstraße 10,
97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71/8 5-01
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (12) Seite 22-25
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht

2 Minuten
- Behandlung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
lena-schmidt postete ein Update vor 2 Tagen, 16 Stunden
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im August – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße