Studie: Je früher der Start desto moderater die Gewichtszunahme

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Studie: Je früher der Start desto moderater die Gewichtszunahme

Der Start einer Insulintherapie bei Diabetes vom Typ-2 wird häufig lange hinausgezögert – auch aus Angst vor einer Gewichtszunahme. Eine deutsche Beobachtungsstudie zeigt, dass Zögern hier eher kontraproduktiv ist: Die Gewichtszunahme fällt weniger stark aus, je früher mit einer Insulintherapie begonnen wird.

Entsprechend der Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) soll bei Typ-2-Diabetes mit einer Insulintherapie begonnen werden, wenn Lebensstiländerungen alleine oder medikamentöse Therapie mit oralen Antidiabetika nicht ausreichen, um das individuelle Therapieziel zu erreichen. Oberstes Gebot ist jedoch, die Gefahr von Unterzuckerungen gering zu halten und Gewichtszunahmen zu vermeiden.

Im neuen Diabetes-Journal: So gelingt ein sanfter Einstieg in eine Insulintherapie

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes stehen einer Insulintherapie zunächst skeptisch gegenüber. Prof. Thomas Haak erklärt in der Insulin-Serie in der September-Ausgabe des Diabetes-Journals (erhältlich ab 25. August 2017), wieso viele Sorgen unbegründet sind und wie ein sanfter Therapiestart gelingt.

Das Diabetes-Journal bekommen Sie im Kirchheim-Shop, als ePaper sowie an Kiosken in Flughäfen und Bahnhöfen.

Beobachtungsstudie untersuchte Auswirkungen

Ein deutsches Wissenschaftlerteam hat sich zum Ziel gesetzt, die Gewichtsentwicklung von Patienten mit Diabetes vom Typ-2 im ersten Jahr nach dem Start der Behandlung mit Basalinsulin genauer zu untersuchen. Sie wollten Risikofaktoren identifizieren, die mit einer Gewichtszunahme in Zusammenhang stehen. Ihre Studie, deren Ergebnisse im Fachmagazin „The BMJ“ publiziert wurden, basiert auf Daten des nationalen Diabetes-Registers DIVE (Diabetes-Versorgungs-Evaluation).

Insgesamt werteten sie die Angaben von 521 Patientinnen und Patienten aus. Von diesen hatten 113 Personen erstmals eine Basal-Insulintherapie gestartet, mit oder ohne zusätzliche antidiabetische Medikation. Die Vergleichsgruppe bestand aus 408 Personen, die nur mit oralen antidiabetischen Medikamenten behandelt wurden. Beide Gruppen wurden über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet.

Moderate Gewichtszunahme bei frühem Start der Insulintherapie

In der Insulingruppe kam es im Verlauf des Jahres zu einer durchschnittlichen Gewichtszunahme von 0,98 +/- 7,1 kg, während die Patienten in der Medikamentengruppe im Durchschnitt 1,52 +/- 11,8 kg an Körpergewicht verloren.

Um bessere Vorhersagen treffen zu können, welche Patienten besonders mit Gewichtszunahme reagieren, wurden verschiedene Parameter mit statistischen Methoden auf einen möglichen Zusammenhang hin untersucht. Für Faktoren wie die Körpergröße, das Geschlecht oder eine gleichzeitige Behandlung mit Metformin fanden die Wissenschaftler keinen signifikanten Zusammenhang.

Frühzeitiger Start verschafft gute Ausgangsposition

War jedoch das Körpergewicht bereits vor Start der Insulintherapie relativ hoch, oder lag die Erstdiagnose des Typ-2-Diabetes bereits sehr lange zurück, war das Ausmaß der Gewichtszunahme deutlich größer. Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c sank in der Insulingruppe deutlicher als in der Medikamentengruppe; wie es zu erwarten war, traten jedoch in dieser Gruppe auch häufiger Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auf.

Die Autoren fassen die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: mit einer Basalinsulin-Therapie lässt sich der Blutzuckerspiegel konsequenter kontrollieren als mit antidiabetischen Medikamenten allein. Startet man die Insulintherapie frühzeitig, ist die Ausgangsposition der Patienten noch relativ gut; je länger jemand mit einem schlecht eingestellten Diabetes lebt, desto größer ist das Risiko für Übergewicht. Je gesünder und normalgewichtiger ein Mensch mit Diabetes ist, desto leichter kann auch unter einer Insulintherapie das Auftreten von Hypoglykämien kontrolliert werden.

Bedingte Aussagekraft von Beobachtungsstudien

Die Verfasser räumen selbst methodische Mängel der Studie ein. Trotz der großen Patientenzahl im DIVE-Register (> 80.000) war aufgrund fehlender oder inkonsistenter Daten nur eine relativ geringe Patientenzahl für die Auswertung geeignet. Ein genereller Nachteil von Beobachtungsstudien im Vergleich zu kontrollierten klinischen Studien ist, dass viele Faktoren keiner Kontrolle im Rahmen der Studie unterliegen.

In der hier beschriebenen Studie konnte nicht klar getrennt werde, ob ein Gewichtsverlust tatsächlich auf die Diabetestherapie zurückzuführen ist, oder mit individuellen Lebensstiländerungen (geändertes Essverhalten, mehr körperliches Training etc.) der Probanden zusammenhängt.

Abwarten aus Angst vor Gewichtszunahme eher kontraproduktiv

Trotzdem kommen die Forscher zu dem Schluss, dass ein früherer Start der Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes Vorteile bringt, und ein Abwarten aus Angst vor einer Gewichtszunahme eher kontraproduktiv ist. Dennoch – eine Insulintherapie ist nicht für jeden Patienten geeignet. Die Patienten müssen physisch und psychisch in der Lage sein, sich auf regelmäßige Insulin-Injektionen einzulassen und das Behandlungsregime sorgfältig einzuhalten. Der Arzt sollte die Lebenssituation der und des Einzelnen im Blick behalten und für ausgiebige Schulung sorgen.


Quelle: Pressemitteilung des

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  • lena-schmidt postete ein Update vor 3 Tagen

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  • thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 4 Wochen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße