- Behandlung
Sexualhormone: Viele Unterschiede – und ihre Folgen auf den Diabetes
4 Minuten
Manche Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind offensichtlich – andere offenbaren sich erst, wenn man, wie Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, ganz genau hinschaut und auch männliche und weibliche Hormone genau unter die Lupe nimmt.
Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur aufgrund der Geschlechterrollen, Belastungen und Umweltbedingungen, sondern auch in verschiedenen körperlichen, biologischen Aspekten. Offensichtlich sind die Unterschiede in den Geschlechtsorganen und den sekundären Geschlechtsmerkmalen, also den äußerlichen Merkmalen, aber es finden sind auch in allen anderen Organsystemen und Körperfunktionen mehr oder weniger ausgeprägte Unterschiede.
Frauen haben mehr Körperfett, Männer mehr Muskelmasse
Ein wesentlicher Unterschied besteht zum Beispiel in der Körperzusammensetzung: Frauen haben schon von Geburt an mehr Körperfett als Männer, während Männer mehr Muskelmasse haben. Auch die Fettverteilung ist unterschiedlich: So haben Frauen typischerweise mehr Fettspeicher im Bereich der Hüften und Oberschenkel, Männer jedoch mehr Fett im Bereich des Rumpfes.
Frauen haben mehr Unterhautfettgewebe, unabhängig vom Körpergewicht, während Männer mehr gesundheitlich gefährliche Fetteinlagerungen im Bereich der Organe und vor allem im Bereich der Eingeweide (viszerales Fett) aufweisen. Das ist auch besonders mit dem Auftreten einer Fettleber verbunden, die vor allem bei Männern mit Diabetes (aber auch bei älteren Frauen mit Diabetes) sehr häufig anzutreffen ist.
Diese Fetteinlagerungen sind wiederum mit mehr Entzündungsprozessen und der Freisetzung von ungünstigen Fettgewebshormonen verbunden. Wichtige Unterschiede finden sich auch in der Aktivität der Leberenzyme, was erklären kann, warum Medikamente bei Männern und Frauen unterschiedliche Effekte haben.
Auch Sexualhormone tragen zu den Unterschieden bei
Viele dieser Unterschiede gehen mit der unterschiedlichen Verteilung von Andockstellen für Sexualhormone einher, viele sind auch – vor allem von der Pubertät bis zur Menopause (Zeitpunkt der letzten spontanen Menstruation) – durch die wechselnden Konzentrationen von Sexualhormonen zu erklären, insbesondere durch höhere Spiegel von Östrogen und Progesteron bei Frauen und höheren Testosteronspiegel bei Männern.
Ab der Pubertät treten deshalb auch bei Männern und Frauen unterschiedliche Krankheitshäufigkeiten auf: Bei Frauen nehmen vor allem die Autoimmunerkrankungen zu, während nach der Menopause sich die Häufigkeit hier eher angleicht und dafür chronisch entzündliche Erkrankungen, aber auch der Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich ansteigen.
Einige Unterschiede sind auch durch Unterschiede in den Geschlechtschromosomen erklärbar sowie in unterschiedlichen Auswirkungen von Lebensstil und Umwelteinflüssen auf die Genexpressionsaktivität, also darauf, wie eine genetische Information zum Ausdruck kommt.
Frauen sind empfindlicher für Insulin
Durch den höheren Anteil an Muskelmasse haben Männer einen höheren Grundumsatz und einen höheren Energiebedarf als Frauen. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen im Vergleich zu Männern generell insulinempfindlicher sind. Dies könnte auch durch die unterschiedliche Körperfettverteilung und Körperzusammensetzung sowie die Auswirkungen der Sexualhormone erklärt werden, aber auch durch Unterschiede in Fettgewebshormonen.
So haben Frauen generell höhere Spiegel von Adiponektin, einem Fettgewebshormon, das auch mit einer besseren Insulinempfindlichkeit und einem geringeren Risiko für Atherosklerose in Verbindung steht. Die Bauchspeicheldrüsen nichtdiabetischer Frauen reagieren auch besser auf Reize zur Insulinausschüttung und die Frauen weisen niedrigere Blutzuckerspiegel auf als Männer.
Im Stadium des Prädiabetes sind bei Frauen vor allem die Blutzuckerwerte nach dem Essen bzw. nach einem Zuckerbelastungstest (oralen Glukosetoleranztest, oGTT) erhöht, was auf die unterschiedliche Körpergröße und eine langsamere Zuckeraufnahme im Darm zurückzuführen sein dürfte.
Mehr Testosteron, höheres Diabetesrisiko
Viele Unterschiede hängen, wie gesagt, mit den Sexualhormonspiegeln zusammen. Eine Dysbalance der Sexualhormonspiegel ist meist auch mit einer Veränderung des Risikos für Diabetes, aber auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Seit langem ist bekannt, dass Frauen mit höheren männlichen Sexualhormonspiegeln (Testosteron, Androgenen) ein höheres Risiko dafür haben, Diabetes zu entwickeln, aber auch häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.
Ein Beispiel sind Frauen mit einem Polyzystischen Ovarial-Syndrom, einer Erkrankung, die ungefähr 8 Prozent der Frauen betrifft und häufig aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches, von Zyklusanomalien, einem männlichen Behaarungstyp oder Akne diagnostiziert wird. Männer wiederum haben bei erniedrigtem Testosteronspiegel (Testosteronmangel) ein höheres Risiko für Diabetes. Stark übergewichtige Männer zeigen häufig ein doppelt so hohes Risiko für verminderte Testosteronspiegel oder auch Sexualfunktionsstörungen wie normalgewichtige.
Deutliche Unterschiede finden sich bei den Blutfetten: Frauen haben typischerweise niedrigere LDL-Cholesterin-Spiegel, um ca. 10 mg/dl höhere HDL-Cholesterin-Spiegel und niedrigere Triglyzerid-Spiegel – also insgesamt ein günstigeres Profil der Blutfette. Das erklärt ihr generell niedrigeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall in jüngeren Jahren. Im Schnitt sind Frauen zehn Jahre später als Männer betroffen.
Höhere Risiken für Frauen mit Diabetes
Entwickelt sich ein Prädiabetes oder ein manifester Diabetes, ändert sich diese Risikokonstellation, und es scheint so, als ob die Diabetesentwicklung den weiblichen Schutz vor Gefäßerkrankungen und anderen Komplikationen aufhebt. Im Vergleich zu nichtdiabetischen Männern und Frauen ist die Risikoerhöhung für Komplikationen bei Frauen höher als bei Männern.
So kostet Diabetes Frauen mehr Lebensjahre als Männer – vor allem jüngere Frauen, wobei in den letzten Jahren gerade in dieser Gruppe eine deutliche Verbesserung eingetreten ist, wie eine schwedische Studie gerade gezeigt hat. Bei Männern wird Diabetes meist in jüngeren Jahren und bei niedrigerem Körpergewicht festgestellt. Frauen, bei denen ein Diabetes diagnostiziert wird, sind meist stärker übergewichtig als Männer und auch älter.
Stress dürfte bei Frauen mit einem noch höheren Anstieg des Diabetesrisikos als bei Männern einhergehen. Zum Teil ist das dadurch erklärbar, dass Frauen in Stresssituationen häufig mehr Energie zuführen („Frustessen“) und so ein Teil des Risikos durch mehr Übergewicht zu erklären ist. Zudem findet man aber auch Unterschiede in den Regelkreisen der Hormone, die vom Nervensystem ausgeschüttet werden, und Unterschiede in der Stressempfindlichkeit und in den Anpassungsvorgängen. Schlafentzug und Schichtarbeit sind auch mit einem höheren Diabetesrisiko bei Männern und Frauen verbunden und dürften Frauen mehr gefährden, obwohl die Datenlage unterschiedlich und teilweise auch widersprüchlich ist.
Frauen ernähren sich gesünder, bewegen sich aber weniger
Deutliche Unterschiede finden sich bei Lebensstil, Ernährung, Bewegungsverhalten und -ausmaß. Frauen ernähren sich prinzipiell gesünder und essen mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und weniger Fleisch, während Männer fettreicher und mehr rotes Fleisch essen – sich also insgesamt weniger gesund ernähren. Allerdings haben Frauen meist auch einen relativ höheren Konsum an Zucker.
Die meisten Erhebungen zeigen, dass von klein auf Mädchen und Frauen bis ins hohe Alter deutlich weniger körperlich aktiv sind. Ein wichtiger Präventionsansatz wäre, Jungen von klein auf mehr Freude an einer gesunden Ernährung zu vermitteln und Mädchen schon früh zu zeigen, wie viel Freude Bewegung machen kann.
Schwerpunkt „Frauen sind anders – Männer auch“
- Sexualhormone: Viele Unterschiede – und ihre Folgen auf den Diabetes
- Frauen und Männer: Der kleine Unterschied – auch bei Diabetes?
- Männer und Frauen mit Diabetes: Sexualfunktion gestört – was tun?
von Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (10) Seite 16-21
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wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 3 Stunden, 11 Minuten
Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!
Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.
Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.
LG Wolfgang
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 22 Stunden, 19 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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suzana antwortete vor 20 Stunden, 26 Minuten
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 17 Stunden, 49 Minuten
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
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wolfgang65 antwortete vor 3 Stunden, 37 Minuten
Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.
Gruss Wolfgang
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michatype3 antwortete vor 3 Stunden, 13 Minuten
Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.
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vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 8 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
